An der Tür einer Kirche hängt ein Schild mit der Aufschrift "Auf Grund der Corona-Pandemie sind alle Gottesdienste im Bistum bis auf weiteres abgesagt".  | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Uneins über Gottesdienstverbot

Stand: 09.04.2020 14:16 Uhr

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind Gottesdienste derzeit untersagt. Die evangelische Kirche hält das für angemessen. Vereinzelt gibt es aber aber auch Protest.

Elena Kuch, Oda Lambrecht, Christian Baars, NDR

Ostern ohne öffentliche, gemeinsame Gottesdienste - einige Gläubige empfinden dies als tiefen Eingriff in ihr Recht der freien Religionsausübung. In mehreren Bundesländern haben Einzelpersonen oder Vereine gegen das Verbot geklagt. Bislang ohne Erfolg, doch die Debatte hält an.

Peter Hahne
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Peter Hahne hält die Gottesdienstverbote für einen Skandal.

Der wohl prominenteste Kritiker des Gottesdienstverbots ist Peter Hahne. Der ehemalige ZDF-Moderator spricht von einem Skandal. Wenn im Supermarkt Leute eng an der Kasse stünden, warum sollte ich nicht in der Kirche mit Abstand einen Gottesdienst feiern, fragt der strenggläubige Journalist wenige Tage vor Ostern.

Er sei höchst erstaunt, dass die Kirchen sich das in geradezu vorauseilendem Gehorsam hätten gefallen lassen. Seit der Christianisierung habe es das nicht gegeben, empört sich Hahne, und wählt einen drastischen Vergleich: "Weder die braune Diktatur, noch die rote bis 1989 hat das jemals hingekriegt oder angeordnet, dass Gottesdienste nicht stattfinden", meint der konservative Christ.

EKD: Infektionsschutz beachten, Leben retten

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, widerspricht deutlich und ruft dazu auf, die Infektionsschutzvorgaben einzuhalten. Alles andere hält er für unverantwortlich. Es gehe bei diesen Maßnahmen ausschließlich darum, die Risiken für besonders verletzliche Menschen zu begrenzen und Leben zu retten, so Bedford-Strohm.

Heinrich Bedford-Strohm | Bildquelle: dpa
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Der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm hält Gottesdienste derzeit für unverantwortlich.

Wie kleingläubig müsse man sein, so Bedford-Strohm, wenn man meine, dass der Glaube wegbreche, wenn man in diesen Ausnahmezeiten nicht in den Kirchen feiern könne. Es gebe viele Möglichkeiten, die Botschaft des Evangeliums nicht nur mit Worten, sondern auch mit eigenem Handeln zu bezeugen. "Dazu gehört, dass wir keinen Menschen unnötigen Risiken aussetzen", so der EKD-Ratsvorsitzende. 

Um die rasante Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu bremsen, hatten Bund und Länder sich Mitte März darauf geeinigt, Gottesdienste bis auf Weiteres zu verbieten. In einem gemeinsamen Beschluss heißt es, dass Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Treffen anderer Glaubensgemeinschaften untersagt würden.

Gerichte: Verbot zum Schutz der Gesundheit gerechtfertigt

Die Klagen gegen diese Regel sind bislang alle gescheitert. Im Laufe dieser Woche haben Gerichte in mehreren Bundesländern die Rechtmäßigkeit der Gottesdienstverbote bestätigt. Geklagt hatte unter anderem ein katholischer Verein in Berlin. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts dort handele es sich zwar um einen Eingriff in die Religionsfreiheit. Dieser sei jedoch wegen des Schutzes von Leben und Gesundheit sowohl der Gottesdiensteilnehmer als auch der übrigen Bevölkerung gerechtfertigt, so das Gericht. So beurteilten es ebenfalls Richter in Leipzig und Kassel.

In Greifswald bestätigte das dortige Oberverwaltungsgericht am Mittwochabend das grundsätzliche Versammlungsverbot. Es erwähnte aber ausdrücklich, dass auf Antrag religiöse Zusammenkünfte unter freiem Himmel abgehalten werden könnten. Die Landesregierung hatte kurz zuvor eine entsprechende Verordnung erlassen. Demnach können Versammlungen, die draußen stattfinden, ausnahmsweise genehmigt werden, wenn die Gesundheitsbehörde dem zustimmt.

Virus breitete sich durch Gottesdienst im Elsass aus

Wie schnell sich das Virus bei Großveranstaltungen wie einem Gottesdienst ausbreiten kann, hatte ein Fall im Elsass gezeigt. Mitte Februar waren in der französischen Stadt Mulhouse mehr als 2000 strenggläubige Christen zu einer mehrtägigen Veranstaltung zusammengekommen - damals noch völlig legal.

Mindestens ein Teilnehmer muss infiziert gewesen sein. Zwei Wochen später wird die Region zum Epizentrum der Pandemie. Das Treffen der bibeltreuen Christen gilt seitdem als Wendepunkt der Ausbreitung des Virus in Frankreich.

Hahne hält Coronavirus für "Mahnung Gottes"

Auch Peter Hahne tritt regelmäßig bei Veranstaltungen von besonders bibeltreuen - sogenannten evangelikalen - Christen auf. Das Coronavirus hält er für eine "Mahnung Gottes". Gott mahne, unser Leben ernster zu nehmen, besser, gesünder zu gestalten und auf der anderen Seite auch wieder zu ihm und zu seinen Geboten zurückzukehren, glaubt Hahne.

Doch im Gegensatz zu Ex-Moderator Hahne protestiert der Verbund der evangelikalen Christen hierzulande - die Deutsche Evangelische Allianz - nicht gegen das Gottesdienstverbot. Man respektiere diese Regelung zum Wohle aller und insbesondere der Risikogruppen unter unseren Mitmenschen, heißt es im aktuellen Newsletter des bibeltreuen Netzwerkes.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 09. April 2020 um 13:00 Uhr im ARD-Mittagsmagazin.

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