Ein Obdachloser schläft neben Tüten auf einem Bürgersteig. | dpa

Appell der Organisationen Hilfe für Obdachlose - mit Strategie

Stand: 01.11.2017 16:25 Uhr

Immer mehr Menschen leben in Deutschland auf der Straße. Die Caritas forderte jetzt einen Gipfel gegen Wohnungslosigkeit im Kanzleramt. Der Chef des Vereins "Armut und Gesundheit", Trabert, setzte sich bei tagesschau24 für ein Programm zur Bekämpfung von Armut ein.

Die Caritas hat die Bundesregierung aufgefordert, sich der zunehmenden Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland anzunehmen. Dazu müsse es im Kanzleramt einen Gipfel gegen Wohnungslosigkeit geben, sagte die Berliner Caritasdirektorin Ulrike Kostka zum Auftakt der Berliner Kältehilfe. "Bund, Länder und Kommunen müssen das Problem gemeinsam anpacken." Die Wohnungsnot in Deutschland nehme von Woche zu Woche zu und werde im kommende Jahr rund 500.000 Menschen betreffen, sagte Kostka unter Verweis auf eine Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe.

Kostka betonte, Menschen, die sich um bezahlbaren Wohnraum sorgen müssen oder gar ihre Wohnung verlieren, würden von der Politik "links liegen gelassen". Dabei gehe es um elementare Grundbedürfnisse und die Menschenwürde. "Hier bahnen sich Konflikte mit sozialem Sprengstoff an", unterstrich die Berliner Caritasdirektorin. Die Berliner Senatsverwaltung für Soziales kündigte für das kommenden Jahr eine gesamtstädtische Strategie für den Umgang mit Obdachlosen an.

Armut bekämpfen für die Gesundheit

Der Gründer und Vorsitzender des Vereins "Armut und Gesundheit", Prof. Gerhard Trabert, forderte Politiker im tagesschau24-Interview dazu auf, ein spezielles Programm zur Bekämpfung von Armut in Deutschland zu erarbeiten. Immer wieder sei der Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit dargelegt worden. So müssten Obdachlosen beispielsweise Brillen bezahlt bekommen, bevor sie sich auf der Straße ein Bein brechen, das dann behandelt werden müsste.

Trabert forderte zudem eine respektvolle Ansprache: An einigen Stellen würde man Obdachlose nicht wertschätzend und menschenwürdig genug behandeln. Viele scheuten auch die übergroßen Schlafräume und hätten Probleme sich anzupassen. Auch müssten die Informationsflyer überarbeitet werden, da Obdachlose den Text der Behörden nicht verstehen würden.

Sozialhilfe für hilfebedürftige EU-Ausländer?

Vor dem Hintergrund weiter steigender Zahlen Obdachloser aus osteuropäischen Staaten kritisierte Kostka, dass hilfebedürftige EU-Ausländer oft keinen Anspruch auf Sozialhilfe in Deutschland haben. Hier brauche es eine Gesetzesänderung. Deutschland profitiere von den offenen Märkten und der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU. Die soziale Frage überlasse die Regierung aber den Suppenküchen und Notunterkünften in den Kommunen. "Wir können nicht nur von der EU-Binnenzuwanderung profitieren und die Schattenseiten ausblenden", betonte die Caritaschefin.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. November 2017 um 11:00 Uhr.