Peter Radtke | dpa

Trauer um Schauspieler Peter Radtke ist gestorben

Stand: 30.11.2020 17:46 Uhr

Er litt ein Leben lang an der Glasknochenkrankheit und war ein leidenschaftlicher Kämpfer für Inklusion in Kunst und Gesellschaft. Der Schauspieler und Schriftsteller Peter Radtke wurde 77 Jahre alt.

Der Schauspieler, Autor und Theaterregisseur Peter Radtke ist tot. Er starb am Wochenende im Alter von 77 Jahren, wie die von ihm gegründete Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien mitteilte.

Radtke war Mitbegründer des "Münchner Crüppel Cabarets", war promovierter Literaturwissenschaftler, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Träger des Bundesverdienstkreuzes sowie des Bayerischen Verdienstordens. Von 1994 bis 2001 war er Präsident der internationalen Dachorganisation EUCREA, der europäischen Vereinigung zur Förderung von Kreativität und Kunst behinderter Menschen.

Radtke wurde 1943 in Freiburg mit der Glasknochenkrankheit geboren, was für seine Familie eine Herausforderung war: Behinderte galten im Nationalsozialismus als "lebensunwert". Trotz seiner starken körperlichen Einschränkungen startete er Mitte der 1970er-Jahre eine erfolgreiche Schauspielkarriere. Er verkörperte viel beachtete Rollen auf großen Bühnen in München, Zürich und Wien. In Ulm führte er selbst Regie. Zuletzt war Radtke als Autor tätig und beteiligte sich häufig an gesellschaftlichen Debatten.

"Unbestechlicher Verfechter der Inklusion"

Der Sozialverband VdK Deutschland würdigte Radtke als einen "leidenschaftlichen Kämpfer für Inklusion in Kunst und Gesellschaft". Er habe mit seiner ganzen Persönlichkeit die Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung gelebt, erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Seine Bekanntheit als Schauspieler und Regisseur habe er genutzt, "um als streitbarer Fürsprecher für die Rechte von Menschen mit Behinderung einzutreten". Bentele betonte: "Seine Stimme als unbestechlicher Verfechter der Inklusion wird fehlen. Peter Radtke hat die Auseinandersetzung nie gescheut. Er duldete keine Relativierung von Menschenrechten und bleibt ein großes Vorbild."

Im Mai hatte Radtke in einem Interview gesagt, die Frage der eigenen Sterblichkeit, die sich vielen Menschen angesichts der Corona-Pandemie stelle, begleite ihn schon sein ganzes Leben lang. "Die Ärzte hatten mir bei der Entbindung nur eine Lebensdauer von wenigen Monaten prophezeit", so Radtke. "Ich brauche deshalb keinen Sklaven wie die römischen Imperatoren, der mich beständig daran erinnert: 'Gedenke, dass du sterblich bist.'"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 30. November 2020 um 16:30 Uhr.