Kinder in der Schulklasse. | Bildquelle: dpa

Studie des Paritätischen Bildungshilfen erreichen wenige Kinder

Stand: 08.10.2019 05:06 Uhr

Ein Zuschuss für Klassenfahrten oder Mitgliedsbeiträge im Sportverein: Mit dem Bildungspaket sollen Kinder aus einkommensschwachen Familien gefördert werden. Doch bei vielen kommt das Geld laut einer Studie nicht an.

Die Zuschüsse für Vereinsbeiträge aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gegen Kinderarmut verfehlen laut einer Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands weitgehend ihr Ziel.

Weniger als 15 Prozent der bedürftigen Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren profitierten von den Leistungen für die Freizeit, beispielsweise für Musikunterricht oder Sportkurse, teilte der Sozialverband unter Berufung auf eine Studie mit. Folglich würden 85 Prozent der Mädchen und Jungen mit Anspruch auf die sogenannten Teilhabeleistungen nicht erreicht.

In der Analyse der Paritätischen Forschungsstelle heißt es, die durchschnittliche Quote bewilligter Anträge sei "niederschmetternd gering".

"Ist und bleibt Murks"

"Das Bildungs- und Teilhabepaket ist und bleibt Murks und geht komplett an der Lebensrealität Heranwachsender und den Strukturen vor Ort vorbei", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider. "Dieses Paket ist durch Reparaturen nicht zu retten. Es ist Zeit, sich von dem verkorksten Bildungs- und Teilhabepaket endlich zu verabschieden."

Die Maßnahmen seien nicht geeignet, Kinderarmut zu bekämpfen, Teilhabe zu ermöglichen und Bildungsgerechtigkeit sicherzustellen, kritisierte der Verband. Notwendig sei vielmehr die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Angebote der Jugendarbeit im Kinder- und Jugendhilfegesetz und die Einführung einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung, mahnte der Paritätische.

2011 eingeführt

Das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder und Jugendliche war 2011 eingeführt worden. Es sieht 15 Euro im Monat beispielsweise für Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen vor. Auch regelmäßige Unterstützungen - etwa für Bücher, Mittagessen oder Klassenausflüge - sind möglich. Anspruch haben Kinder, die Hartz-IV-Leistungen beziehen oder deren Eltern Anspruch auf Wohngeld oder Kinderzuschlag haben.

Die Studie des Paritätischen bezieht sich auf Vereinsbeiträge für Empfänger von Hartz IV-Leistungen. Untersucht wurde der Zeitraum von August 2017 bis Juli 2018. Mit dem im Juli in Kraft getretenen "Starke-Familien-Gesetz" wurden allerdings die Hilfen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhöht: Für Schulmaterialien gibt es nun 150 statt bisher 100 Euro, für Vereinsbeiträge 15 statt zehn Euro im Monat.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte die Änderungen jedoch als "Trostpflaster", sie seien keine zufriedenstellende Lösung.

Paritätischer Wohlfahrtsverband: Bildungspaket erreicht kaum Menschen
David Zajonz, ARD Berlin
08.10.2019 06:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 08. Oktober 2019 um 06:33 Uhr.

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