Ein gefechtsbereites Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot. | dpa

Nach Raketeneinschlag Deutschland bietet Polen Abwehrsystem an

Stand: 21.11.2022 20:23 Uhr

Bundesverteidigungsministerin Lambrecht will Polen nach dem Raketeneinschlag in der Grenzregion zur Ukraine mit Flugabwehrsystemen und Kampfflugzeugen unterstützen. Die Bundeswehr selbst soll bei der Beschaffung schneller werden.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) will Polen mit einem Patriot-Abwehrsystem helfen. Grund ist der Raketenangriff, bei dem am vergangenen Dienstag in der Nähe zur ukrainischen Grenze zwei Menschen getötet wurden.

"Zusammen mit meinem polnischen Kollegen Mariusz Blaszczak bin ich übereingekommen, Patriot-Flugabwehrsysteme nach Polen zu schicken und bei der Absicherung des polnischen Luftraums mit Eurofightern zu unterstützen", teilte Lambrecht nach einem Telefonat mit Blaszczak mit. "Polen ist unser Freund, Verbündeter und als Nachbar der Ukraine besonders exponiert." Die Details würden nun von Fachleuten gemeinsam ausgearbeitet und auch mit der NATO abgestimmt.

Polen begrüßte das Angebot aus Deutschland. Blaszczak sagte, er habe dies mit "großer Zufriedenheit" zur Kenntnis genommen und wolle vorschlagen, das Patriot-System in der Nähe von Polens Grenze zur Ukraine zu stationieren. "Es muss noch geklärt werden, welche Version des Systems, wie schnell sie eintreffen und wie lange sie stationiert sein werden. Ich rechne mit der raschen Vorlage von Einzelheiten durch Deutschland", schrieb er auf Twitter.

In dem polnischen Dorf Przewodow, nur sechs Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt, war am 15. November eine Rakete eingeschlagen. Zwei Zivilisten starben. Derzeit geht der Westen davon aus, dass es eine ukrainische Flugabwehrrakete war, die zur Verteidigung gegen Angriffe des russischen Militärs eingesetzt wurde.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält bislang an der Behauptung fest, dass es eine russische Rakete gewesen sei. Er schränkte aber ein, dass er nicht mit hundertprozentiger Sicherheit wisse, was passiert sei.

Lambrecht: Luftverteidigung muss sich besser aufstellen

Lambrecht hatte zuvor der Düsseldorfer "Rheinischen Post" und dem Bonner "General-Anzeiger" gesagt, als Konsequenz aus diesem Ereignis müsse man sich im Bündnis bei der Luftverteidigung noch besser aufstellen. Das gelte besonders mit Blick auf die NATO-Partner wie Polen, die Slowakei und die baltischen Staaten, die direkt an Russland und die Ukraine angrenzen. Deutschland unterstütze bereits die Slowakei mit Kampfflugzeugen und dem Patriot-Abwehrsystem. Diese Präsenz solle bis Ende 2023 verlängern werden, "eventuell sogar noch darüber hinaus", so Lambrecht.

Bundeswehr will bei der Beschaffung schneller werden

Die Verteidigungsministerin sagte den Zeitungen, dass die Bundeswehr jetzt Ausnahmen im europäischen Vergaberecht nutze, um schneller Material zu besorgen. "Wir müssen bei der Beschaffung schneller werden. Mehr bestellen, was auf dem Markt verfügbar und bei unseren Partnern bewährt ist, und nicht jahrelang eigene Goldrandlösungen entwickeln."

Außerdem könnten Aufträge unter einem Wert von 5000 Euro jetzt ohne zeitraubende Ausschreibung vergeben werden. Das betreffe 20 Prozent aller Aufträge des Beschaffungsamtes der Bundeswehr in Koblenz. "Die 100 Milliarden Euro alleine werden es nicht richten", sagte die Ministerin.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hatten Bundestag und Bundesrat ein 100 Milliarden Euro schweres Sonderprogramm zur Ausrüstung einer einsatzfähigen Bundeswehr beschlossen. Mit dem Geld sollen in den kommenden Jahren etwa neue Flugzeuge, Hubschrauber, Schiffe, Panzer und Munition angeschafft werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. November 2022 um 09:00 Uhr.