Annalena Baerbock (Archiv) | EPA

Petersberger Klimadialog "Klimakrise ist größtes Sicherheitsrisiko"

Stand: 18.07.2022 10:06 Uhr

Zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs hat Außenministerin Baerbock vor den Folgen der Klimakrise gewarnt. Es gehe um "das größte Sicherheitsrisiko für alle Menschen". Deswegen dürften auch "die Antworten an keiner Grenze haltmachen".

Außenministerin Annalena Baerbock hat Partnerstaaten zu gemeinsamen und verstärkten Anstrengungen gegen die von Menschen gemachte Erwärmung des Weltklimas aufgerufen. "Die Klimakrise ist mittlerweile das größte Sicherheitsproblem für alle Menschen auf dieser Erde", sagte die Grünen-Politikerin in Berlin vor dem Beginn des Petersberger Klimadialogs. "Die Klimakrise macht an keiner Grenze halt. Deswegen dürfen auch die Antworten an keiner Grenze haltmachen", sagte Baerbock.

"Größte Sicherheitsgefahr dieses Jahrhunderts"

Ziel sei es, gemeinsam und international "die größte Sicherheitsgefahr dieses Jahrhunderts eindämmen zu können". Der Petersberger Klimadialog sei ein zentraler Baustein, um den Weg zu bereiten zu einer erfolgreichen Weltklimakonferenz COP27 im November dieses Jahres in Ägypten. "Wir sitzen alle in einem Boot, das heißt, wir können das Ruder nur gemeinsam herumreißen", sagte Baerbock.

Baerbock verwies auf die bedrohliche Entwicklung durch die Klimaerwärmung in Afrika, aber auch auf die verheerenden Brände der vergangenen Wochen in Südeuropa sowie die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr im Ahrtal. "Wir müssen unsere gemeinsamen Kraftanstrengungen intensivieren", sagte sie.

Deutschland muss Anstrengungen verdoppeln

Deutschland wird nach Darstellung von Außenministerin Annalena Baerbock wegen des Ukraine-Kriegs und der daraus folgenden Energiekrise keine Abstriche beim Klimaschutz machen. Zwar müsse Deutschland für einen kurzen Zeitraum Kohlekraftwerke reaktivieren - "aber nur als Notreserve", betonte Baerbock bei der Konferenz im Auswärtigen Amt. "Es bedeutet aber nicht, dass wir unser 1,5-Grad-Ziel aufgeben." Deutschland müsse seine Anstrengungen verdoppeln.

Es blieben noch acht Jahre, um die weltweiten Emissionen an Treibhausgasen um die Hälfte zu reduzieren, sagte Baerbock. Sie forderte, dass die Industrieländer als Hauptverantwortliche für den bisherigen CO2-Ausstoß ihre Zusagen endlich umsetzen müssten, ärmeren Ländern jährlich 100 Milliarden Euro für die Klimafinanzierung bereitzustellen. "Die Industrieländer haben eine besondere Verantwortung."

Klima-Versicherung für arme Länder

Erneut warb sie für einen weltweiten Klimarisiko-Schutzschirm. Es handelt sich dabei um ein Programm für Klimarisikoversicherungen, über die Schäden etwa bei Stürmen und Überschwemmungen ausgeglichen werden. "Wir müssen anerkennen, dass es Klimaschäden gibt und gerade die verwundbarsten Länder unsere Solidarität brauchen, um damit umzugehen", sagte Entwicklungsstaatssekretär Jochen Flasbarth.

Auch die Vorstandssprecherin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Tanja Gönner, sagte, gerade in fragilen Regionen und Kontexten wirke die Klimakrise "wie ein Brandbeschleuniger". "Menschen müssen ihre Heimat verlassen, Konflikte entstehen oder eskalieren." Deshalb sei es entscheidend, dass ärmere Länder Gelder für die Anpassung an den Klimawandel erhalten.

Kritik von Fridays for Future

Klimaaktivistin Luisa Neubauer kritisierte vor Beginn der Veranstaltung Olaf Scholz scharf und bezeichnete ihn als "fossilen Kanzler". Scholz müsse jetzt einen Plan vorlegen, wie er die Menschen vor der Klimakrise schützen und den globalen Süden finanziell unterstützen wolle, sagte Neubauer von der Umweltbewegung Fridays for Future der "Rheinischen Post". "Die ersten sieben Monate seiner Kanzlerschaft war Olaf Scholz kein Klimakanzler, sondern ein fossiler Kanzler - neue Gasförderung in Senegal, ein fossiler G7-Gipfel, neue fossile Energieverträge. Das ist dramatisch."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2022 um 06:00 Uhr.