Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl.  | dpa

Corona-Krise Pflegebranche wartet auf Hilfe

Stand: 12.05.2020 01:43 Uhr

Die Pflegebranche wird in der Corona-Krise bejubelt. Gleichzeitig fehlt es den Pflegerinnen und Pflegern aber seit langer Zeit an vielem, nicht zuletzt am Geld. Der geplante Bonus für Altenpflegekräfte wird daran wenig ändern.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Pflegekräfte erhalten viel Lob und Anerkennung für ihre Arbeit in der Corona-Krise. Trotz der Aufmerksamkeit - die Stimmung unter den Pflegekräften selbst bezeichnet Bodo Keißner-Hesse als angespannt, nicht nur wegen der derzeit besonders hohen Arbeitsbelastungen. Viele Probleme in der Branche kämen jetzt deutlich ans Licht, so der stellvertretende Bundesvorsitzende des  Deutschen Berufsverbands für Altenpflege.

Im Grunde haben wir in der jetzigen Situation durch Corona ein Brennglas auf Problemlagen, die schon vor der Krise bestanden haben.
Claudia Plaß ARD-Hauptstadtstudio

Die Probleme: Personalmangel, schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne. An dieser Situation, befürchtet Keißner-Hesse, werde auch der Pflegebonus nichts ändern, den die Bundesregierung für Pflegekräfte in der Altenpflege beschlossen hat - als Anerkennung für ihren Einsatz in der Corona-Krise.

Einmalzahlung von bis zu 1500 Euro

Vorgesehen ist eine Einmalzahlung in  Höhe von bis zu 1500 Euro. Der Beschluss ist Teil des geplanten zweiten Epidemie-Schutz-Gesetzes. Zwei Drittel, also 1000 Euro,  sollen zunächst die Pflegekassen finanzieren, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: "Das ist klipp und klar, was im Gesetz steht, auch der Weg, wie es die Beschäftigten erreicht. Auch das wollen wir ja sicherstellen, dass es ankommt bei denjenigen, die da gerade unter schweren Umständen arbeiten, und es ist gleichzeitig sichergestellt, dass es nicht von den Pflegebedürftigen selbst entsprechend zu bezahlen ist."

Länder und Arbeitgeber können die Prämie aufstocken - auf die Steuer- und sozialversicherungsfreie Summe von 1500 Euro. Die Bundesregierung will in der zweiten Jahreshälfte darüber entscheiden, wie der Bund die Kassen unterstützt.

Finanzierung in der Kritik

Skepsis aber kommt nicht nur vom Verband der Altenpflege. Für die Grünen etwa greift die Corona-Prämie zu kurz. Profitieren müssten auch andere Beschäftigte in der Pflegebranche. Kritik gibt es auch an der geplanten Finanzierung. Ein Bonus, sagt die pflegepolitische Sprecherin Kordula Schulz-Asche, dürfe deswegen nicht größtenteils aus Mitteln der Kranken- und Pflegekassen finanziert werden, das sei vielmehr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Hier geht es um Infektionsschutz, und hier geht es um eine Berufsgruppe, die in diesem Infektionsschutz direkt involviert ist. Das muss man aus Steuermitteln zahlen.

Damit der Pflegeberuf langfristig attraktiver wird, braucht die Pflegebranche mehr Personal, flächendeckende Tarifverträge, und insgesamt höhere Löhne, davon sind neben den Grünen zahlreiche Poltiiker und Verbände überzeugt. Ein höherer Mindestlohn für Pflegeberufe ist bereits beschlossene Sache. Die Linke aber fordert mehr: eine dauerhafte Lohnzulage von 500 Euro für Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Tiefgreifende Probleme in der Pflegebranche

Aber es geht nicht nur ums Geld. Schulz-Asche sieht auch Verbesserungsbedarf in der Aus- und Fortbildung. Und: Pflege finde zu wenig Beachtung in den Entscheidungsgremien des Gesundheitswesens.

Ich befürchte, wenn jetzt nicht eindeutige Verbesserungen in der Bezahlung, in den Arbeitsbedingungen, aber auch in den Zuständigkeiten, in der Eigenverantwortung, in der berufsständigen Qualifikation passieren, dann werden wir eine Abwanderung in diesem Bereich haben beziehungsweise nicht genügend Menschen finden, die bereit sind, in diesem Beruf zu arbeiten.

Schon heute, betont die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, fehlten 100.000 Pflegekräfte in den stationären Einrichtungen. Sie fordert entsprechende Perspektiven. Und der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, erklärte, der Aussage, die Pflege sei systemrelevant, müssten endlich auch Taten folgen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Mai 2020 um 06:07 Uhr.