Tote Fische treiben in der Oder bei Brandenburg. | dpa

Fischsterben in der Oder Labor stellt erhöhte Salzfrachten fest

Stand: 13.08.2022 11:42 Uhr

Noch immer ist nicht geklärt, warum so viele Fische in der Oder verendet sind. Brandenburgs Umweltminister Vogel erklärte, es könne auch an stark erhöhten Salzwerten liegen. Die Bevölkerung soll das Wasser meiden.

Die Untersuchungen zur Aufklärung des massenhaften Fischsterbens in der Oder an der Grenze zu Polen dauern an. Bisherige Laboranalysen brachten noch keinen genauen Aufschluss über die Belastung des Wassers und die Ursachen.

Nun gibt es einen neuen Anhaltspunkt: Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel weist die Oder "sehr stark erhöhte Salzfrachten" auf. Das sei "absolut atypisch", sagte der Grünen-Politiker dem rbb.

Wohl mehrere Faktoren

Vogels Ministerium erklärte unterdessen, die gemessenen Salzfrachten könnten im Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. "Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat", hieß es in einer Mitteilung.

Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze. Es handele sich um erste weitere Ergebnisse des Landeslabors Berlin-Brandenburg zu den Tagesproben, die bis zum Freitag an der automatischen Messstation in Frankfurt (Oder) entnommen wurden, erläuterte das Ministerium am Abend. Die Ergebnisse seien "noch nicht voll aussagefähig und nicht abschließend".

Laborergebnisse wohl kommende Woche verfügbar

Weitere Untersuchungsdaten "insbesondere zu Schwermetallen, Quecksilber (in weiteren Proben) und anderen Elementen" befänden sich noch in dem Labor in Abklärung und sollen in der kommenden Woche verfügbar sein. "Die heutigen Daten weisen auf multikausale Zusammenhänge hin, zu denen auch die derzeit sehr niedrigen Abflussmengen und hohen Wassertemperaturen gehören." Mit Blick auf möglicherweise erhöhte Quecksilberwerte sagte Vogel, das werde weiter überprüft. Es könne sich um eine lokale Erscheinung handeln.

Auf die Frage, ob Grundwasser oder Trinkwasser kontaminiert sein könnten, antwortete der Minister: "Das wollen wir nicht hoffen." Es sei auf jeden Fall "eine tödliche Fracht", die in dem Fluss mittransportiert worden sei. Er würde aber nicht so weit gehen, die Grundwasservorkommen in Gefahr zu sehen.

Tote Fische schwimmen in der Oder. | dpa

Tote Fische schwimmen in der Oder. Sie sollen am Wochenende eingesammelt werden. Bild: dpa

Mögliche Auswirkungen auf Stettiner Haff

Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit Auswirkungen des Fischsterbens in der Oder auf das Stettiner Haff. Es sei damit zu rechnen, dass die Belastungen die Odermündung nahe Stettin (Polen) abhängig von Wind- und Strömungsverhältnissen bereits am Abend erreichen, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung. Im Verlauf des Samstags könnte dann auch der vorpommersche Teil des Stettiner Haffs betroffen sein.

Das Ministerium von Till Backhaus (SPD) rief daher die Anlieger vorsorglich dazu auf, auf das Fischen in und die Wasserentnahme - unabhängig von der Nutzung - aus dem Gewässer zu verzichten. Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten demnach aktuell Gewässer- und Fischproben vor. Das Stettiner Haff ist ein inneres Küstengewässer im Mündungsbereich von Oder und der Peene. Es ist das zweitgrößte Haff der Ostsee. 

Lemke tauscht sich mit polnischer Umweltministerin aus

Unterdessen tauschte sich Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) in einer Schalte mit ihrer polnischen Amtskollegin aus. Bei Twitter schrieb Lemke: "Prioritär sind jetzt Schadensbegrenzung, der Schutz der Bevölkerung und das Identifizieren der Ursache und des/der potentiellen Täter/s."

Personelle Konsequenzen in Polen

Der Umgang mit dem Fischsterben löste in Polen personelle Konsequenzen aus. Regierungschef Mateusz Morawiecki entließ zwei Spitzenbeamte, weil sie zu langsam auf das Fischsterben in der Oder reagiert haben sollen. Der Chef der Wasserbehörde und der Leiter der Umweltbehörde müssten ihre Ämter mit sofortiger Wirkung räumen, schrieb Morawiecki am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich teile die Ängste und die Empörung über die Vergiftung der Oder. Diese Situation konnte man auf keine Weise vorhersehen, aber die Reaktion der zuständigen Behörden hätte schneller kommen müssen."

Polen hielt sich nicht an Meldekette

In Deutschland hatten Bund und Land zuvor kritisiert, Polen habe nicht rechtzeitig informiert und die übliche Meldekette bei solchen Ereignissen nicht eingehalten. Das Fischsterben ist nach Aussage von Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki offenbar durch die Einleitung von Chemie-Abfällen ausgelöst worden. "Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, und das in voller Kenntnis der Risiken und Folgen", sagte Morawiecki in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft.

Kontakt zu Oder-Wasser vermeiden

Am Freitag waren unter anderem im Nationalpark Unteres Odertal im Nordosten Brandenburgs noch viele tote Tiere am Ufer zu sehen, andere trieben mitten auf dem Fluss. Sie sollen am Wochenende eingesammelt werden. Umweltpolitiker und Naturschützer bewerteten das Fischsterben als Umweltkatastrophe - und befürchten weitreichende Folgen für den Lebensraum vieler Arten.

Die Bevölkerung ist weiter aufgerufen, jeden Kontakt zum Wasser zu meiden. Diese hatten bisher eher den Charakter von Empfehlungen. Die Stadt Frankfurt an der Oder teilte am Abend aber mit, sie habe nun Verbote erlassen - etwa fürs Baden und Angeln. Es sei davon auszugehen, dass der Kontakt mit Wasser aus der Oder für Mensch und Tier gefährlich sei, hieß es.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. August 2022 um 10:00 Uhr.