Zwei Ärzte arbeiten in einem Operationssaal im Roten-Kreuz-Krankenhaus in Bremen. | Bildquelle: dpa

Nach Jahren des Rückgangs Mehr Organspender in Deutschland

Stand: 11.01.2019 16:34 Uhr

In Deutschland gibt es wieder mehr Organspender. Im Vergleich zu 2017 stieg die Zahl um knapp 20 Prozent. Gesundheitsminister Spahn und Experten freuen sich, mahnen jedoch zu weiteren Anstrengungen.

Erstmals seit mehreren Jahren ist die Zahl der Organspender in Deutschland wieder deutlich angestiegen. Im vergangenen Jahr haben 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe für schwerkranke Patienten gespendet, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte. Im Vergleich zu 2017 ist dies eine Steigerung von knapp 20 Prozent, damals gab es nur 797 Spender.

Damit kommen nun 11,5 Spender auf eine Million Einwohner. Unter den gespendeten Organen waren 1607 Nieren, 295 Herzen, 779 Lebern, 338 Lungen, 91 Bauchspeicheldrüsen sowie drei Dünndärme. Das sind 519 Organe mehr als in 2017. Jeder deutsche Spender habe damit im Durchschnitt drei schwerkranken Patienten eine neue Lebenschance geschenkt. In deutschen Kliniken konnten 3264 Organe verstorbener Spender transplantiert werden. Im Jahr 2017 waren es 2765 Organübertragungen.

Viele Spender im Osten

Im bundesweiten Vergleich verzeichnet die DSO die höchsten Spenderquoten mit 16,8 in der Region Ost und 16,3 in der Region Nord-Ost. NRW landet auf dem letzten Platz: 2018 spendeten nur 9,1 Menschen pro eine Million Einwohner.

Gesundheitsminister erfreut

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich erfreut: "Endlich gibt es wieder mehr Organspender. Unsere Kampagnen zeigen Wirkung. Auch die Debatte um die Widerspruchslösung sorgt dafür, dass sich mehr Menschen Gedanken über dieses Thema machen." Auch die DSO wertete die Zahlen als "ersten Hoffnungsschimmer" für wartende Patienten.

Besonders begrüßte die DSO, dass die Zahl der Kontaktaufnahmen der Kliniken mit der Koordinierungsstelle im Vorjahr um mehr als ein Viertel zunahmen. Voraussetzung für eine Steigerung der Organspenden sei, dass die Kliniken mögliche Spender der DSO meldeten. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einem Lichtblick. Sie erklärte, dies sei jedoch kein Erfolg der teuren Werbekampagnen der letzten Jahre. Der Schlüssel zu mehr Organspenden sei vielmehr eine gute Organisation in den Krankenhäusern.

9400 Patienten weiterhin auf Wartelisten

Gleichzeitig zeigten sich Spahn und die DSO besorgt ob der immer noch hohen Zahl von Patienten, die auf ein Organ warten. Derzeit stehen in Deutschland der Stiftung zufolge noch immer rund 9400 Patienten auf entsprechenden Wartelisten.

Große Hoffnung setzt die DSO nun auf das vom Bundeskabinett vorgelegte "Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende". Es setze an Schwachstellen an, so Vorstandsmitglied Axel Rahmel: Es verpflichte über ein flächendeckendes Berichtssystem zu mehr Qualität und Verbindlichkeit und sorge für eine aufwandsgerechte Finanzierung der Kliniken.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Januar 2019 um 10:45 Uhr.

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