Organspendeausweis | Bildquelle: dpa

Tag der Organspende Spahn wirbt für "größtmögliche Solidarität"

Stand: 01.06.2019 12:22 Uhr

Den Tag der Organspende nutzt Gesundheitsminister Spahn, um für die von ihm favorisierte Widerspruchslösung zu werben. Patientenschützer hingegen fordern eine grundlegende Reform des Transplantationsgesetzes.

Angesichts des Mangels an Spenderorganen hierzulande sei eine Organspende die "größtmögliche Solidarität": Gesundheitsminister Jens Spahn nutzt den Tag der Organspende, um an die Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu appellieren. Er setzt dabei auf sein Modell der Widerspruchslösung, bei der es "keinen Automatismus" gebe: "Alle volljährigen Bürger gelten als potenzielle Organspender. Sie werden dreimal angeschrieben und auf diese Rechtsänderung hingewiesen. Und sie können jederzeit widersprechen", schreibt Spahn in einem Gastbeitrag für die "Passauer Neue Presse".

Falls ein Widerspruch nicht zu Lebzeiten erfolge, würden die Angehörigen nach dem Willen des Verstorbenen gefragt. Die Organspende bleibe eine freie und persönliche Entscheidung. "Die einzige Pflicht wäre, sich Gedanken zu machen."

Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Reform des Transplantationssystems
tagesschau 17:00 Uhr, 01.06.2019, Sandra Scheuring, HR

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Lange Warteliste

Bundesweit stehen etwa 10.000 schwer kranke Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Bisher gilt die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung. Nur wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ausdrücklich einer Organentnahme zugestimmt hat, dürfen die Organe auch entnommen werden. Dokumentiert ist das beispielsweise im Spendeausweis. Erweitert wird die Regelung dadurch, dass auch die Angehörigen oder vom Verstorbenen dazu bestimmte Personen berechtigt sind, über eine Entnahme zu entscheiden. Entscheidungsgrundlage ist dabei immer der ihnen bekannte oder der mutmaßliche Wille des Verstorbenen. Zudem soll jeder Bürger regelmäßig zum Thema informiert und mindestens einmal im Leben zur Bereitschaft für oder gegen eine Organspende befragt werden.

Spahn setzt sich mit dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dafür ein, dass jeder Bürger potenzieller Organspender ist, solange er dem nicht ausdrücklich widerspricht. Kritiker, vor allem Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Chefin Katja Kipping, setzen stattdessen auf mehr Information und Beratung. Sie stellten einen eigenen Gesetzentwurf vor.

"Vertrauens- und Gerechtigkeitskrise"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert eine grundlegende Reform des Transplantationssystems. "Die Organspendekrise scheint auch eine Vertrauens- und Gerechtigkeitskrise zu sein", erklärte das Gremium. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Stiftung hätten 50 Prozent der 1025 Befragten angegeben, sie empfänden das deutsche Organspendesystem als gerecht. 36 Prozent bezeichneten es als ungerecht. Unter den Befragten über 60 Jahren waren demnach nur 44 Prozent der Ansicht, das System sei gerecht.

Die Bedenken seien vielfältig, so die Stiftung. Sie reichten "von der Todesfeststellung und den Abläufen der Organentnahme bis hin zur Sorge, dass die Behandlung bei möglichen Organspendern zu früh abgebrochen werden könnte oder Angehörige sich nicht verabschieden können." Zudem wirkten sich Skandale aus früheren Jahren bis heute auf die Spendenbereitschaft aus. Wenn diese erhöht werden solle, brauche es Verbesserungen bei Gerechtigkeit, Vertrauen und Information.

Nur 36 Prozent der Deutschen mit Organspendeausweis

Stiftungsvorstand Eugen Brysch beklagte, die aktuellen Gesetzentwürfe ließen diese Aspekte außer Acht: "Immer noch liegen Verteilungskriterien, Organisation und Durchführung sowie die Kontrolle bei den privatrechtlichen Akteuren der Selbstverwaltung. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menschen Zweifel daran haben, dass es gerecht zugeht", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Diese Zweifel führten dazu, dass nur 36 Prozent der Deutschen einen Spenderausweis hätten - dabei stünden laut Bundesgesundheitsministerium 84 Prozent der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juni 2019 um 09:50 Uhr.

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