Spritzen mit Impfserum liegen in einer Praxis einer Hausärztin für die Booster-Impfung mit dem Comirnaty-Impfstoff des Herstellers BioNTech/Pfizer bereit (Archivbild). | dpa

STIKO-Chef Mertens Omikron-Impfstoff erst in Monaten?

Stand: 04.12.2021 03:47 Uhr

STIKO-Chef Mertens geht davon aus, dass die Hersteller drei bis sechs Monate brauchen, um einen neuen Impfstoff gegen die Omikron-Variante zu entwickeln. Er rief dazu auf, nicht zu warten und sich jetzt boostern zu lassen.

Der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, rechnet mit möglichen neuen Impfstoffen gegen die Omikron-Variante des Coronavirus erst in Monaten. "Drei bis sechs Monate dürften die Hersteller im Labor brauchen. Das ist nicht ganz trivial: Sie müssen einen Impfstoff kreieren, der gegen Omikron und Delta wirkt, denn noch ist Delta weit verbreitet", sagte Mertens der "Rheinischen Post". Dann stehe noch die Zulassung an.

"Die Frage ist, ob die Behörden komplett neue Zulassungsstudien verlangen oder ein schnelles Zulassungsverfahren wählen", sagte er. Dass ein neuer Impfstoff im Kampf gegen die Variante nötig sei, halte er durchaus für möglich: "Omikron hat viele Änderungen am Spike-Protein, das könnte es den Antikörpern schwerer machen, gegen das Virus vorzugehen."

Mertens: Booster-Impfung nicht aufschieben

Trotz eines möglichen neuen Impfstoffes sollten Bürger jetzt eine Auffrischungsimpfung erhalten, betonte Mertens: "Boostern lohnt auf jeden Fall. Der Kampf gegen die Delta-Variante geht weiter. Und es wäre kein Problem, sich wenige Monate nach der Booster-Impfung erneut impfen zu lassen, um sich gegebenenfalls vor Omikron zu schützen."

Der STIKO-Chef warnte auch davor, Südafrika zu stigmatisieren, wo die Omikron-Variante zuerst entdeckt worden war: "Südafrika sequenziert sehr professionell, deshalb wurde Omikron dort entdeckt. Wo die Variante herkommt, weiß keiner. Womöglich ist sie durch Mutation in immungeschwächten Menschen entstanden, bei denen sich Viren mangels Gegenwehr besonders heftig und lange vermehren."

BioNTech-Chef zuversichtlich

Die neue Variante schürt weltweit Sorgen, allerdings ist es laut Experten noch zu früh, um sagen zu können, welche Auswirkungen sie auf die Pandemie haben wird. Wegen der vielen Mutationen wird befürchtet, dass die Omikron-Variante leichter übertragbar und resistenter gegen Impfungen sein könnte. Dies muss sich aber erst noch bestätigen.

Der Chef des deutschen Impfstoff-Herstellers BioNTech, Sahin, hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass Corona-Impfstoffe auch im Fall von Omikron und folgenden weiteren Virus-Varianten vor schweren Krankheitsverläufen schützen werden. Omikron sei nicht die erste Corona-Variante, die aufgetaucht sei, sagte Sahin in Mainz bei der Verleihung des diesjährigen Preises der türkischen Aydin-Dogan-Stiftung an ihn und seine Frau Özlem Türeci.

Moderna-Chef skeptischer

Der Mainzer Impfstoffhersteller arbeitet neben den laufenden Labortests zur Untersuchung der neuen Corona-Variante auch an der Entwicklung eines angepassten Impfstoffs - vorbeugend für den Fall, dass dieser notwendig werden könnte. Erste Zwischenergebnisse der seit vergangenem Donnerstag laufenden Untersuchungen lägen noch nicht vor, sagte der Firmenchef. Niemand solle wegen Omikron die Nerven verlieren, vielmehr gehe es jetzt darum, allen möglichst schnell Auffrischungsimpfungen zu verabreichen, sagte Sahin in einem Gespräch mit dem "Wall Street Journal".

Omikron könne zu mehr Infektionen führen, aber der von Biontech und Pfizer auf den Markt gebrachte Impfstoff habe auch bei andere Varianten gut gegen schwere Erkrankungen geschützt. Deutlich skeptischere Aussagen von Moderna-Chef Stephane Bancel zur Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe gegen Omikron hatten am Dienstag die Börsen belastet. Bancel sagte in der "Financial Times", bestehende Impfstoffe dürften mit der Omikron-Variante ihre Probleme haben. Es werde wohl länger dauern, bis angepasste Vakzine in ausreichendem Umfang hergestellt werden könnten.

Impfstoffe haben zwei Schutzmechanismen

Sahin sagte dem "Wall Street Journal", der Körper bilde nach der Impfung Antikörper und T-Zellen, die der Immunabwehr dienten. Falls die Variante besser darin sei, die Antikörper zu überlisten, blieben immer noch die T-Zellen als Schutz vor schweren Krankheitsverläufen. Es sei kaum vorstellbar, dass eine Variante beide Schutzmechanismen aushebeln könnte.

US-Experten wie der Immunologe und Präsidentenberater Anthony Fauci betonen seit Tagen, dass die bestehenden Impfungen in gewissem Maß auch angesichts der neuen Variante vor schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen schützen werden. Unklar sei bislang aber, wie viel geringer ihre Schutzwirkung ausfallen werde, sagte Fauci am Dienstag. Die dahingehenden Tests liefen derzeit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2021 um 04:50 Uhr.