Polizeiwagen im Einsatz | dpa

Organisierte Kriminalität Weltweiter Schlag gegen Drogenhändler

Stand: 07.06.2021 12:24 Uhr

Das FBI soll die verschlüsselte Kommunikation mutmaßlicher Drogenhändler geknackt haben. Am Montag kam es weltweit zu Durchsuchungen, auch in Deutschland.

Von Florian Flade, WDR und Benedikt Strunz, NDR

Es ist wohl einer der größten Schläge gegen das Organisierte Verbrechen, die es je gab. In einer koordinierten Aktion rückten am Montagmorgen in 16 Ländern Polizeieinheiten an, stürmten Wohnungen, Lagerhallen, Garagen und Büros.

Benedikt Strunz
Florian Flade

Dies geschah unter anderem in Australien, Kanada, Estland, Litauen, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien, den USA und auch in Deutschland. Alleine in Hessen waren rund 60 Objekte betroffen, in zahlreichen weiteren Bundesländern wie in Nordrhein-Westfalen gab es ebenfalls Razzien. Deutsche Fahnder sprechen von einem bislang beispiellosen Vorgang, ein großer Teil der Spezialkräfte der Polizeibehörden sei im Einsatz. 

Drogen, Waffen, Geldwäsche

Nach Recherchen von NDR und WDR verschaffte sich die US-Bundespolizei FBI jüngst Zugang zu den Daten eines Anbieters von verschlüsselter Kommunikation, über den zahlreiche kriminelle Netzwerke und Banden weltweit Drogengeschäfte abgewickelt haben sollen. Die heutigen Razzien in Deutschland wurden unter strengster Geheimhaltung geplant. Sie sollen sich unter anderem gegen mutmaßliche Drogenlabors, Cannabis-Plantagen und Lagerstätten von Kokain richten.

In den Daten mit Bezug zu Deutschland soll es aber auch um den Handel mit Kriegswaffen, Waffen mit Schalldämpfern, Geldwäsche und zahlreiche andere Delikte gehen. Quellen zufolge soll es sich bei dem Datensatz um hochaktuelle Informationen handeln.

Internationale Kooperation

Erst im vergangenen Jahr hatten deutsche Ermittler Zugang zu den Daten eines Anbieters von Krypto-Handys erhalten, die mit der speziellen Verschlüsselungssoftware EncroChat ausgestattet waren. Die französischen Behörden hatten die Kommunikation von EncroChat geknackt und die Datensätze anschließend über Europol mit anderen europäischen Polizeibehörden geteilt. 

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) bekam Zugang zu den brisanten Informationen, die zu einer ständig wachsenden Zahl von Ermittlungsverfahren gegen Drogenhändler und Produzenten hierzulande führen. Bereits im Zuge der EncoChat-Ermittlungen kam es zu zahlreichen Durchsuchungen und Festnahmen sowie mehreren spektakulären Drogenaufgriffen.

Rekordmenge Kokain in Hamburg beschlagnahmt

Auch einen weiteren Verschlüsselungsdienst, SkyECC, haben Ermittler mittlerweile geknackt. Die belgische Polizei ist im Besitz der Daten. Deutsche Behörden warten derzeit offenbar noch auf einen umfassenden Zugang zu dem Material. Tatsächlich arbeiten aber auch bereits deutsche Ermittler mit Teilen der Daten.

Unter anderem wurde im Februar die Rekordmenge von 16 Tonnen Kokain vom Zoll in Hamburg beschlagnahmt. Von der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main heißt es auf Anfrage von NDR und WDR allgemein zu den Krypto-Daten von SkyEcc, man habe "ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet mit dem Ziel, die Daten aus dem Ausland auszuwerten, um diese an die jeweils örtlich zuständigen Strafverfolgungsbehörden zur weiteren Veranlassung zu übermitteln".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juni 2021 um 14:44 Uhr.