Pizza | Bildquelle: imago/Panthermedia

Streit um Lebensmittelampel Wenn die Pizza rot blinkt

Stand: 15.05.2019 11:44 Uhr

Mit der Ampel besser einkaufen? Eine Studie belegt, dass farbige Kennzeichnungen von Lebensmitteln bei gesunder Ernährung helfen können. Doch Ministerin Klöckner steht auf der Bremse.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Mit Bildern von frischem Obst, Kornähren oder frisch eingegossener Milch werben Hersteller auf ihren Joghurts, Knuspermüslis oder Pausensnacks. "Greif zu, das ist gesund" lautet die Botschaft dieser Bilder. Tatsächlich verstecken sich in den Verpackungen aber oft ungesunde Kalorienbomben.

Bislang ist für Verbraucher im Supermarkt nur schwer herauszufinden, was tatsächlich in industriell gefertigten Lebensmitteln steckt. Um die Nährwerttabelle auf der Rückseite der Produkte lesen zu können, braucht mancher eine Lupe. Sie zu verstehen, ist selbst für ernährungswissenschaftlich gebildetere Menschen nicht ganz leicht. Die Angaben über Kalorien, Fett und Salz müssen erstmal auf den Tagesbedarf angerechnet werden. Dann muss jeder selbst entscheiden, ob die im Produkt enthaltene Menge nun viel oder wenig ist.

Luise Molling, foodwatch, zu Kennzeichnungsmodellen bei Lebensmittel
tagesschau24 15:00 Uhr, 15.05.2019

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Gesunde Lebensmittel auf einen Blick

Verbraucherschützer, Krankenkassen und Ärzte fordern deshalb schon lange eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln - am besten durch eine leicht verständliche Lebensmittelampel. Eines dieser Ampelmodelle verbreitet sich gerade in Europa: der sogenannte Nutri-Score. Durch dieses fünfstufige Bewertungssystem in Ampelfarben sollen Verbraucher auf einen Blick erkennen können, wie gesund ein Lebensmittel ist.

Bei der Berechnung schlagen günstige Nährstoffe wie Gemüse, Obst, Ballaststoffe und Proteine positiv zu Buche, während ungünstige Inhaltsstoffe wie gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz Minuspunkte ergeben. Der Gesamtwert wird dann durch einen farbigen Buchstaben von A bis E auf der Vorderseite der Verpackung angezeigt: Ein dunkelgrünes A oder hellgrünes B steht für ein ausgewogenes Produkt, Lebensmittel mit orangenem D oder rotem E sollte man nur in Maßen konsumieren.

Nährwerttabelle | Bildquelle: imago/STPP
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Schwer zu verstehen: Die Nährwerttabelle, die derzeit nach EU-Recht vorgeschrieben ist.

Tiefkühlpizza nicht gleich Tiefkühlpizza

Dabei kann es bei gleichen Produkten zu völlig unterschiedlichen Bewertungen kommen: Eine Spinat-Tiefkühlpizza von Hersteller X kann beispielsweise mit einem orangenen D bewertet werden, während die von Hersteller Y ein grünes B bekommt. Denn in letzterer befinden viel weniger Fett, Salz, weniger Kalorien und deutlich mehr Gemüse. "So sieht der Verbraucher auf einen Blick, welches Produkt das gesündere ist", sagt Luise Molling von foodwatch im Gespräch mit tagesschau.de. foodwatch befürwortet die Einführung einer verpflichtenden farblichen Kennzeichnung für alle Hersteller.

Foodwatch-Studie zur Nährwertkennzeichnung
tagesschau 12:00 Uhr, 15.05.2019, André Kartschall, RBB

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In Frankreich hat die Regierung bereits eine Empfehlung für den Nutri-Score abgegeben, Belgien und Spanien ziehen nach. Und auch in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, Luxemburg und Portugal wird darüber sehr ernsthaft diskutiert. Verpflichtend ist die Kennzeichnung allerdings auch in Frankreich nicht. Das ließe sich nach derzeitigem Recht nur EU-weit einführen. In Deutschland hat sich Ernährungsministerin Julia Klöckner von Anfang an gegen eine Ampel ausgesprochen. Jedes Modell habe seine Vor- und Nachteile, findet die CDU-Politikerin. Die Ampel sei zu simpel gedacht und könne auch täuschen. Diese Argumentation ist ganz im Sinne der Lebensmittel-Lobby, die sich mehrheitlich gegen eine Ampelkennzeichnung sperrt und von "Bevormundung" des Verbrauchers spricht.

Starke Lebensmittel-Lobby?

"Die Lobby der Lebensmittelindustrie ist in Deutschland unglaublich stark", sagt Ernährungsmediziner Hans Hauner, der schon lange in diesem Bereich forscht und auch die politischen Prozesse begleitet. "Frau Klöckner scheint von Anfang an deren Meinung übernommen zu haben und hat sich wenig offen gezeigt", sagt Hauner von der TU München gegenüber tagesschau.de. Es brauche eine einfache Kennzeichnung auf der Vorderseite der Produkte, die der Verbraucher auf den ersten Blick verstehen könne. "Der Nutri-Score erfüllt diese Kriterien am besten von allen bisherigen Modellen."

Nutri-Score-Tabelle | Bildquelle: imago images / photothek
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Der Nutri-Score wird von Verbrauchern am besten verstanden.

Diesen Befund bestätigen zahlreiche Studien, die den Nutri-Score und verschiedene andere Kennzeichnungsmodelle untersucht haben. Die deutschen Ergebnisse einer dieser Studien stellte foodwatch heute in Berlin vor. In zwölf Ländern wurden Verbraucher zu den verschiedenen Produktkennzeichnungen online befragt. 1000 davon auch in Deutschland. Das Ergebnis: Alle fünf untersuchten Kennzeichnungsmodelle halfen den Verbrauchern den Nährwertgehalt von Lebensmitteln zu beurteilen. Und: Den Nutri-Score verstehen Verbraucher von allen Modellen insgesamt am besten.

Die Britische Ampel verwirrt eher

In der Kategorie Pizza stiegen die richtigen Antworten beim Nutri-Score gegenüber nicht gekennzeichneten Produkten um 56 Prozent. Bei Frühstückszerealien gab es durch den Nutri-Score einen Anstieg von 71 Prozent. Lediglich bei Kuchen half das britische Ampel-Modell den Befragten besser zu verstehen, welches das ungesündere Produkt ist.

Auch über dieses britische Ampelmodell wurde lange diskutiert. Der Nachteil: Hier werden die einzelnen Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker oder Fett jeweils mit einer Ampelfarbe versehen. Ein Produkt kann bei Salz grün gekennzeichnet werden, bei Zucker aber rot. "Die Erfahrungen zeigen, dass das die Verbraucher verwirrt und sie am Ende doch nicht wissen, wie das Lebensmittel einzuschätzen ist", sagt Ernährungsmediziner Hauner. Beim Nutri-Score wird eine Art Durchschnittsnote erstellt, die Vor- und Nachteile eines Produktes miteinander abwägt und verrechnet.

Der Vorteil der britischen Ampel ist wiederum: Der Verbraucher bekommt mehr detaillierte Informationen an die Hand. Falls jemand vor allem auf einen bestimmten Inhaltsstoff wie Fett verzichten möchte, würde er mit der britischen Ampel besser fahren.

Will Klöckner Zeit gewinnen?

Ob der Nutri-Score in Deutschland jedoch eine Chance hat, ist fraglich. Denn Ernährungsministerin Klöckner hat angekündigt, erst ein eigenes Modell entwickeln zu wollen - auf Grundlage anderer Modelle. Dazu sollen "die Verbraucher zu verschiedenen Modellen befragt" werden. Kritiker bemängeln, die Entwicklung eines neuen Modells könne mehrere Jahre dauern. Die Befürchtung: Die Ministerin wolle damit Zeit gewinnen, um womöglich - anders als es der Koalitionsvertrag vorsieht - gar kein Modell mehr einführen zu müssen. Das Ministerium dementiert dies.

Doch auch Ernährungsmediziner Hauner ist skeptisch: "Wenn das Ministerium ein solches Modell entwickeln lässt, verstehe ich nicht, warum da nicht unabhängige Experten aktiv eingebunden werden, die entsprechenden Fachgesellschaften zum Beispiel." Aber niemand wisse, wie die Ministerin hier vorgehe. "Das ist eine völlig intransparente Politik." Er befürchtet, am Ende könne wieder ein unverständliches, wenig hilfreiches Modell herauskommen, wie es die jetzige Nährwertkennzeichnung in Tabellenform schon ist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Autorin

Sandra Stalinski  Logo tagesschau.de

Sandra Stalinski, tagesschau.de

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