Cem Özdemir (Bündnis90/Die Grünen) | dpa

Vorgaben für Fertigprodukte Özdemir will gesündere Ernährung fördern

Stand: 26.12.2021 04:42 Uhr

Zu viel Zucker, Fett und Salz - vor allem in Fertigprodukten: Laut Landwirtschaftsminister Özdemir ernähren sich die Deutschen zu ungesund. Er will der Industrie neue Vorgaben machen - und die Lebensmittelpreise erhöhen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir plant strengere Vorgaben für Fertigprodukte, damit sich die Menschen gesünder ernähren. "Deutschland ernährt sich insgesamt zu ungesund", beklagte der Grünen-Politiker in der "Bild am Sonntag". Über 50 Prozent der Erwachsenen seien übergewichtig.

"Der Grund dafür sind zu viel Zucker, Fett und Salz, vor allem in Fertigprodukten", sagte Özdemir. "Die Politik hat zu lange versucht, die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Reduktion dieser Inhaltsstoffe zu bewegen. Damit ist jetzt Schluss. Mit mir wird es verbindliche Reduktionsziele geben."

"Es darf keine Ramschpreise mehr geben"

Aus Sicht von Özdemir müssen zudem die Preise für Lebensmittel und Agrarprodukte steigen. "Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern", sagte der Minister. Er wolle, dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten wie ihre Autos. "Manchmal habe ich das Gefühl, ein gutes Motoröl ist uns wichtiger als ein gutes Salatöl", kritisierte Özdemir. Lebensmittel dürften zwar kein Luxusgut werden. "Doch der Preis muss die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken."

Der Agrarminister strebt zudem eine Ausweitung der Fläche ökologisch bestellter Felder bis 2030 von derzeit knapp zehn auf 30 Prozent an und will die "Nachfragemacht des Staates nutzen": Die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen sollten auf mehr regionale und Bio-Produkte umgestellt werden. "Der Staat muss da Vorbild sein."

Lemke will Einsatz von Pestiziden reduzieren

Unterdessen forderte Bundesumweltministerin Steffi Lemke eine starke Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir innerhalb von vier Jahren komplett auf Pestizide verzichten können. Aber wir brauchen eine deutliche Verringerung, wenn wir das Insektensterben aufhalten wollen", sagte die Grünen-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir können den Pestizideinsatz durch finanzielle Anreize, aber auch durch Ordnungsrecht verringern."

Sie sei davon überzeugt, dass die meisten Landwirte weniger Pestizide verwenden wollten, so Lemke. Die Landwirte seien aber durch die europäische Agrarpolitik über Jahrzehnte in eine Zwangslage getrieben worden, dass Betriebe wachsen und mehr Ertrag abwerfen müssten oder aufgekauft würden. Lemke kritisierte, dass unter Beteiligung der Vorgängerregierung eine Fortführung der europäischen Agrarpolitik für die nächsten sieben Jahre beschlossen worden sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2021 um 07:00 Uhr und 08:00 Uhr in den Nachrichten.