Pamela Reif mit Handy im Gericht | Bildquelle: dpa

Influencerin vor Gericht Ist das nun Werbung oder nicht?

Stand: 24.01.2019 21:49 Uhr

Pamela Reif versorgt ihre Millionen Follower bei Instagram mit Fotos der neuesten Mode oder Fitness-Tipps. Nun steht sie wegen des Vorwurfs der Schleichwerbung vor Gericht. Über einen ungewöhnlichen Dialog im Gerichtssaal.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsredaktion

Blitzlichtgewitter und Auftritte - das ist Pamela Reif gewohnt. Doch der Gerichtssaal des Landgerichts, in dem Kameras, Fotografen und Fans auf sie warten, ist dann doch ungewohntes Terrain für die "Influencerin" in Sachen Fitness. Vier Millionen Menschen folgen ihrem account auf Instagram, hauptsächlich zwischen 16 und 24 Jahre alt.

"Neuland" - auch für die Justiz

Ungewohntes Terrain - das ist auch das Stichwort für den Vorsitzenden Richter Steffen Wesche in seiner Einführung, und zwar aus Sicht der Justiz. "Die Justiz habe das Netz nicht verstanden", höre und lese er immer wieder, auch in Blogs vor dieser Verhandlung. Klar seien Netzthemen irgendwie immer noch ein gewisses "Neuland". Aber dem allgemeinen Eindruck, die Justiz sei da überfordert, will er entgegentreten. Richter Wesche jedenfalls ist erkennbar gut vorbereitet auf sein Thema. Er weiß genau, wie Instagram funktioniert, kennt die handelnden Akteure und natürlich die Rechtsfragen dahinter.

Influencer: Wann ist Werbung wirklich Werbung?
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.01.2019, Frank Bräutigam/Christoph Kehlbach, SWR

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Wie ist es bei Instagram?

Wann müssen Posts als Werbung gekennzeichnet werden? Die Maßstäbe seien für alle Medien gleich. Der "kommerzielle Zweck" einer "geschäftlichen Handlung" muss kenntlich gemacht werden, heißt es im Gesetz. Es sei denn, der Charakter als Werbung ist offensichtlich. Wenn man die Zeitung aufschlägt, ist das einfach. Da steht groß "Anzeige" über der Werbung. Aber wie ist es in den sozialen Medien bei Instagram, speziell beim Geschäftsmodell der Influencer?

Richter Wesche hat Fragen an Pamela Reif. "Meet and greet, quasi", sagt er lächelnd. Es entwickelt sich ein intensives Gespräch. Ein Blogger habe kürzlich geschrieben: Jeder Nutzer wisse doch, dass es sich um Werbung handele. "Wie sehen Sie das, Frau Reif?" Pamela Reif sieht das genauso. Gelte das auch für einen für eine Elfjährige? Die dürfe noch gar nicht bei Instagram mitmachen, so die Antwort. Na, ob das in der Praxis nicht auch umgangen werde, entgegnet der Richter.

Pamela Reif im Januar mit ihrem Anwalt vor dem Landgericht in Karlsruhe | Bildquelle: dpa
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Influencerin Pamela Reif neben ihrem Anwalt.

Trennung zwischen normalem Leben und Werbung?

Er sei neulich Bahn gefahren, und - wie praktisch - im aktuellen Bahn-Magazin ist ein großes Interview mit der Influencerin Stefanie Giesinger. Auf die Frage, wie sie ihre Arbeit erkläre, zitiert der Richter Giesinger aus dem Hef: "Ich lasse die Welt an meinem Leben teilhaben. Außerdem können Marken mich als Model buchen, dafür poste ich dann Bilder oder Videos, die in der Zusammenarbeit entstanden sind. Ganz einfach." Das "außerdem" störe ihn dabei ein wenig, so der Richter. Gehöre das nicht vielleicht alles zusammen? Und sei es schwierig, die Trennlinie zwischen normalem Leben und Werbung zu ziehen?

Bei Stefanie sei das mit dem Modeln wegen ihrer Vergangenheit bei "Germany’s next Top Model" einfach häufiger, hält Pamela Reif - Abiturnote 1,0 - dagegen. Doch der Richter hakt nach in Sachen Trennbarkeit.

"Wenn Sie private Dinge posten, pflegen Sie damit nicht auch ihr Unternehmen?" Nach dem Motto "mitgefangen, mitgehangen".

Links zu Anbietern heikel

Heikel wird es rechtlich, wenn Influencer zu ihren Fotos oder Videos Links zu den Anbietern bestimmter Produkte setzen. Erst vor kurzem hat das Kammergericht Berlin entschieden, dass dies in bestimmten Konstellationen kennzeichnungspflichtige Werbung sei, aber eben nicht immer. Viele Fragen sind hier noch offen. Wie das nochmal auf dem Account von Pamela Reif sei, will Richter Wesche wissen, und zückt spontan sein Handy. So etwas erlebt man selten bis nie in einem Gerichtssaal. Es gibt nur ein kleines Problem. "Oh, schlechter Empfang", bemerkt er. Es dauert, bis sich die gesuchten Posts öffnen.

Pamela Reif ist wichtig, dass sie ihre Posts selbst produziere. Dahinter stehe kein großes Team von Beratern. "Und das Smiley nicht vergessen", lässt Richter Wesche beiläufig fallen. Trotz intensiver Diskussion - die Atmosphäre ist locker im Karlsruher Gerichtssaal.

Richter Steffen Wesche leitet die Verhandlung gegen Pamela Reif | Bildquelle: dpa
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Richter Steffen Wesche hatte sich offenbar gut vorbereitet. Ende März wird er sein Urteil fällen.

Nicht das letzte Wort zu diesem Thema

Wie locker die Beteiligten am Ende des Verfahrens sein werden, dürfte vom Inhalt des Urteils abhängen, das Ende März kommen könnte. Viel spricht dafür, dass es nicht das letzte Wort sein wird zu diesem Thema. Sondern dass dieses irgendwann ein paar Straßen weiter und Instanzen höher in Karlsruhe entschieden wird, vielleicht sogar am Europäischen Gerichtshof. Nach der Verhandlung schreibt Pamela Reif an ihrem Platz im Gerichtssaal Autogramme. Da ist sie wieder auf sicherem Terrain.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Januar 2019 um 22:15 Uhr.

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