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Missbrauch im Erzbistum München "Benedikt XVI. in schlechtem Licht"

Stand: 20.01.2022 14:07 Uhr

Unzeitgemäße Auffassung von sexualisierter Gewalt und unglaubwürdige Beteuerungen, er habe von einigen Missbrauchsfällen nichts gewusst: Benedikt XVI. habe sich seiner Verantwortung entzogen, sagt NDR-Kirchenexperte Breitmeier.

Ein rechtsanwältliches Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising belastet den emeritierten Papst Benedikt XVI. schwer. Florian Breitmeier, Leiter der NDR-Redaktion "Kirche und Gesellschaft", spricht im tagesschau24-Interview - wie auch die Münchner Anwälte - von einer "Bilanz des Schreckens".

Die Beteuerung, der ehemalige Erzbischof Joseph Ratzinger habe etwa nichts vom Hintergrund eines von Essen nach München versetzten Wiederholungstäters gewusst, die die Rechtsanwälte für wenig glaubwürdig halten, sowie seine Auffassung von dem, was sexualisierter Missbrauch sei, werfe ein schlechtes Licht auf den Geistlichen, so Breitmeier.

Kardinal Marx könnte erneut zurücktreten wollen

So habe Benedikt XVI. etwa das Entblößen vor einem Jugendlichen sowie das Zeigen von pornografischem Material nicht als sexuellen Missbrauch gewertet. Das weise darauf hin, dass der frühere Papst sich vor der gängigen Ansicht über sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen verschließe und sich dadurch der Verantwortung entziehe, sagt Breitmeier.

Mit Blick auf den durch das Gutachten ebenfalls belasteten Münchner Kardinal Reinhard Marx, der seit 2008 das Erzbistum München und Freising leitet, hält es Breitmeier nicht für ausgeschlossen, dass dieser nun zum zweiten Mal seinen Rücktritt anbieten werde.

Die Münchner Rechtsanwälte werfen ihm Fehlverhalten in zwei Fällen vor. Marx wollte bereits im vergangenen Jahr - also noch vor dem heute veröffentlichten Gutachten - zurücktreten. Papst Franziskus hatte sein Gesuch jedoch abgelehnt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2022 um 12:00 Uhr.