Vor 40 Jahren wurde ein Attentat auf das Oktoberfest verübt. Männer tragen einen Sarg vom verwüsteten Tatort weg.  | Bildquelle: dpa

Oktoberfest-Attentat Ermittlungen nach 40 Jahren eingestellt

Stand: 07.07.2020 21:35 Uhr

13 Menschen starben beim Anschlag auf die Münchener Wiesn vor 40 Jahren. Neue Ermittlungen sollten klären, ob der Täter Komplizen hatte. Jetzt schloss die Bundesanwaltschaft die Akten: Hinweise auf Mittäter gebe es nicht.

Die vor mehr als fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 sind eingestellt worden. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Nach den Ergebnissen der neuen Ermittlungen handelte der Attentäter Gundolf Köhler damals aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus. Hinweise auf Hintermänner oder Komplizen wurden aber auch nach mehr als tausend Vernehmungen und der Prüfung von Hunderten Spuren nicht gefunden.

1008 Zeugen befragt, 888 Hinweise geprüft

"Wir haben keine zureichenden, tatsächlichen Anhaltspunkte für die Beteiligung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen an der Tat des Gundolf Köhler", sagte der Sprecher. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurden konkret 1008 Zeugen befragt, 888 Hinweise überprüft und 300.000 Seiten Akten durchflöht.

Am Abend des 26. September 1980 hatten am Haupteingang zur Wiesn 1,39 Kilogramm Sprengstoff zwölf Festgäste in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Schrauben und Nägel erhöhten die Zerstörungskraft. Auch der Bombenleger und Rechtsextremist Gundolf Köhler starb.

Rettungswagen am Tatort vom Attentat auf das Oktoberfest 1980 | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Die vor mehr als fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 sind eingestellt worden. 

Behörden sprechen von einem Einzeltäter

Der Geologie-Student Köhler war ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann". Die Akten wurden rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der die Tat aus rein privaten Motiven beging.

Das bezweifelten Angehörige, Opfervertreter und Politiker verschiedener Parteien. Sie hatten sich über Jahrzehnte für die Wiederaufnahme der Ermittlungen eingesetzt - was im Dezember 2014 geschah.

"Schwerstes rechtsextremistisches Attentat in der Bundesrepublik"

Als der Generalbundesanwalt Ende 2014 - etwa eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Prozesses um die rechtsextremen Morde des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) - die Wiederaufnahme verkündete, war das auch ein Bekenntnis: dass vor mehr als drei Jahrzehnten nicht alles gut gelaufen war. Er sprach damals vom "schwersten rechtsextremistischen Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2020 um 21:00 Uhr.

Darstellung: