Gummistiefel stehen im Regal in einer Kindertagesstätte

Studie des Umweltbundesamts Plastikrückstände in Kinderkörpern

Stand: 13.09.2019 20:07 Uhr

Fast alle Kinder und Jugendlichen haben Plastikrückstände im Körper. Das zeigt eine Untersuchung des Umweltbundesamts. Bei bestimmten Stoffen ist die Belastung gesundheitlich bedenklich.

Von Katrin Schirner, ARD-Hauptstadtstudio

Plastik ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Die Rede ist hier nicht von Tüten oder Plastiktellern, sondern von Gegenständen, denen ihr Plastikanteil oft nicht anzusehen ist: auf beschichteter Kleidung, in Lebensmittelverpackungen, Waschmitteln oder Cremes. Im direkten Kontakt mit dem Körper oder über die Raumluft kommt jeder in Berührung mit diesen Stoffen.

Das Umweltbundesamt hat zwischen 2003 und 2017 untersucht, welche Rückstände dieser Kunststoffe sich im Blut und Urin von Kindern und Jugendlichen nachweisen lassen. Das Ergebnis: Mit bestimmten Plastikrückständen ist jedes vierte Kind zwischen drei und fünf Jahren so stark belastet, dass es gesundheitlich bedenklich ist. Insgesamt haben fast alle Kinder Plastikrückstände im Körper.

Ursache für Krankheiten

"Abbauprodukte von elf der 15 untersuchten Plastikinhaltsstoffe wurden im Urin von 97 Prozent aller Kinder gefunden. Das ist natürlich dramatisch. Solche Stoffe gehören nicht in den Körper der Kinder", sagt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bettina Hoffmann. "Diese hormonstörenden Stoffe könnten die Ursache sein für Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen, Krebs und Entwicklungsverzögerungen."

Die Zulassung für Chemikalien wird bei der Europäischen Union geregelt. Obwohl das EU-Chemikalienrecht relativ streng regelt, was auf den Markt darf, hapert es aus Sicht der Grünen an der Umsetzung. "Die Zulassungsverfahren dauern teilweise sehr lang. Und es kann Jahre dauern, Stoffe vom Markt zu nehmen. Dann kommen Ersatzstoffe ins Spiel, die oft die gleichen schädlichen Eigenschaften haben."

Ärmere Familien stärker betroffen

Vom Umweltbundesamt wurde auch das Umfeld der Kinder abgefragt: Ob sie an einer stark befahrenen Straße wohnen, ob zu Hause geraucht wird, welche Produkte im Alltag häufig zum Einsatz kommen - etwa scharfe Putzmittel oder Weichspüler -, oder aus welchen Stoffen etwa die Gardinen und Teppiche bestehen. Das Ergebnis: In ärmeren Familien ist das Umfeld tendenziell belastender und die Kinder haben mehr Plastikrückstände im Körper als Kinder in Familien mit sozial hohem Status.

Aus Sicht der Grünen muss die Politik handeln. Als Verbraucher zu versuchen, Plastik zu vermeiden, reiche nicht. "Tatsächlich kann sich ja niemand von uns wirklich selber davor schützen. Wir wissen nicht, wo wir diesen Stoffen ausgesetzt sind. Deshalb muss die Politik dafür sorgen, das Vorsorgeprinzip zu stärken, und dafür, dass diese Stoffe gar nicht in den Markt kommen", so Hoffmann.

Noch lang nachweisbar

Wie wichtig es ist, dass bedenkliche Stoffe so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden, zeigt ein weiteres Ergebnis der Langzeitstudie des Umweltbundesamtes. Auch Rückstände von Blei oder dem schon lang verbotenen Pestizid DDT sind im Körper der Kinder immer noch nachweisbar - auch wenn sich im untersuchten Zeitraum von 2003 bis 2017 die Belastung deutlich verringert hat.

Verbote schädlicher Substanzen sind also wirksam. Aber oft dauert es noch Jahrzehnte, bis die Stoffe wirklich verschwinden.

Studie UBA: Plastik-Rückstände in Blut und Urin bei Kindern
Karin Schirner, ARD Berlin
13.09.2019 18:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2019 um 23:00 Uhr.

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