Pollen vom Hasel fliegen durch eine Parkanlage. | dpa

Studie Viele Pollen - mehr Corona-Infektionen

Stand: 09.03.2021 10:23 Uhr

Das Ende des Winters bedeutet: Die Pollen fliegen wieder. Damit beginnt nicht nur die Heuschnupfen-Zeit. Münchner Forscher haben herausgefunden, dass bei stärkerem Pollenflug die Zahl der Coronavirus-Infektionen steigt.

Starker Pollenflug kann einer Studie zufolge das Risiko einer Coronavirus-Infektion erhöhen. Gebe es viele Pollen in der Außenluft, stiegen die Infektionszahlen, berichtet ein internationales Team unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Pollenzahl und Lockdown-Regelung entscheidend

Laut der Forscher korrelierten die täglichen Infektionsraten mit der Pollenzahl in Ländern mit und ohne Lockdown.

An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen - dabei stiegen die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent, heißt es in der Studie.

Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

Geschwächte Körperabwehr

Die Forscher erklären dies wie folgt: Wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege. Der Körper produziere dann unter anderem weniger von den sogenannten antiviralen Interferonen.

Die zu den Studienautoren zählende Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann rät Menschen aus Risikogruppen, in den kommenden Monaten die Pollenflugvorhersagen zu beobachten und Staubfiltermasken zu tragen - also etwa FFP2-Masken.

Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020

Anlass für die Studie war der Eindruck, dass im Frühjahr vergangenen Jahres der Ausbruch der Corona-Pandemie in der nördlichen Hemisphäre mit den Flugzeiten der Baumpollen zusammengetroffen war. Bei den Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass sich im Durchschnitt 44 Prozent der Abweichungen der Infektionsraten vom Mittelwert durch in der Luft fliegende Pollen erklären ließen.

Die Autoren hatten Daten zu Pollenbelastung und Sars-CoV-2-Infektionsraten aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten analysiert. Sie berücksichtigten auch demografische Faktoren und Umweltbedingungen, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bevölkerungsdichte und die Ausprägung des Lockdowns.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 09. März 2021 um 10:30 Uhr.