Pflegerin begleitet eine Seniorin | Bildquelle: dpa

Vor Beratungen in Berlin SPD fordert Solidarität bei Pflege

Stand: 13.03.2019 10:50 Uhr

Eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung fordert die SPD. Dazu gehöre die Reduzierung des Eigenanteils der Pflegebedürftigen. Beamte und Selbstständige sollten über eine Bürgerversicherung beteiligt werden.

Die SPD hat vor dem "Pflegetag" eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung gefordert, damit die Heimpflege bezahlbar bleibe. An den dreitägigen Beratungen tauscht sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Akteuren der Branche über die Zukunft der Pflegefinanzierung aus.

Spahn hält eine Grundsatzdebatte über die künftige Finanzierung der Pflege für notwendig. "Wir müssen noch mal ganz neu austarieren, was die Familien selbst leisten können und wo sie Unterstützung brauchen", so Spahn, man müsse auch über andere Finanzierungsmodelle diskutieren.

SPD-Generalsekretär: "Kostenexplosion stoppen"

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte im Vorfeld der Beratungen der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Eigenanteile der Pflegebedürftigen müssen kalkulierbar und verlässlich sein. Deshalb ist es richtig, sie zu begrenzen". Auch über einen Steuerzuschuss für die Pflegeversicherung müsse geredet werden.

Um die Kostenexplosion in der Heimpflege für die Bedürftigen zu stoppen, sei auch eine Versicherungspflicht für Beamte und Selbstständige notwendig, sagte Klingbeil: "Alle sollten auf die gleiche Weise und solidarisch in einer Bürgerversicherung kranken- und pflegeversichert sein." Vom Gesundheitsminister komme in dieser Sache zu wenig.

Pflegebevollmächtigter: Kostenübernahme durch Krankenkassen

Auch der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, pocht auf eine Reform, damit Heimkosten nicht aus dem Ruder laufen. Um die Eigenanteile zu begrenzen, "könnte beispielsweise die Krankenversicherung die Kosten für die medizinische Versorgung auch dann übernehmen, wenn ein Pflegebedürftiger im Heim lebt", sagte er der Zeitung. Die Last würde von den Pflege- auf die Krankenkassen übertragen, die Überschüsse erwirtschafteten.

"Auch der Einsatz von Steuermitteln darf kein Tabu sein, um den Fachkräftemangel endlich in den Griff zu bekommen und in zehn Jahren noch genügend Pflegende zu finden", sagte Westerfellhaus.

VdK schlägt "Pflegevollversicherung" vor

Der Sozialverband VdK Deutschland fordert die Einführung einer "Pflegevollversicherung". VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte der Zeitung: "Das Prinzip der gesetzlichen Krankenversicherung muss auf die Pflegeversicherung übertragen werden", die derzeit nur einen Teil der Kosten erstattet. Wegen der steigenden Eigenanteile habe sich Pflegebedürftigkeit längst zu einem "Armutsrisiko" entwickelt, sagte Bentele. Viele Pflegebedürftige seien finanziell stark belastet, weil sie oft ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen müssten.

Die von der Regierung beschlossenen Verbesserungen in der Personalausstattung und bei der Vergütung in der Pflege dürften nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden. "Das notwendige Geld für gute Pflege muss aus der Pflegeversicherung und aus Steuermitteln kommen", sagte die VdK-Präsidentin.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: