Peter Merseburger | dpa

Früherer ARD-Korrespondent Peter Merseburger ist tot

Stand: 17.02.2022 12:26 Uhr

Der ehemalige ARD-Korrespondent und Publizist Peter Merseburger ist gestorben. Er wurde 93 Jahre alt. Als prägende Gestalt in den westdeutschen Medien lösten seine Berichte teils heftige Kontroversen aus.

Der Journalist und Autor Peter Merseburger ist tot. Er starb bereits am Dienstag im Alter von 93 Jahren in Berlin, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Familienkreisen erfuhr. Der frühere ARD-Korrespondent und politische Publizist gehörte zu den prägenden Gestalten der westdeutschen Medienlandschaft in der Nachkriegszeit, so etwa in den 1960er- und 1970er-Jahren als Moderator des ARD-Magazins Panorama. Seine Berichte und Kommentare lösten teils heftige politische Reaktionen im konservativen Lager aus.

Als junger Mann hatte der im sachsen-anhaltischen Zeitz geborene Journalist noch für die Ost-CDU Plakate geklebt und war dafür in DDR-Haft gekommen. Nach 14 Tagen kam er dank Intervention aus dem Westen frei. Später merkte er gegenüber dem damaligen CDU-Chef Helmut Kohl an, er habe anders als dieser für die Union im Gefängnis gesessen.

Nach dem Wechsel in den Westen kam Merseburger über mehrere Zwischenstationen - darunter beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" - zum Norddeutschen Rundfunk (NDR) nach Hamburg.

Erfolg mit Panorama

1967 übernahm Merseburger Leitung und Moderation der ARD-Magazinsendung Panorama, deren Gesicht und Stimme er wurde. Mit seinen Beiträgen über die Schattenseiten des ausgehenden Wirtschaftswunders erreichte Panorama ein großes Publikum. Die Quoten lagen oft bei mehr als 30 Prozent.

Panorama zeigte Sympathien für die Studentenbewegung und für Willy Brandts Ostpolitik und artikulierte den Wunsch junger Leute nach gesellschaftlicher Liberalisierung. "Wir hatten die höchsten Einschaltquoten von Magazinen, aber haben uns immer gefreut, dass darunter Leute waren, die uns nur eingeschaltet haben, um sich zu ärgern", erinnerte sich Merseburger 2021 bei Deutschlandfunk Kultur.

Vom ARD-Korrespondenten zum Biografen

1975 gab Merseburger Leitung und Moderation von Panorama ab und ging 1977 als ARD-Korrespondent nach Washington. 1982 wechselte er nach Ost-Berlin, wo er einen nachhaltigen Eindruck bei Zuschauerinnen und Zuschauern hinterließ. Mit der Sendereihe "Deutsches aus der anderen Republik" zeichnete Merseburger ein im Westen bisher unbekanntes Bild vom Alltag der DDR. Aber auch viele Ostdeutsche erfuhren aus den Reportagen unbekannte Tatsachen aus dem eigenen Staat. 1987 - knapp zwei Jahre vor dem Fall der Mauer - folgte eine Station als ARD-Korrespondent in London.

Anfang 1991 ging Merseburger als 63-Jähriger vorzeitig in den offiziellen Ruhestand, um als freier Publizist weiter zu arbeiten. Er verfasste hochgelobte Biografien unter anderem über den "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein und den SPD-Politiker Willy Brandt.

NDR erinnert an Merseburgers Leistungen

NDR Intendant Joachim Knuth würdigte Merseburgers Verdienste um den Journalismus: "Peter Merseburger war einer der großen Journalisten in der Geschichte des Norddeutschen Rundfunks. Rhetorisch brillant, streitbar und mutig hat er viele politische Diskussionen der noch jungen Bundesrepublik mit geprägt, als Kopf von Panorama und als Chefredakteur im Fernsehen. Anschließend hat er 14 Jahre lang aus Washington, Ost-Berlin und London berichtet und den Zuschauerinnen und Zuschauern die Welt näher gebracht. Seine Leidenschaft, sein Scharfsinn und seine Widerstandskraft bleiben unvergessen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Februar 2022 um 12:00 Uhr.