Vor einem Zentrum für Schnelltests steht "PCR- und Schnelltests" auf dem Boden. | SWR

Kritik an Priorisierung Streitfall PCR-Tests

Stand: 25.01.2022 16:57 Uhr

Wer erhält einen PCR-Test, wer nicht? Darüber ist neuer Streit entbrannt. Denn einige Gruppen, etwa Lehrende oder Erziehende, fühlen sich übergangen. Ohnehin ist noch unklar, wann die neuen Regeln vorliegen.

Einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel zur Corona-Krise fokussiert sich die Kritik auf die geplante Priorisierung bei den PCR-Tests. Diese wird nötig, weil die Labore an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Daher sollen künftig Klinikpersonal und Risikopatienten Vorrang bei diesen besonders zuverlässigen Tests bekommen. Der Plan der Bund-Länder-Runde stößt bei jenen Gruppen auf Unverständnis, die nicht in diese Kategorie fallen.

"Schreiender Widerspruch"

"Es ist natürlich ein schreiender Widerspruch, wenn die Politik unisono beteuert, dass das Offenhalten von Schulen oberste Priorität hat, sich aber wie schon so oft zuvor wegduckt, wenn es ganz konkret darum geht, Schüler und Lehrkräfte bei Gesundheitsschutzmaßnahmen zu priorisieren", sagte Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Lehrerverbandes, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Protest kommt auch von Erzieherinnen und Erziehern. Nach Auffassung der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder sollten auch Kita-Beschäftigte bei PCR-Tests priorisiert werden. "Die Häuser sollen offen bleiben und die Erzieherinnen arbeiten ganz weit vorne, deshalb sollten wir ihnen so viel Sicherheit wie möglich anbieten", sagte der Vorsitzende des Fachverbandes, Carsten Schlepper, der Nachrichtenagentur epd.

Brysch: Pflegende Angehörige wurden vergessen

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte dem RND, es sei gut, vulnerable Menschen bei der PCR-Testung zu priorisieren. Jedoch sei "der größte Pflegedienst Deutschlands" vergessen worden, nämlich die rund fünf Millionen pflegenden Angehörigen.

Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Susanne Ferschl, befürchtet Nachteile für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wenn PCR-Tests nur noch für bestimmte Gruppen kostenlos zugänglich sein sollen. "Wenn PCR-Tests priorisiert werden, drohen abhängig Beschäftigte das Nachsehen zu haben. Es wäre nicht hinnehmbar, wenn sie künftig selbst dafür aufkommen müssten, einen Ansteckungsnachweis zu erbringen", schrieb Ferschl in einer Stellungnahme zu den Plänen von Bund und Ländern.

Unklar, wann Regeln in Kraft treten

Zum jetzigen Zeitpunkt ist auch noch unklar, wie genau die neuen Regeln aussehen, wann sie ausgearbeitet sind - und wann sie gelten. Daran arbeitet derzeit das Bundesgesundheitsministerium. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte auf NDR Info, die genaue Regelung könne noch "einige Wochen" in Anspruch nehmen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann befürchtet, dass die Behörden in Deutschland wegen des Mangels an genaueren PCR-Tests den Überblick über die Pandemielage verlieren. Wenn man künftig weitgehend auf PCR-Tests verzichte, um eine Ansteckung nachzuweisen, müsse dringend auch das Meldesystem angepasst werden, sagte der Grünen-Politiker.

Er hätte es gut gefunden, wenn die Bundesregierung diese Anpassung bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag schon auf den Tisch gelegt hätte. Das müsse nun "schnellstmöglichst" nachgeholt werden. "Sonst verlieren wir ja den Überblick über das Pandemie-Geschehen", warnte Kretschmann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2022 um 20:00 Uhr.