Eine Rentnerin nimmt Geld aus ihrem Portemonnaie | Bildquelle: dapd

OECD-Studie zur Rente Deutschland ist teilweise Schlusslicht

Stand: 27.11.2019 16:55 Uhr

Männer beziehen hierzulande deutlich mehr Rente als Frauen. Der Unterschied ist im Vergleich zu anderen Ländern groß, wie eine OECD-Studie zeigt. Auch die Situation von Geringverdienern ist schlecht.

Im internationalen Vergleich ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Rente in Deutschland besonders groß. Bei den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bildet Deutschland bei dieser Rentenlücke weiter das Schlusslicht, wie die neue OECD-Studie "Renten auf einen Blick 2019" zeigt.

In Deutschland ist die Rente bei Frauen über 65 heute demnach im Schnitt um 46 Prozent niedriger als bei Männern. In den Niederlanden sind es 42, in Österreich 39, in Frankreich 33 und im OECD-Schnitt 25 Prozent. Am geringsten ist diese Lücke mit zwei Prozent in Estland.

Geringverdiener bekommen wenig Rente

Auch Geringverdiener in Deutschland sind nicht gut abgesichert: Sie bekommen im Alter einen kleineren Teil ihres Gehalts durch die Rente ersetzt als in den anderen Industriestaaten. So können deutsche Geringverdiener im Ruhestand nur mit einer Ersatzrate von 56 Prozent rechnen, während es im Durchschnitt der Mitgliedsstaaten 68 Prozent sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine nun veröffentlichte Studie "Renten auf einen Blick 2019" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die von der Großen Koalition geplante Grundrente könnte das Problem zum Teil abmildern, das Problem der Altersarmut aber nicht grundsätzlich lösen, schreiben die Experten. Die vorgesehene Leistung werde die Rentenaussichten einiger Geringverdiener verbessern, aber nicht das "Altersarmutsrisiko von Geringverdienern mit größeren Karriereunterbrechungen" angehen. Letzteren fehlt es an den erforderlichen Beitragszeiten für die Auszahlung der Grundrente.

Deutlich niedrigere Rente für Frauen

Auch die deutschen Altersvorsorge von Selbstständigen kommt in der Studie nicht gut weg. Die Bundesrepublik sei eines der wenigen Länder, dass für diese Gruppe keine obligatorische Rentenversicherung hat. Einige Gruppen von Selbständigen seien zwar in berufsständischen Systemen versichert - allerdings sei die Alterssicherung von Selbständigen insgesamt lückenhaft.

Eine weitgehend einheitliche Rentenabsicherung für Arbeitnehmer, Beamte und Selbständige, wie sie in vielen anderen OECD-Ländern existiere, könne zu einer besseren Rentenabdeckung bei gefährdeten Gruppen führen, heißt es in der Studie.

Anteil älterer Arbeitnehmer drastisch gestiegen

Die OECD-Studie hebt für Deutschland aber auch positive Aspekte hervor: So gebe es hier mehr ältere Menschen in Beschäftigung als in den anderen Industrienationen. Der Anteil der Menschen zwischen 55 und 64, die noch erwerbstätig sind, sei seit der Jahrtausendwende von 37 auf 71 Prozent gestiegen. Diese Anstieg ist immens. Deutschland sei entsprechend auch bei der Erhöhung der Beschäftigungsrate in dieser Altersgruppe führend. 

Durch den Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Rente werde erwartungsgemäß die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren sinken - und zwar um 21 Prozent bis 2050. Somit könne eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung der Älteren ab 65 und mehr Vollzeitarbeit von Frauen den zunehmenden Druck auf den Arbeitsmarkt lindern, empfehlen die OECD-Experten. 

Der OECD gehören 34 Länder an - die meisten von ihnen Industrieländer, einige sind aber auch Schwellenländer. Sie fühlen sich Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet und haben im internationalen Vergleich ein hohes Pro-Kopf-Einkommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2019 um 13:00 Uhr.

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