Norbert Röttgen und Kanzlerin Angela Merkel, Archivbild | dpa
Porträt

Norbert Röttgen "Muttis Klügster" will nach oben

Stand: 18.02.2020 11:55 Uhr

Reden kann er, nun muss er kämpfen. Mit 54 Jahren und nach langer Zeit in der zweiten Reihe will Norbert Röttgen an die CDU-Spitze. Kann er Kanzler? Ein Wegbegleiter glaubt an ihn.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Norbert Röttgen - ein Mann will nach oben. "Muttis Klügster" haben sie ihn einst genannt. Da war er noch Umweltminister und mancher flüsterte, er wolle "Muttis" Nachfolger werden. "Weiß ich nicht, ist kein Thema für mich. Der Posten ist gut besetzt", sagte er damals.

Georg Schwarte ARD-Hauptstadtstudio

Das klang bescheiden, obwohl dieser Norbert Röttgen im Kern nicht bescheiden ist. Wenn er spricht, klingt er meist geschliffen, bedächtig, ausgeruht. Der Mann hatte schon viele Ämter, die als Durchgangsstation auf dem Weg nach oben galten: Erster parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, dann Umweltminister.

"Was bitte ist modern an Norbert Röttgen?"

Katholisch, verheiratet, drei Kinder, Jurist - und ein guter Redner. Etwa bei seiner Antrittsrede als Umweltminister. Damals, 2009, gab er sich als Bewahrer der Schöpfung. Die Grünen fanden ihn eher suspekt. Den Mann, der die CDU in Richtung Schwarz-Grün führen wollte. "Was bitte ist modern an Norbert Röttgen?", fragte damals bissig Claudia Roth.

Röttgen kennt den Politikbetrieb gut, er saß im Fahrstuhl nach ganz oben, auch weil er die Regeln zu kennen schien: "Politik ist ein Feld, wo nicht die offene und ehrliche Aussprache überwiegt, sondern wo mit allen Mitteln und Methoden gekämpft wird - um Macht." Naives Vertrauen und Offenherzigkeit könnten einen Politiker das Überleben kosten.

Als Merkel ihn entließ

Sein eigenes politisches Überleben endete 2012 - vorerst: Er wollte Nordrhein-Westfalen als Sprungbrett nach ganz oben, wollte Ministerpräsident werden. Doch gleichzeitig stellte er klar, dass er der Partei dienen werde, wo sie ihn hinstelle. Doch die, in Person von Angela Merkel, stellte ihn damals ins Abseits. Er vergeigte die NRW-Wahl grandios. Das schlechteste CDU-Ergebnis jemals.

Wenige Tage danach wurde aus "Muttis Klügstem" der nach Rudolf Scharping erst zweite Minister, der jemals von einem Kanzler entlassen wurde: "Ich habe heute Vormittag mit dem Herrn Bundespräsidenten gesprochen und ich habe ihm gemäß Artikel 64 GG vorgeschlagen, Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Umweltbundesminister zu entbinden", sagte Merkel damals trocken.

Röttgen musste gehen, doch er kam wieder. Seit Januar 2014 ist der heute 54-Jährige Vorsitzender des mächtigen Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Seine Bühne: die internationale Politik. Seine Methode: abwägen. Das hat er von der Kanzlerin gelernt.

"Aus Holz geschnitzt, aus dem Kanzler gemacht werden"

"Ich wähle nicht das Bild des Vorreitens" - das vermittle immer den Eindruck, etwas besser zu wissen. Jetzt aber will er voran reiten, er will CDU-Chef werden. Röttgen ist ein Mann, dem schon früh viele vieles zutrauten in der CDU. Norbert Blüm, der Nordrhein-Westfale, kennt Röttgen gut und hat schon vor langer Zeit ein Urteil mit Perspektive gefällt:

Er ist ein Politiker, der aus einem Holz geschnitzt ist, aus dem Kanzler gemacht sind. Aber das macht ihn noch nicht zum Kanzler. Er muss sich jetzt erstmal bewähren.

Die kommende Bewährungsprobe für Röttgen ist nun der nächste Wahlparteitag der CDU.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2020 um 11:05 Uhr.