Bundesfinanzminister Olaf Scholz spricht im September 2021 im Bundestag. | dpa

Medienwissenschaftler Weber Nun auch Plagiatsvorwürfe gegen Scholz

Stand: 14.09.2021 15:58 Uhr

Der Plagiatssucher Weber hat nun auch ein von SPD-Kanzlerkandidat Scholz veröffentlichtes Buch ins Visier genommen. Bisher bemängelt er drei Textstellen. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Nach den Kanzlerkandidaten von Grünen und Union, Annalena Baerbock und Armin Laschet, sieht sich nun auch SPD-Kandidat Olaf Scholz Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Dem österreichischen Medienwissenschaftler und Plagiatssucher Stefan Weber zufolge hat auch der derzeitige Bundesfinanzminister in seinem Buch "Hoffnungsland. Eine neue deutsche Wirklichkeit" von anderen abgekupfert - allerdings in deutlich geringerem Maße als seine beiden Konkurrenten im Rennen um das Kanzleramt.

Bislang kreidet Weber drei Stellen im Buch an, in denen Scholz Formulierungen aus anderen Veröffentlichungen benutzt habe, ohne jedoch die entsprechende Quelle zu nennen. Dem Medienwissenschaftler zufolge stammen die Zitate etwa aus einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" und von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Überprüfung von Scholz' Buch ist laut Weber noch nicht abgeschlossen. Weder der SPD-Politiker noch seine Partei äußerten sich bisher zu den erhobenen Vorwürfen.

17 kritische Stellen in Laschets Buch

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte Weber bereits das von Laschet veröffentlichte Buch "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" und das im Juni auf dem Markt erschienene Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" von Baerbock auf mögliche Plagiate untersucht.

Am Montag zog Weber sein Fazit: Bei Laschet gebe es 17 kritische Textfragmente. Das Buch kam bereits 2009 heraus. Doch nach einer Leserzuschrift nahm Weber das Werk nochmals genauer unter die Lupe - mit dem Ergebnis, dass Laschet unter anderem einen längeren Absatz aus einem 2006 publizierten Aufsatz des Münchner Politologen und früheren bayerischen Kultusministers Hans Maier übernommen haben soll. Der Quellenverweis auf den Aufsatz fehlt jedoch in Laschets Buch.

"Frau Guttenberg des politischen Sachbuchs"

Wesentlich umfangreicher sind allerdings die Vorwürfe gegen Baerbock: Mindestens 100 problematische Übereinstimmungen mit Fremdtexten will Weber gefunden und dann die Überprüfung beendet haben. Zunächst hatte die "Bild" darüber berichtet.

Schon wenige Tage nach der Erstveröffentlichung des Buches der Grünen-Politikerin hatte Weber erste Plagiatsvorwürfe erhoben. Er sprach von Urheberrechtsverletzungen. Allerdings handelt es sich bei Baerbocks Buch nicht um eine akademische Abhandlungen, sodass es weniger strikten Kriterien unterliegt. Fußnoten etwa sind keine Voraussetzung. Trotzdem erneuerte Weber seine scharfe Kritik:

Abgekupfert wird im politischen Diskurs offenbar genau so dreist wie in der Wissenschaft, aber bei niemandem konnte man es bislang so werkprägend dokumentieren wie bei Annalena Baerbock. Sie ist Frau Guttenberg des politischen Sachbuchs.

Doch auch von Laschet und Scholz "würde man sich erwarten, dass sie immer dann, wenn sie nicht in direkter Rede zitieren, eigene Worte verwenden", sagte Weber weiter.

Baerbock und Laschet räumten Fehler ein

Sowohl Baerbock als auch Laschet hatten nach den Plagiatsvorwürfen Fehler eingeräumt. Ende Juli hatte der CDU-Politiker erklärt: "Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt." Dafür bat Laschet ausdrücklich um Entschuldigung. Sein Buch solle nun auf weitere mögliche Fehler geprüft werden.

Anfang Juli kündigte der Ullstein-Verlag, bei dem Baerbocks Buch erschienen war, an, dass künftige Auflagen mit Quellenangaben versehen werden sollen. Das gelte sowohl für die gedruckte als auch für die E-Book-Version von "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2021 um 18:00 Uhr.