Der ehemalige US-Präsident, Barack Obama. | Bildquelle: dpa

Ex-US-Präsident in Deutschland Von Obama lernen

Stand: 05.04.2019 05:04 Uhr

Der amerikanische Ex-Präsident hat in Köln auf seine Amtszeit zurückgeschaut und dabei ganz nebenbei kräftig gegen seinen Nachfolger ausgeteilt. Heute trifft Obama Kanzlerin Merkel in Berlin.

Von Ingrid Bertram, WDR

Smartphones leuchten auf, Laptops werden ausgepackt. Viele in dem riesigen Zuschauerraum der Lanxess-Arena in Köln sind in Blazer oder Kostüm gekommen. Junge Führungskräfte sitzen im Publikum, um Barack Obama live zu erleben. Und es sind viele Obama-Fans gekommen, die zwischen 80 Euro und 5000 Euro pro Ticket bezahlt haben, um einmal in der Nähe des Ex-Präsidenten zu sein.

Melanie Meyer-George ist Juristin und hat bei einem Preisausschreiben eines der 5000 Euro-Tickets gewonnen. Dafür hat sie bereits ein Drei-Gänge-Menü hinter sich und ein Foto mit Barack Obama machen können. Das Bild bekommt sie aber erst nach Freigabe durch den Ex-Präsidenten zugeschickt. 30 Sekunden und ein Händedruck, länger habe der persönliche Kontakt nicht gedauert. "Ich hätte gerne dem tollen Mann mal in die Augen geschaut, aber der Fotograf sagte, wir müssten in die Kamera blicken", sagt sie lachend.

Trumps Namen erwähnt er nicht

Mit Standing Ovations wird Obama wie ein Star gefeiert, als er die Bühne betritt. Durch den Motivationstrainer Cristián Gálvez wird er dazu befragt, was junge Führungskräfte von ihm lernen können. Das ist auch die Aufgabe, die sich Obamas Stiftung zum Ziel gesetzt hat - eine neue Führungselite ausbilden.

Der Ex-Präsident referiert über Verantwortung und die richtigen Ziele. "Es ist wichtig zu wissen, was ihr machen wollt und nicht wer ihr werden möchtet." Sonst sei man plötzlich gewählt und es fehlten die Visionen.

Bei solch markigen Sätzen versteht jeder in der Halle, wen er ganz nebenbei kritisiert.

Wichtig sei es, einen Raum zu schaffen, in dem sich jeder wertgeschätzt fühle, erklärt Obama. Er habe seinen Mitarbeitern erstmal zugehört. Damit sei es ihm gelungen, die richtige Kultur im Team aufzubauen. Immerhin sei in seiner Präsidentschaft keiner aus dem Team ins Gefängnis gegangen und es gab auch keine Skandale, sagt Obama. Damit hat er die Lacher im Saal auf seiner Seite.

Auf die Frauen hören

Obama outet sich als Feminist, als er auf die Rolle von Frauen in Führungspositionen zu sprechen kommt. Unternehmen mit Frauen in Schlüsselpositionen seien erfolgreicher, zitiert er Studien. In seinem Team habe er sie zuerst zu Wort kommen lassen, nachdem sich Kolleginnen darüber beschwert hatten, dass sie zu wenig gehört werden. Männer hätten sogar die Ideen der Frauen zu ihren eigenen gemacht. Darüber hinaus sei es auch für das Finden von Lösungen wichtig, möglichst viele verschiedene Perspektiven einzubeziehen und nicht nur die eigene.

Ex-US-Präsident Obama in Köln | Bildquelle: dpa
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Für seinen Nachfolger Trump gab es von Obama Kritik - aber nur indirekt.

Kraft des Wandels

 "Ich glaube an die Kraft des Wandels", sagt er und erntet viel Applaus. Da schwebt das alte "Yes we can" wieder im Raum.

Nach der Veranstaltung ist Melanie Meyer-George hoch zufrieden. "Was mir gut gefallen hat, ist, dass er sich nicht selbst in den Vordergrund gestellt hat. Damit grenzt er sich deutlich von seinem Nachfolger ab", meint die Juristin. Auch Guido Leber ist von Barack Obama begeistert. Nur die weiteren Redner des "World Leader Summits" hätten ihn nicht so umgehauen. Er fand die Veranstaltung der Agentur "Gedankentanken" doch "zu kommerziell". Da er hatte er sich mehr erhofft.

Heute geht es für Obama weiter nach Berlin, wo er ganz privat Angela Merkel treffen will. Außerdem will er sich den Fragen von rund 300 jungen Menschen aus ganz Europa stellen.

Obama sorgt in Köln für Begeisterung
Jochen Hilgers, WDR
05.04.2019 06:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. April 2019 um 12:10 Uhr.

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