Bernd Riexinger und Katja Kipping | Bildquelle: dpa

Führungsfrage bei der Linken In der Warteschleife

Stand: 12.06.2020 14:24 Uhr

Mit dem verschobenen Parteitag der Linken ist vor allem die Frage vertagt, wer die Partei künftig führen soll. Denn ob die alten Chefs auch die neuen seien werden, ist alles andere als sicher.

Von Birthe Sönnichsen, ARD-Hauptstadtstudio

Die Linken streiten sich gerne und häufig. Das wäre wohl auch an diesem Wochenende in Erfurt nicht anders gewesen. Auch für die Parteivorsitzende Katja Kipping hätte es viel Gesprächsbedarf gegeben. "Das hätte ein sehr diskussionsreiches und aufregendes Wochenende werden sollen", sagt sie.

Wie aufregend es für sie persönlich geworden wäre, dazu schweigt Kipping. Denn auf der Tagesordnung in Erfurt hätten eigentlich Wahlen des Parteivorstandes gestanden. Seit acht Jahren steht Kipping zusammen mit Bernd Riexinger an der Spitze der Linken.

Fokus bitte auf Inhalt, nicht auf Führung

Ob sie noch mal antreten wollen, verraten die beiden immer noch nicht. "Die Debatte um die Kandidaturen soll nach der inhaltlichen Debatte stattfinden. Deswegen war immer klar, dass man erst zwei Monate vor dem Parteitag mit der Personaldebatte anfängt und davor der Fokus auf der inhaltlichen Debatte liegt", so Kipping.

Eigentlich sieht die Satzung vor, dass Parteichefs nach acht Jahren abtreten sollen, sie müssen aber nicht. Also bleibt offen, welches Duo die Linke ins Wahljahr führen wird. Auch ein eindeutiger inhaltlicher Kurs ist nicht zu erkennen.

Klar ist: Kipping will mitregieren, strebt Rot-Rot-Grün oder Grün-Rot-Rot an. Darüber ist sie sich inzwischen auch mit Co-Chef Riexinger einig. Doch beim Rest der Partei wird auch über diese Frage noch diskutiert.

Viele Stimmen, viele Strömungen

Es gebe eine "sehr lebendige Debatte, in der wir kritisch auswerten: was haben Regierungsbeteiligungen gebracht? Wo hat man auch Fehler gemacht, aus denen man lernen kann?", sagt Kipping. Und fügt hinzu: "Da sind wir noch mitten in der Diskussion."

Es gibt so viele Strömungen in der Partei, dass man kaum alle unter einen Hut bringen kann. Inzwischen mehren sich aber aus verschiedenen Flügeln die Stimmen, die sich neue Gesichter an der Parteispitze wünschen. Doch wer könnte das sein?

Ein Name wird hoch gehandelt

Ein Name, der immer wieder fällt: Jan Korte. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer und gehört eigentlich der "Abteilung Klartext" an. Doch selbst er windet sich auf die Frage, ob er sich eine Kandidatur nicht vorstellen könnte: "Jetzt muss ich leider wie ein Politiker antworten, aber das ist Moment wirklich nicht in meiner Planung. Ich bin erster parlamentarischer Geschäftsführer. Das macht Spaß und das ist herausfordernd. Wenn die Zeit kommt, wird es darüber Gespräche geben, aber es ist momentan einfach nicht in meiner Planung."

Jan Korte | Bildquelle: AFP
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Der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jan Korte.

Korte kennt seine chronisch zerstrittene Partei gut. Er ist sich sicher, dass sie am Ende eine vernünftige Lösung finden wird. "Wir sind ja bekannt dafür und manchmal auch berüchtigt, dass wir uns ordentlich streiten können. Und man manchmal auch denkt: Ist das jetzt nötig? Aber eins ist auch sicher. Wenn es drauf ankommt, dann steht unser Laden auch zusammen."

Kein Bierchen und und kein Tänzchen

Die Führungsfrage haben die Linken also ebenso vertagt wie ihren Parteitag. Der soll jetzt Ende Oktober stattfinden. Bis dahin wird weiter digital diskutiert. Dabei bleiben ein paar Dinge auf der Strecke. "Natürlich fehlt die direkte zwischenmenschliche Begegnung, wenn kein Parteitag stattfindet", sagt Kipping. "Es fehlt, dass man zusammen ein Bier trinken geht oder zusammen ein Tänzchen macht."

All das wollen sie nachholen. Auf Abstand natürlich. Der Parteitag soll mit speziellen Corona-Regeln anders als üblich ablaufen. Für Kipping könnte es dann ein Freudentänzchen geben - oder doch einen Abschiedstanz.

Parteitag der Linken vertagt 120620
Birthe Sönnichsen, ARD Berlin
12.06.2020 13:56 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 13. Juni 2020 um 06:20 Uhr auf WDR 5.

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