Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims | Bildquelle: dpa

Unterbringung im Alter Eigenanteil in der Pflege steigt weiter

Stand: 31.07.2020 14:47 Uhr

Bewohner von Pflegeheimen müssen einen immer höheren Eigenanteil aufbringen. Im Schnitt liegt er inzwischen bei über 2000 Euro pro Monat. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß.

Wer pflegebedürftig ist und auf einen Heimplatz angewiesen ist, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Der Eigenanteil lag im bundesweiten Schnitt zum Stichtag 1. Juli bei 2015 Euro im Monat, teilte der Verband der Ersatzkassen mit. Im Januar 2018 hatte dieser Betrag noch knapp 250 Euro niedriger gelegen.

Die finanziellen Belastungen schwanken zwischen den Bundesländern. Spitzenreiter ist der Berechnung zufolge Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 2405 Euro, gefolgt von Baden-Württemberg (2354 Euro) und dem Saarland (2341 Euro). Am günstigsten ist es für Pflegebedürftige in einer stationären Einrichtung in Sachsen-Anhalt: Sie müssen im Schnitt 1436 Euro für ihren Heimplatz dazu zahlen.

Wie setzen sich die Pflegekosten zusammen?

Wenn ein Pflegegrad vorliegt, werden die Kosten anteilig von der Pflegeversicherung übernommen. Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zahlen müssen, setzt sich zusammen aus Investitionskosten, Geld für Unterkunft und Pflege sowie dem sogenannten Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für die Pflegegrade 2 bis 5.

Während die Investitionskosten im Bundesschnitt von 463 Euro im Januar 2018 auf 455 Euro zum Stichtag 1. Juli 2020 sanken, stieg der EEE im gleichen Zeitraum von 593 Euro auf 786 Euro. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung kletterten von 716 Euro auf durchschnittlich 774 Euro.

Sozialverbände und Opposition drängen auf Reformen

Immer mehr Menschen können den Eigenanteil nicht selbst aufbringen und sind auf Sozialhilfe angewiesen. Das kritisieren Opposition und Sozialverbände. Sie fordern schon lange eine grundlegende Finanzreform in der Pflege.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte Reformen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dass Pflege arm mache, sei seit Jahren bekannt. In den vergangenen drei Jahren seien bundesweit die Eigenanteile in der stationären Pflege um mehr als 30 Prozent gestiegen. Doch Spahn unternehme bislang nichts, um die Kostenexplosion für die Pflegebedürftigen in den Griff zu bekommen. "Eine Finanzierungsreform ist mehr als überfällig", sagte Brysch.

Ursprünglich wollte Spahn im Sommer eine entsprechende Reform vorstellen - aber dann kam die Corona-Krise. Wegen der Pandemie will er einer Ministeriumssprecherin zufolge nun im Herbst zunächst einen "Kassensturz" vornehmen und dann die Reformdiskussion neu starten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Juli 2020 um 18:00 Uhr.

Darstellung: