Ein Videoloop ist in München (Bayern) bei der Vorbesichtigung des Erinnerungsortes an das Attentat von 1972 auf die israelische Olympiamannschaft zu sehen (Archivbild). | dpa

Olympia-Attentat von 1972 Bund einigt sich mit Hinterbliebenen

Stand: 31.08.2022 16:38 Uhr

Nun ist es offiziell: Der Bund und die Hinterbliebenen des Olympia-Attentats haben sich nach jahrzehntelangem Streit über eine Entschädigung geeinigt. Sie erhalten 28 Millionen Euro und nehmen nun auch an der Gedenkfeier teil.

Kurz vor dem 50. Jahrestag des Olympia-Attentats 1972 haben Bundesregierung und die Angehörigen der israelischen Opfer eine Einigung über Entschädigungszahlungen erzielt. Das teilte die Bundesregierung mit. Demnach gelang eine Einigung "auf eine Gesamtkonzeption" samt "Bereitstellung weiterer Anerkennungsleistungen", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Die Regierung sehe "nun einem würdigen Gedenken gemeinsam mit den Angehörigen bei der Veranstaltung am 5. September 2022 entgegen".

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen geht es um 28 Millionen Euro. Der Bund übernimmt demnach 22,5 Millionen Euro der Zahlungen in Anerkennung des Leids der Hinterbliebenen, das Bundesland Bayern zahlt fünf Millionen Euro. Weitere 500.000 Euro kommen von der bayerischen Landeshauptstadt München. Das teilte der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum der Nachrichtenagentur dpa mit. Der Jurist hatte zusammen mit Kollegen einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei die Hinterbliebenen in den Verhandlungen vertreten.

"Die Vereinbarung ermöglicht auch eine würdige Gedenkfeier am 5. September in Anwesenheit der Präsidenten Izchak Herzog und Frank-Walter Steinmeier und vor allem in Anwesenheit der Hinterbliebenen, die sich unter den neuen Umständen bereit erklärt haben, an der Feier teilzunehmen", sagte Baum. Die Vereinbarung enthalte nicht nur materielle und immaterielle Anerkennungsleistungen. "Ebenso wichtig ist den Angehörigen die Aufarbeitung des damaligen Geschehens - jetzt unter Offenlegung aller Quellen."

"Einigung kann nicht alle Wunden heilen"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der israelische Staatspräsident Isaac Herzog begrüßten die Einigung in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Die Einigung kann nicht alle Wunden heilen. Aber sie öffnet eine Tür aufeinander zu. Mit dieser Einigung bekennt der deutsche Staat seine Verantwortung und erkennt das furchtbare Leid der Ermordeten und ihrer Angehörigen an, dessen wir kommende Woche gedenken wollen", teilten die Präsidenten mit.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser reagierte "sehr erleichtert" auf die Übereinkunft mit den Hinterbliebenen. "Nach dem Olympia-Attentat von 1972 sind quälende Fragen viel zu lange offen geblieben - dem sind wir uns als heutige Bundesregierung sehr bewusst und haben deshalb gehandelt", teilte sie mit.

Angehörige sagten Teilnahme an Gedenkfeier ab

Die Bundesregierung hatte den Angehörigen vor einigen Wochen insgesamt zehn Millionen Euro geboten, abzüglich der bisher gezahlten 4,6 Millionen Euro. Die Angehörigen erachteten das als zu wenig und sagten daraufhin ihre Teilnahme am offiziellen Gedenkakt ab. Sie warfen den deutschen Behörden Vertuschen und Versagen vor und forderten eine angemessene Entschädigung.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München die israelische Mannschaft überfallen. Elf Mitglieder des Teams und ein Polizist wurden getötet. Die Sicherheitsvorkehrungen galten als mangelhaft, ein Befreiungsversuch der deutschen Einsatzkräfte endete katastrophal.

1972 und 2002 hatte Deutschland rund 4,6 Millionen Euro als humanitäre Geste für die Betroffenen gezahlt - dieser Betrag solle auf die jetzt geplante Entschädigung nicht angerechnet werden. Hinzu kamen rund eine halbe Million Euro des Nationalen Olympischen Komitees und Spenden des Deutschen Roten Kreuzes. 1994 forderten Opferfamilien vor Gericht 40 Millionen Mark (rund 20,45 Millionen Euro) Schadenersatz und begründeten dies mit massiven Fehlern während des Polizeieinsatzes. Die Klage scheiterte wegen Verjährung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. August 2022 um 15:50 Uhr.