Attentat auf dem Oktoberfest im Jahr 1980

34 Jahre nach dem Anschlag Neue Ermittlungen zum Wiesn-Attentat

Stand: 11.12.2014 12:12 Uhr

Im Fall des Oktoberfest-Attentats aus dem Jahr 1980 hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufgenommen: Das teilte Generalbundesanwalt Harald Range in Karlsruhe mit.

Es gebe eine neue, bisher unbekannte Zeugin, deren Aussage auf mögliche Mitwisser hindeuten. Die Ermittlungen werden sich Range zufolge aber nicht auf diese Frau allein beschränken. "Wir werden allen Ansatzpunkten erneut und umfassend nachgehen."

Am 26. September 1980 hatte der damals 21-jährige Geologiestudent und frühere Anhänger der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann", Gundolf Köhler, eine Bombe in einen Abfalleimer beim Haupteingang der Wiesn gelegt. Dabei explodierte der Sprengsatz. 1982 wurden die Ermittlungen eingestellt, weil die Bundesanwaltschaft keine weiteren Tatbeteiligten ausfindig machen konnte. Köhler soll den Anschlag aus persönlichem Frust verübt haben, hieß es.

Bei dem Attentat waren 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden, viele von ihnen schwer. Range bezeichnete den Anschlag als das "schwerste rechtsextremistische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland".

Der Anwalt Werner Dietrich reagierte auf die Wiederaufnahme der Ermittlungen mit "Freude und Genugtuung". "Da hat sich das lange Arbeiten gelohnt", sagte Dietrich der Nachrichtenagentur dpa. Er vertritt mehrere Opfer des Anschlags und hat 32 Jahre lang für eine Wiederaufnahme gekämpft.

Dietrich hatte im September seinen dritten Wiederaufnahmeantrag gestellt. Darin benannte er unter anderem fünf neue Zeugen. Der Antrag sei offensichtlich so fundiert gewesen, "dass sie nicht dran vorbei konnten", so Dietrich. Die Entscheidung der Bundesanwaltschaft stärke seine These, dass es mehrere Täter gab.

"Keine Einzeltäter-Theorie"

Generalbundesanwalt Range betonte jetzt jedoch: "Eine Einzeltäter-Theorie haben wir niemals verfolgt." Von Anfang an sei nach möglichen Mittätern oder Verschwörern gesucht worden. Wiederholt habe die Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme der Ermittlungen geprüft, unter anderem auch nach Auswertung von Stasi-Unterlagen.

Jetzt "stehen wir vor einer neuen Situation", sagte Range. Die Aussage der Zeugin sei "werthaltig". Zum Inhalt äußerte er sich aber nicht. Das Bayerische Landeskriminalamt wurde mit den kriminalpolizeilichen Ermittlungen beauftragt.

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