Zwei Polizistinnen reiten auf ihren Pferden am nördlichen Mainufer entlang und kontrollieren die Einhaltung des Kontaktverbotes, das wegen der Corona-Pandemie immer noch besteht | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Mit Disziplin - und etwas Hoffnung

Stand: 10.04.2020 18:48 Uhr

Auch zum Beginn der Ostertage halten sich viele Bürger an die Kontaktregeln. Doch die Ungeduld nimmt zu: Nicht nur die Wirtschaft rät zu einer Lockerung der Maßnahmen. Forscher könnten nächste Woche eine schrittweise Schulöffnung empfehlen.

Die Ostertage haben begonnen, das Wetter ist gut - und trotzdem hält sich nach Polizeiangaben die Mehrheit der Bevölkerung noch an die Kontaktbeschränkungen. Polizeisprecher in den Städten Berlin, Hamburg, München und Köln bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, dass nur wenige Verstöße registriert wurden.

Offenbar haben viele die Mahnungen von Politik und Wissenschaft in den vergangenen Tagen ernst genommen. Mehrere Politiker haben die Ostertage als entscheidend für die weitere Entwicklung in der Corona-Krise bezeichnet. Kanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag Hoffnung gemacht, Gesundheitsminister Jens Spahn sprach von Ostern als eine "Weggabelung", die entscheide, ob Regeln gelockert werden könnten.

Druck aus der Wirtschaft

Vor allem aus der Wirtschaft wächst der Druck auf die Bundesregierung, die Ausgangsbeschränkungen wieder zu lockern und die Wirtschaft hochzufahren. So heißt es in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Schreiben des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft: "In einer gemeinsamen Kraftanstrengung muss es gelingen, die Wirtschaft so schnell wie möglich nach Ostern schrittweise wieder hochzufahren." Es bestehe die akute Gefahr, dass die "Nebenwirkungen der Medizin" mehr Schaden anrichte als die Krankheit.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag regte einen Fahrplan in Richtung Normalität im Geschäftsleben an. Und Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein forderte gar ein rasches Öffnen von Einzelhandelsläden.

"Spiegel": Schrittweise Öffnung der Schulen?

Mit Spannung wird in der kommenden Woche auf die Ergebnisse eines Gutachtens der Forschungsgemeinschaft Leopoldina gewartet. Merkel hatte deutlich gemacht, das sie eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über erste Schritte zu einer Rückkehr zur Normalität spielen werden. Über Ostern will die Leopoldina ihr Gutachten fertigstellen. Am kommenden Mittwoch wird dann möglicherweise entschieden.

Nach "Spiegel"-Informationen könnten die Forscher eine schrittweise Öffnung der Schulen vorschlagen. Die Öffnung solle sich zunächst auf die Älteren beschränken, weil ihnen zugetraut werde, vernünftig mit Schutzmasken umzugehen und den nötigen Abstand zu halten.  "Kindergartenkinder können das nicht", sagte ein Leopoldina-Forscher dem "Spiegel".

Die Öffnung weiterer Geschäfte hängt nach Ansicht der Leopoldina-Forscher hingegen maßgeblich davon ab, wie viele Schutzmasken verfügbar sind. Nur mit ausreichend Infektionsschutz könne die Rückkehr ins normale Leben gelingen. "Die Maske muss zum sozialen Standard werden", sagte der Leopoldina-Forscher dem Magazin.

"Dann wäre alles für die Katz"

Der "Spiegel" zitierte zugleich ein Kabinettsmitglied mit den Worten, es dürfe nach Ostern keinesfalls ein "Befreiungsschlag" erwartet werden. Man rede allenfalls über "kleine Päckchen", mit denen die Lockerung beginne.

Tatsächlich ist die Vorsicht noch bei manchem Politiker groß: Agrarministerin Julia Klöckner sagte der "Rheinischen Post": "Wer zu früh vom Krankenbett aufsteht, erlebt häufig einen noch härteren Rückschlag." Und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnte im "Spiegel" vehement vor einer zu frühen Lockerung und einer zweiten Infektionswelle. Das wäre verheerend, "dann wäre alles, was wir in den letzten Wochen durchgehalten haben, für die Katz".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. April 2020 um 20:00 Uhr.

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