Eine Pflegekraft (l) begleitet die Bewohnerin eines Altenheims über den Flur.  | Bildquelle: dpa

Rücklagen sinken Pflegeversicherung wieder im Minus

Stand: 15.03.2018 08:55 Uhr

Die jüngste Pflegereform belastet die gesetzliche Pflegeversicherung. Erstmals seit 2007 schloss sie wieder mit einem Minus ab. Der Grund liegt in den nun höheren Leistungen für die Versicherten.

Die gesetzliche Pflegeversicherung hat das vergangene Jahr trotz einer Beitragserhöhung erstmals seit 2007 mit einem Minus abgeschlossen. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung. Demnach gaben die Pflegekassen im Jahr 2017 rund 2,4 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen.

Insgesamt betrugen die Ausgaben 37,2 Milliarden Euro. Das waren rund 7,5 Milliarden Euro oder 25 Prozent mehr als 2016. Grund dafür war vor allem die jüngste Pflegereform, die höhere Leistungen für die Versicherten vorsieht. Um einen Teil dieser höheren Ausgaben zu decken, war der Pflegebeitrag Anfang 2017 um 0,2 Punkte auf 2,55 Prozent vom Bruttolohn angehoben worden. Er soll bis 2022 stabil bleiben.

Kassenverband sieht keinen Anlass zur Sorge

Der für die Pflegeversicherung zuständige Vorstand des Kassenverbands, Gernot Kiefer, sieht in der Entwicklung dem Bericht zufolge keinen Anlass zu Sorge. Die Pflegeversicherung sei trotz der steigenden Ausgaben wegen der Rücklagen in einer guten finanziellen Verfassung.

Kiefer zufolge gehen 80 Prozent der zusätzlichen Ausgaben auf das Konto der Pflegereform. Die übrigen 20 Prozent hätte es aufgrund der älter werdenden Bevölkerung ohnehin gegeben. Die zu Beginn des Jahres in Kraft getretene Reform stellt vor allem Demenzkranke besser und soll die häusliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen stärken.

Jens Spahn | Bildquelle: dpa
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Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn. Wer über anständige Pflege rede, müsse auch über die anständige Bezahlung der Pflegekräfte sprechen, sagen Experten.

Appell an Minister Spahn

Verbandsvertreter Kiefer forderte den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn dazu auf, die Verbesserung der Altenpflege ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Wer über anständige Pflege rede, müsse auch über die anständige Bezahlung der Pflegekräfte sprechen.

Personalnot in der Pflege ist ein zentrales Thema des Deutschen Pflegetags, der heute in Berlin beginnt und an dem auch Spahn teilnimmt.

Minus in der Pflegekasse - Spahn tritt Amt an
Uwe Lueb, ARD Berlin
15.03.2018 10:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. März 2018 um 09:00 Uhr.

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