Fußballprofi Mesut Özil | Bildquelle: dpa

Telefonat mit Özil Erdogan kritisiert Rassismus

Stand: 24.07.2018 15:48 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan begrüßt die Entscheidung Mesut Özils, aus der DFB-Nationalelf zurückzutreten. Den Umgang mit dem Fußballer nannte er rassistisch. Innenminister Seehofer sagte, im Fall Özil gebe es nur Verlierer.

Mehrere türkische Politiker haben bereits auf den Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft reagiert - jetzt schaltete sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in die Debatte ein. "Einen jungen Mann, der alles für das Nationalteam gegeben hat, aufgrund seines Glaubens so rassistisch zu behandeln, ist unakzeptabel", sagte Erdogan vor Journalisten in Ankara.

Er habe Montagabend mit Özil telefoniert und ihm versichert, hinter dessen Erklärung zu stehen, teilte Erdogan weiter mit. Das Vorgehen des Spielers verdiene jede Art von Bewunderung. Die Kritiker des Fußballers könnten das gemeinsame Foto Özils mit ihm nicht verdauen.

Bereits am Sonntag hatte Erdogans Sprecher dem Fußballer den Rücken gestärkt. Özil habe "eine völlig überzeugende Begründung für sein Treffen mit Präsident Erdogan geliefert", hatte er getwittert. Sportminister Mehmet Kasapoglu sprach gestern von einer "ehrenhaften Haltung unseres Bruders Mesut Özil".

Seehofer: "In diesem Fall gibt es nur Verlierer"

Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnt weiterhin eine klare Stellungnahme zu Özils Rückzug aus der Nationalmannschaft ab. "Ich glaube, in diesem Fall gibt es nur Verlierer", sagte Seehofer. Darüber hinaus wolle er sich nicht äußern. Wo die Bundeskanzlerin gesprochen habe, bestehe für den Sportminister kein Raum mehr, sagte Seehofer.

Der CSU-Politiker und Parteivorsitzende ist als Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat auch für den Sport zuständig. Zum Thema Integration insgesamt präzisierte Seehofer auf Nachfrage seine Aussage: "Ganz allgemein ist meine tiefe Überzeugung, dass der Sport eine ganze Menge zur Integration beitragen kann und auch beiträgt." Aus dem Einzelfall Özil dürfe nicht der Schluss gezogen werden, dass die Integrationsfunktion des Sports oder die Integration insgesamt gescheitert sei.

DFB und Özil weiter in der Kritik

Der für Arsenal London spielende Profi sowie der Deutsche Fußball-Bund stehen weiter in der Kritik. Mehrere Politiker warfen dem türkischstämmigen Sportler vor, es sich mit seiner Rückzugserklärung aus der deutschen Elf zu einfach gemacht zu haben.

Die Grünen sehen Fehler besonders beim DFB und seinem Präsidenten Reinhard Grindel. Der Verband habe es nicht geschafft, Özil und Gündogan "irgendwie wieder zu integrieren in die Familie der Fußball spielenden Deutschen", sagte Grünen-Chef Robert Habeck dem MDR. Auch sei es dem DFB nicht gelungen, den "teilweise offenen Rassismus gegen diese beiden Spieler zu stoppen". Wenn Grindel sich nicht erkläre und entschuldige, "dann ist er der falsche Präsident, dann muss er den Stuhl freimachen", forderte Habeck.

Özil überreicht Erdogan ein Trikot | Bildquelle: TURKISH PRESIDENTAL PRESS OFFICE
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Dieses Foto aus dem Mai löste die Debatte um Özil aus.

Maas: Eintreten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Außenminister Heiko Maas forderte unabhängig vom Fall Özil ein entschlossenes Eintreten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. "Da haben wir leider noch viel zu tun", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten bleibt beschämend hoch.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), warf Özil vor, es sich "zu einfach" zu machen. "Die Repräsentation unseres Landes im Nationaltrikot hat auch eine politische Dimension", sagte Middelberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Foto mit Erdogan sei "mitnichten eine Privatsache" und auch "keine unpolitische Petitesse".

Die Vizevorsitzende der Fraktion der Linkspartei, Sevim Dagdelen, kritisierte, dass die "beschworene Verpflichtung gegenüber der Herkunft der Eltern nicht einmal jetzt dazu führt", dass Özil auch nur ein Wort über die Inhaftierung von deutschen Staatsbürgern oder die Verfolgung kritischer Journalisten in der Türkei verliere. Das sei "ein Schlag ins Gesicht der unzähligen politisch Verfolgten in der Türkei", sagte sie der "Passauer Neuen Presse" und der "Augsburger Allgemeinen".

Freitag: Fall Özil kein Maßstab für Integration

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), warnte davor, den Fall Mesut Özil zum Maßstab für Integration im Allgemeinen zu machen. "Damit würden wir all denen Vorschub leisten, die ja schon immer gesagt haben wollen und gewusst haben wollen, dass Integration nicht funktionieren kann", sagte sie im Bayerischen Rundfunk. Die Politik müsse jetzt denen Mut machen, die sich Tag für Tag in Sportvereinen um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund kümmerten.

Özil hatte am Sonntag eine lange Erklärung getwittert, in der er seinen Rücktritt als Spieler der deutschen Nationalmannschaft erklärte. Darin äußerte sich der 29-Jährige erstmals zu seinem umstrittenen Treffen mit Erdogan im Mai, an dem auch Nationalspieler Ilkay Gündogan teilgenommen hatte. Er habe Erdogan nicht politisch unterstützen wollen, schrieb Özil. Er habe damit vielmehr "das höchste Amt im Land meiner Familie respektiert".

Der gebürtige Gelsenkirchener Özil prangerte in seiner Erklärung zudem einen weit verbreiteten Rassismus gegen ihn als Deutschtürken an und erhob insbesondere schwere Vorwürfe gegen den DFB und seinen Präsidenten Grindel. Der Verband wies die Vorwürfe zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juli 2018 um 13:30 Uhr.

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