Polizeivorgehen gegen ZDF-Team Dresdner Demonstrant ist LKA-Mitarbeiter

Stand: 23.08.2018 09:58 Uhr

Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangenen Donnerstag in Dresden wurde ein Kamerateam von einem Demonstranten verbal angegriffen. Nun steht fest: Der Demonstrant ist ein Mitarbeiter des LKA Sachsen.

Das umstrittene Vorgehen der Polizei gegen ZDF-Reporter in Dresden ist von einem Mitarbeiter des Landeskriminalamtes Sachsen ausgelöst worden.

Der Mann hatte sich am vergangenen Donnerstag beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden an einer Demonstration der AfD und der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung beteiligt und sich verbal heftig gegen Filmaufnahmen gewehrt. Daraufhin kontrollierte die Polizei das Team und hielt es etwa eine Dreiviertelstunde fest. Das löste scharfe Kritik aus.

LKA: Demonstrant war Mitarbeiter

Nun gab das sächsische Innenministerium bekannt, dass das LKA darüber informiert habe, "dass es sich bei dem Bürger, der sich am vergangenen Donnerstag in Dresden verbal heftig gegen Filmaufnahmen eines TV-Kamerateams des ZDF-Politikmagazins "Frontal 21" gewehrt hat, um einen Tarifbeschäftigten des LKA handelt", hieß es in einer Mitteilung des Sächsischen Innenministeriums.

LKA-Mitarbeiter derzeit im Urlaub

Demnach war der Mitarbeiter bei diesem Aufeinandertreffen nicht im Dienst gewesen, sondern habe als Privatperson an der Versammlung teilgenommen. Er befinde sich derzeit im Urlaub. Über mögliche Konsequenzen werde das LKA nach einer Anhörung des Betroffenen entscheiden, hieß es.

Selbstverständlich gilt für jeden Bürger in unserem Land das Recht auf freie Meinungsäußerung. Allerdings erwarte ich von allen Bediensteten meines Ressorts jederzeit, auch wenn sie sich privat in der Öffentlichkeit aufhalten und äußern, ein korrektes Auftreten.

Roland Wöller | Sächsischer Innenminister

Kamerateam filmte Demonstranten

Zu der Auseinandersetzung in Dresden kam es Polizeiangaben zufolge beim Wechsel des Versammlungsortes der Demonstranten. Auf dem Weg über die Pieschener Allee habe das Filmteam Aufnahmen von Demonstranten gemacht - unter anderem von besagtem LKA-Mitarbeiter. Dieser sei vom Kameramann des ZDF-Teams im Weggehen von seitlich hinten gefilmt worden. Darauf habe er sich umgedreht und sei auf das Kamerateam offensiv zugetreten. In der Folge sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen.

Nach Aussage des ZDF-Reporters rief der LKA-Mitarbeiter dann die Polizei, weil er frontal gefilmt worden sei. Die Polizisten hätten das ZDF-Team danach rund 45 Minuten festgehalten. In dieser Zeit hätte das Kamerateam nicht seiner journalistischen Arbeit nachgehen können. Die Polizei begründete ihr Vorgehen mit einer Anzeige, die gegen das ZDF-Teams erstattet worden sei. In dem Zusammenhang hätten die Personalien der ZDF-Mitarbeiter festgestellt werden müssen.

Laut Angaben der Reporter sei die Anzeige aber erst gestellt worden, während das Kamerateam bereits durch die Polzei festgehalten worden sei. Die Anzeige hatte ein an der Auseinandersetzung nicht direkt beteiligter Umstehender gestellt, nicht der LKA-Mitarbeiter selbst. Die Anzeige wurde inzwischen zurückgezogen. Der Anzeigende entschuldigte sich bei dem ZDF-Reporter.

Dieses Thema im Programm:

MDR AKTUELL FERNSEHEN | 22. August 2018 | 21:45 Uhr

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