Handy mit Notrufnummer | Bildquelle: SWRWissen

Neue Notruftechnik Schnellere Hilfe im Notfall

Stand: 10.10.2019 14:59 Uhr

Im Ernstfall zählt jede Sekunde: Könnte der Standort des Hilfesuchenden über einen Notruf direkt an die Rettungsleitstelle übermittelt werden, spart dies Zeit. Nun startet der Probebetrieb für eine neue Technik.

Von Pascal Kiss, ARD-Studio Baden-Baden

Wo genau ist der Notfallort? Diese Frage können viele Anrufer bei einem Notruf oft nicht direkt beantworten. Wichtige Sekunden vergehen. Immer wieder muss die Rettungsleitstelle lange nachfragen, um den Standort herauszufinden. Mit der neuen Notruftechnik Advanced Mobile Location (AML) sehen die Rettungsleitstellen den genauen Standort direkt auf ihren Bildschirmen.

Aktuelle Koordinaten des Smartphones

Wählt jemand den Notruf, werden auf dem Smartphone alle verfügbaren Standortdienste aktiviert - auch wenn sie zuvor ausgeschaltet waren. Über die GPS-Funktion erhält das Smartphone seine aktuellen Koordinaten. Zusätzlich sucht das Smartphone nach WLAN-Netzen und Mobilfunkmasten in der Umgebung.

Alle Daten werden dann automatisch mit einer SMS verschickt. So kann die zuständige Rettungsleitstelle den Standort metergenau bestimmen. Die Rettungssanitäter und der Notarzt bekommen die Daten direkt auf ihr Navigationsgerät geschickt und können so schneller zum Notfallort fahren.

Rettungswagen | Bildquelle: SWRWissen
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Rettungssanitäter und Notarzt bekommen die Daten des Standortes direkt geschickt und können den Notfallort so schneller finden.

Datenschützer verhinderten den Start

Andere EU-Länder nutzen die Technik schon seit über drei Jahren. Seitdem ist die neue Technik in den Betriebssystemen der Smartphones vorinstalliert. Doch in Deutschland wurde die AML-Technik trotzdem nicht freigeschaltet. Datenschützer und Mobilfunkunternehmen haben einen früheren Start verhindert. Das Thema lag mehrfach bei Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern auf dem Tisch. Gleichzeitig erklärte sich keiner bereit, die AML-Technik für ganz Deutschland aufzubauen.

Nur das Team der Freiburger Rettungsleitstelle sah die Notwendigkeit und beschloss, die Daten auch für alle anderen Leitstellen zur Verfügung zu stellen. Informatiker Henning Schmidtpott von der Freiburger Rettungsleitstelle hat mit Datenschützern gesprochen und die Mobilfunkunternehmen überzeugt.

Daten nach 60 Minuten gelöscht

Alle Standortermittlungen laufen nun über die Freiburger und Berliner Rettungsleitstelle, die sich auch für die AML-Technik eingesetzt hat. An beiden Standorten stehen Server, die für ganz Deutschland die Technik bereitstellen. Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden die Mobilfunkdaten hier nach 60 Minuten wieder gelöscht.

Notruftechnik Leitzentrale | Bildquelle: SWRWissen
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In der Freiburger Rettungsleitstelle stehen Server, die für Deutschland die Technik bereitstellen.

Die Technik muss auf den Smartphones nur aktiviert werden. Das passiert durch die üblichen Updates für die Smartphones. Sie wird dann nur bei einem Notruf freigeschaltet, wenn der Smartphone-Nutzer die 112 wählt. Die Technik funktioniert zum Start auf allen modernen Android-Smartphones. Auch Apple plant, die Technik demnächst freizuschalten.

Problem: Kein Netz

Ganz perfekt ist die neue Notruftechnik aber noch nicht. Sie versagt, wenn man über den eigenen Mobilfunkanbieter kein Netz hat. Die Rettungsleitstelle kann zwar mit dem Anrufer telefonieren, aber keinen genauen Standort ermitteln. Das ist vor allem in ländlichen Gebieten ein Problem, weil dort nicht alle Mobilfunknetze gleich gut ausgebaut sind. "Zum Glück betrifft das aber nicht viele Notrufe", sagt Schmidtpott. Andere EU-Länder seien schon dabei, die Technik zu verbessern.

Drei Jahre wird getestet

In Deutschland wird die AML-Technik ab jetzt drei Jahre lang getestet. Bis dahin stellen die Freiburger und Berliner Feuerwehr die Technik kostenlos für die deutschen Rettungsleitstellen zur Verfügung. Eine Technik, mit der beim Notruf wichtige Zeit gespart werden kann. Zeit, die im Ernstfall Leben retten kann.

Über dieses Thema berichtete SWR2 Wissen am 10. Oktober 2019 um 09:47 Uhr.

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