Abgeordnete im Bundestag | Bildquelle: dpa

Organspende im Bundestag Emotionale Debatte über Parteigrenzen hinweg

Stand: 16.01.2020 11:33 Uhr

Im Bundestag haben die Abgeordneten emotional über die Neuregelung der Organspende debattiert. Alle erklärten, die Zahl der Spender erhöhen zu wollen. Nur das Wie ist strittig - über die Parteigrenzen hinweg.

In der abschließenden Debatte des Bundestags haben Gegner und Befürworter einer Neuregelung der Organspende eindringlich für ihre Positionen geworben. Die Abgeordneten müssen darüber entscheiden, ob künftig jeder ein potenzieller Spender ist, der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat, oder weiterhin nur diejenigen, die ihre Spendenbereitschaft zu Lebzeiten aktiv erklärt haben.

Lauterbach für Widerspruchslösung ...

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warb für die Widerspruchslösung. Ohne sie "werden wir nichts ändern", sagte er und verwies auf höhere Spendenzahlen in Ländern, die die Widerspruchsregelung haben. Jedes Jahr stürben in Deutschland 1000 Menschen, während sie auf ein Spenderorgan warten, mehr als 10.000 stünden auf den Wartelisten. Die Widerspruchslösung sei "eine einfache unbürokratische Regelung, wie man zum Spender wird", sagte Lauterbach. Sie bedeute keine Pflicht zur Spende. Es sei aber unethisch von Menschen, im Notfall selbst ein Organ in Anspruch nehmen zu wollen, zugleich aber nicht bereit zu sein, Nein zu sagen, wen man nicht spenden wolle, sagte Lauterbach.

Unterstützung erhielt Lauterbach von Gesundheitsminister Jens Spahn, der den Gesetzesentwurf eingebracht hatte. Aus seiner Partei, der CDU, kam jedoch auch Widerspruch. So betonte etwa der Unions-Abgeordnete Thomas Rachel, die Organspende verdiene aus christlicher Perspektive höchste Anerkennung als Akt der Nächstenliebe und Solidarität über den Tod hinaus. "Nächstenliebe kann aber nicht staatlich eingefordert werden."

Karl Lauterbach | Bildquelle: dpa
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Lauterbach warb leidenschaftlich für die Widerspruchslösung.

... Baerbock dagegen

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, die mit einer Abgeordneten-Gruppe den Gegenantrag zur Widerspruchslösung eingebracht hatte, sagte, Deutschland könne die Regeln aus anderen Ländern nicht einfach kopieren. Das Grundgesetz schreibe vor, das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen zu respektieren: "Der Mensch gehört sich selbst, ungefragt, ohne Widerspruch", sagte Baerbock. Auch diejenigen, die gegen die Widerspruchslösung seien, wollten Leben retten. Deshalb wolle man mit einer erweiterten Zustimmungsregelung dafür sorgen, dass sich mehr Menschen leichter für eine Spende entscheiden und in ein Online-Register eintragen könnten.

Unterstützt wird Baerbock von Linken-Chefin Katja Kipping und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der FDP. Einzig die AfD will für keine der beiden Lösungen stimmen, sondern hat einen eigenen Antrag eingebracht, der jedoch keine Aussicht auf Erfolg hat.

Fraktionszwang aufgehoben

Fast alle Rednerinnen und Redner betonten, sie teilten das Ziel, die Zahl der Organspenden in Deutschland zu erhöhen. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Zahl der Spender im vergangenen Jahr zurückgegangen war. Wie bei ethischen Themen üblich, entscheiden die Abgeordneten nach der etwa zweistündigen Debatte nur nach ihrem Gewissen - der Fraktionszwang wurde deshalb aufgehoben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Januar 2020 um 11:00 Uhr.

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