Eine Pflegekraft betreut im besonders geschützten Teil der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald einen Corona-Patienten. | dpa

Deutsche Krankenhäuser 18.500 Pflegekräfte mehr als vor Corona

Stand: 11.05.2021 10:03 Uhr

Hohe Belastung und schlechte Bezahlung - in der Corona-Pandemie sind die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege in den Fokus geraten. Dennoch konnten die Kliniken 18.500 zusätzliche Pflegekräfte einstellen.

Bereits im März hatte die Bundesagentur für Arbeit auf den Trend hingewiesen, dass die Zahl der Pflegekräfte in deutschen Kliniken in der Corona-Zeit gestiegen ist. Jetzt liegt eine konkrete Auswertung vor, über die das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND) berichtet: Danach gab es im Oktober vergangenen Jahres rund 710.000 Pflegerinnen und Pfleger, das waren 18.500 Pflegekräfte mehr als ein Jahr vorher.

Darunter seien Neueinsteiger und Rückkehrer sowie Pflegekräfte aus dem Ausland, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem RND. "Wir haben jeden eingesetzt, den wir bekommen konnten".

Mehr Pflegekräfte aus dem Ausland erwartet

Nach seiner Einschätzung wird sich der Trend fortsetzen. "Aus dem Ausland erwarte ich in den kommenden Monaten einen weiteren Schub an Pflegekräften", so Gaß. Denn viele Pflegekräfte, die gerne in Deutschland arbeiten würden, hätten wegen der Pandemie nicht einreisen können. Die Einreiseregeln dürften in den kommenden Monaten aber vermutlich gelockert werden. "Da wird es noch einen Nachholeffekt geben", so Gaß.

Mit dem Hinweis auf die Entwicklung in Deutschland hatte die Bundesagentur zuvor Angaben des Weltbunds der Krankenschwestern und Krankenpfleger (ICN) in Genf relativiert, dass der Druck der Corona-Pandemie zahlreiche Pflegekräfte in aller Welt zur Aufgabe ihres Berufs zwinge.

Der Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hatte vor einer ähnlichen Entwicklung in Deutschland gewarnt. Auch in jüngster Zeit hab es zahlreiche Hilferufe von Pflegekräften - und die Warnung, viele wollten ihren Beruf aufgeben; denn die Belastung sei gerade durch die Pandemie hoch und die Bezahlung oft vergleichsweise schlecht.

Löhne und Gehälter sind gestiegen

Allerdings sind die Löhne und Gehälter in den v ergangenen Jahren teils deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verdienten etwa vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern, wie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger, 2020 im Durchschnitt 3578 Euro brutto - das sind 32,9 Prozent mehr als noch 2010.

Die Bruttomonatsverdienste von Fachkräften in Altenheimen stiegen im selben Zeitraum um 32,8 Prozent auf auf 3291 Euro. Fachkräfte in Pflegeheimen kamen auf durchschnittlich 3.363 Euro, ein Anstieg um 38,6 Prozent. In allen drei Gruppen stiegen die Verdienste im Zehn-Jahres-Vergleich deutlich stärker an als in der Gesamtwirtschaft mit 21,2 Prozent.

Insgesamt verdienten alle drei Gruppen im vergangenen Jahr erstmals mehr als Beschäftigte mit vergleichbarer Qualifikation in der Gesamtwirtschaft, die durchschnittlich 3.286 Euro im Monat bekamen.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Mai 2021 um 06:55 Uhr.