Arbeiter montieren ein Plakat zum Thema Organspende | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bilanz für 2019 Leichter Rückgang bei Organspenden

Stand: 13.01.2020 12:32 Uhr

Kurz vor der Abstimmung im Bundestag hat die Deutsche Stiftung Organtransplantationen ihre Spendenbilanz 2019 vorgestellt. Deutschland bleibt im internationalen Vergleich ein Schlusslicht.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Organspender in Deutschland von 955 (2018) auf 932 zurückgegangen. Die Zahl der gespendeten Organe sank nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) von 3113 auf 2995. Damit ermöglichte jeder Spender mehr als drei Schwerkranken eine neue Lebenschance.

Grundsätzliche Informationen für Organspenden
tagesschau24 11:00 Uhr, 13.01.2020, Siv-Brit Kühl, NDR

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Im vergangenen Jahr wurden 1524 Nieren, 726 Lebern, 329 Lungen, 324 Herzen, 87 Bauchspeicheldrüsen sowie fünf Dünndärme an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant übermittelt. Die Aufgabe der Organverteilung innerhalb der acht beteiligten Länder liegt bei Eurotransplant. Die Vergabe an die Patienten in Deutschland erfolgt nach einheitlichen Richtlinien über medizinische Kriterien der Dringlichkeit und Erfolgsaussicht. Deutschland erhielt auch in 2019 mehr Organe aus dem Eurotransplant-Verbund, als es eingebracht hat.

Der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, spricht von statistischen Schwankungen und keiner großen Änderung. "Allerdings bildet Deutschland mit einer bundesdurchschnittlichen Spenderrate von 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner nach wie vor eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich", heißt es in Mitteilung der DSO. Es habe zuletzt aber mehr Kontakte mit Krankenhäusern gegeben. "Die DSO geht davon aus, dass die öffentlichen Diskussionen um die Organspende dazu beitragen, das Bewusstsein für Organspende in den Kliniken zu verbessern."

Der Bundestag entscheidet

Am Donnerstag stimmen die Abgeordneten des Bundestages über eine neue Organspende-Reglung ab. Gesundheitsminister Jens Spahn befürwortet die "doppelte Widerspruchslösung". Ab dem 1. Oktober 2022 sollen demnach alle Bürger grundsätzlich als Spender gelten. Man soll dazu aber später Nein sagen können. Ansonsten wäre noch bei Angehörigen nachzufragen, ob ihnen ein Widerspruch bekannt ist. Für die Abstimmung ist der inoffizielle Fraktionszwang aufgehoben.

"Nur ein Baustein"

DSO-Vorstand Rahmel warnt vor zu viel Optimismus. "Die Widerspruchslösung ist nur ein Baustein. Dadurch werden sich nicht von einem auf den anderen Tag die Zahlen verdoppeln." Allerdings würde dies dazu führen, das sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. "Mehr als 40 Prozent der ablehnenden Entscheidungen werden heute von Angehörigen getroffen, die gar nicht wissen, was der Verstorbene wollte."

In den vergangenen Jahren wurden gesetzliche Regelungen angepasst. So bekamen Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern einen höheren Stellenwert, ihre Arbeit wird besser vergütet. Erstmals aufgenommen wurde darüber hinaus die Betreuung der Angehörigen - eine Wertschätzung, die aus Rahmels Sicht nicht zu unterschätzen ist.

Laut DSO waren zum Jahresende mehr als 9000 Menschen für eine Transplantation registriert. Außerdem gibt es jährlich mehr als 1000 Patientinnen und Patienten, deren Gesundheitszustand sich seit ihrer Anmeldung auf die Warteliste so verschlechtert hat, dass eine Transplantation nicht mehr möglich war oder die sogar auf der Warteliste verstorben sind.

Organspende: Die wichtigsten Modelle


Widerspruchslösung

Der Staat geht dabei davon aus, dass grundsätzlich jeder Bürger ein potenzieller Organspender ist - außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Schweigen wird also als Zustimmung gewertet. Ein Nein zur Organspende kann etwa in einem Widerspruchsregister dokumentiert werden. Bei einer erweiterten oder doppelten Widerspruchslösung kommen auch die Angehörigen ins Spiel: Hat der Patient keine schriftliche Äußerung hinterlassen, werden sie befragt, wie der Betroffene zur Organspende stand. Anders als bei der Zustimmungsregelung haben sie selber allerdings kein Mitentscheidungsrecht.

Zustimmungslösung

Bei der Zustimmungslösung können nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende ausdrücklich zugestimmt hat.

Bei der erweiterten Zustimmungslösung können auch die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden, falls diese zu Lebzeiten keine Entscheidung dokumentiert hat. Falls es keinerlei Äußerungen des Patienten gibt, können die Angehörigen selbst entscheiden.

Entscheidungslösung

Die Entscheidungslösung ist eine Ausweitung der erweiterten Zustimmungslösung, die der Bundestag 2012 beschlossen hat. Sie verpflichtet die Krankenkassen und Versicherungen, ihren Kunden regelmäßig Informationen über die Organspende zukommen zu lassen. Alle Bürger sollen sich auf der Grundlage fundierter Informationen mit der eigenen Spendebereitschaft auseinandersetzen.

Reziprozitätslösung

Bei der sogenannten Reziprozitätslösung erhält derjenige, der sich selber als potenzieller Spender registrieren lässt, im Gegenzug im Krankheitsfall bevorzugt selber ein Organ. Das würde einen Anreiz erhöhen, sich als Spender registrieren zu lassen und gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil Trittbrettfahren verhindert wird.

Zahl der Organspenden weiter unverändert
Uli Hauck, ARD Berlin
13.01.2020 14:17 Uhr

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Mit dem Thema befasst sich auch die Sendung: "Was Deutschland bewegt: Organspende - Jetzt reden die Ärzte", heute um 20.15 Uhr im Ersten

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2020 um 11:00 Uhr.

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