DDR-Autos: ein Trabi als Blumentopf

Bericht "Deutsche Einheit" Nicht ganz so blühend

Stand: 06.09.2017 11:13 Uhr

Auch 27 Jahre nach der Wiedervereinigung hinkt Ostdeutschland dem Westen hinterher. Das geht aus dem Bericht zum Stand der Deutschen Einheit hervor. Die Ost-Wirtschaft wird wohl noch lange nicht so stark wie die des Westens sein - aus mehreren Gründen.

Ostdeutschland hinkt 27 Jahre nach der Wiedervereinigung bei der Wirtschaftskraft dem Westen weiter klar hinterher und kann die Lücke nur langsam schließen. Im vergangenen Jahr lag die Wirtschaftsleistung je Einwohner im Schnitt bei rund 73 Prozent des westdeutschen Niveaus, wie aus dem aktuellen Bericht der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit hervorgeht.

Damit hat sich der Ost-West-Abstand innerhalb eines Jahres nur minimal verringert. Ohne die Hauptstadt Berlin wäre diese Lücke noch deutlich größer gewesen.

Gefälle auch beim Lohn

"Jenseits von tarifvertraglichen Regelungen ... weisen die Bruttodurchschnittslöhne in Ostdeutschland einen spürbaren Abstand zu denjenigen in Westdeutschland auf", heißt es. Das Verhältnis gegenüber Westdeutschland liege bei 82 Prozent - nach 81 Prozent im Vorjahr. Im Osten seien die Bruttodurchschnittslöhne um 40 auf 2640 Euro gestiegen, in Westdeutschland um 20 auf 3230 Euro.

Es fehlt an großen Unternehmen

Die Verringerung des Abstandes zwischen Ost und West "hat sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten erheblich verlangsamt", heißt es in dem Bericht, der nach Angaben aus Regierungskreisen am Vormittag vom Kabinett beschlossen wurde. Als ein Grund für die sich nur langsam schließende Kluft wird das Fehlen von Großunternehmen genannt.

"So ist kein einziges ostdeutsches Unternehmen im Börsenleitindex DAX-30 notiert", heißt es. Nur wenige Großunternehmen hätten ihre Zentrale in Ostdeutschland. Viele Unternehmen seien als Teil westdeutscher Konzerne in ihren Möglichkeiten beschränkt. "Die kleinbetrieblichere Struktur und das Fehlen von Konzernzentralen sind in Ostdeutschland daher auch mit einer geringeren Exportquote und geringeren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der privaten Wirtschaft verbunden."

Fremdenhass und weniger Einwohner

Das Problem der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland wird in dem Bericht nicht näher thematisiert. Aber noch vor einem Jahr hatte die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, die SPD-Politikerin Iris Gleicke, ungewohnt deutlich davor gewarnt, dass der zunehmende Fremdenhass dem Standort Ostdeutschland schade und den gesellschaftlichen Frieden gefährde.

Der Schriftzug "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass - Ihre Semperoper" steht auf einer LED-Leinwand, die an der Semperoper in Dresden (Sachsen) angebracht ist.
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Der Schriftzug "Wir sind kein Bühnenbild für Fremdenhass" steht auf einer LED-Leinwand an der Semperoper in Dresden.

Zusammen mit sinkenden Einwohnerzahlen - vor allem in ländlichen Regionen - sowie der Alterung der Gesellschaft werde es schwieriger, die Bevölkerung mit wichtigen Dienstleistungen wohnortnah zu versorgen: "In Teilen Ostdeutschlands stellt heute die Sicherung der Daseinsvorsorge eine Herausforderung dar."

Trotz dieser Probleme und Prognosen wächst die Lebenszufriedenheit - in Ost und West, außerdem sinkt die Arbeitslosigkeit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2017 um 12:00 Uhr.

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