Gestellte Szene zur häuslichen Gewalt: Eine Frau hält sich Hände und Arme schützend vor das Gesicht, an der Wand der Schatten eines gewalttätigen Mannes | picture alliance / empics

Statistik des Weißen Rings Mehr häusliche Gewalt in der Pandemie

Stand: 25.12.2021 04:17 Uhr

In der Corona-Pandemie haben deutlich mehr Opfer häuslicher Gewalt beim Weißen Ring Hilfe gesucht. Die Organisation verzeichnete vor allem nach den Lockdowns 2020 und 2021 einen sprunghaften Anstieg der Zahlen.

Gewalt in Partnerschaften und Familien ist während der Corona-Pandemie nach Einschätzung des Weißen Rings deutlich gestiegen. "Bei häuslicher Gewalt haben wir 2020 ein Plus von etwa zehn Prozent zu verzeichnen, seit 2018 sogar um 20 Prozent. Und wir werden wohl in diesem Jahr das Niveau von 2020 wieder erreichen", sagte der Bundesvorsitzende der Hilfsorganisation, Jörg Ziercke. Insgesamt hätten die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den rund 400 Außenstellen 2020 rund 17.000 Fälle betreut.

"20 Prozent aller Fälle, die wir im Weißen Ring bearbeiten, beziehen sich inzwischen auf häusliche Gewalt", sagte Ziercke. "26 Prozent sind Sexualdelikte."

Sprunghafter Anstieg nach Lockdowns

Die Prognose, dass häusliche Gewalt mit der Pandemie und dem Lockdown zunehme, und dass dies mit einem Verzögerungseffekt deutlich werde, habe sich bestätigt, sagte Ziercke. Einige Wochen nach den Lockdowns 2020 und 2021 sei der Trend sprunghaft nach oben gegangen und die Bereitschaft der Opfer gestiegen, sich zu melden.

Die Zahl der Anrufe beim Opfer-Telefon und bei der Online-Beratung habe ebenfalls zugenommen, berichtete Ziercke, der früher Chef des Bundeskriminalamts war. Von 2019 auf 2020 sei die Zahl der Anrufe um etwa 4000 auf rund 22.000 gestiegen, also um ungefähr 20 Prozent. "Wir glauben, dass der Trend auch in diesem Jahr ein ähnliches Niveau haben wird."

Die Zahl der Online-Beratungen habe sich von 2019 auf 2020 sogar verdoppelt, auf 3350 Fälle. Sie sei damals allerdings noch ganz neu gewesen, und auch dies könne ein Grund sein. In diesem Jahr sei noch einmal mit einem Plus von sieben bis zehn Prozent zu rechnen.

Die meisten Opfer sind Frauen

Rund 80 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt sind nach Angaben des Weißen Rings Frauen. "Und dieser Anteil ist seit 2020 schon wieder um drei bis fünf Prozent angestiegen."

Dieser Zuwachs sei aber keine deutliche Aufhellung des Dunkelfelds, dieses habe sich vielmehr wegen der beengten Wohnverhältnisse und "des ständigen Aufeinandersitzens in Lockdown-Phasen eher noch vergrößert". Dies belege auch der Zuwachs an häuslicher Gewalt in der Polizeilichen Kriminalstatistik von 15 Prozent auf 150.000 im vergangenen Jahr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.