Ein Arzt in einer Notaufnahme in Braunschweig | Bildquelle: dpa

KBV-Vorschlag Erst Telefonberatung, dann Notaufnahme

Stand: 21.07.2018 11:05 Uhr

Die Notaufnahmen in Deutschland sind überlastet. Der KBV-Vorsitzende hat deswegen vorgeschlagen, dass sich Patienten künftig erst am Telefon beraten lassen, bevor sie sich in ein Krankenhaus aufmachen.

Patienten mit akuten Beschwerden sollen sich nach dem Willen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) künftig am Telefon zum richtigen Arzt oder in eine Notaufnahme dirigieren lassen. Damit soll das Problem überfüllter Notaufnahmen behoben werden.

Wer nicht als Notfall behandelt werden muss, dem soll demnach über die Bereitschaftsdienstnummer 116117 ein passender Arzt genannt werden, sagte KBV-Chef Andreas Gassen der Nachrichtenagentur dpa. "Der Großteil der Patienten in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser ist dort heute nicht am richtigen Platz", sagte Gassen. "Manchmal scheinen die seit Wochen andauernden Rückenschmerzen plötzlich so stark oder das Fieber so beunruhigend, dass der Patient in die Notaufnahme geht."

"Bagatellerkrankungen gehören da nicht hin"

Die Notaufnahmen müssten aber in der Lage sein, sich schnell um Unfallpatienten, Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu kümmern: "Bagatellerkrankungen gehören da nicht hin." Zuletzt hatten die Regierungsberater des Sachverständigenrats fürs Gesundheitswesen Anfang Juli für eine bessere Steuerung der Patienten plädiert.

Andreas Gassen, KBV
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KBV-Chef Andreas Gassen sagt, das ein Großteil der Patienten in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser nicht am richtigen Platz sei.

Die Steuerung der Patienten soll laut Gassen rund um die Uhr über die Telefonnummer 116117 funktionieren. Beim Anruf eines Patienten soll medizinisches Fachpersonal zuerst eine Ersteinschätzung auf Basis eines standardisierten Fragenkatalogs geben: Ein Arzt kann - wenn nötig - am Telefon zugeschaltet werden. Wenn der Patient einen Arzt konsultieren sollte, soll eine Praxis in der Nähe vermittelt werden können. "Im Notfall wird eine Notaufnahme genannt oder auch direkt ein Krankenwagen zu ihm geschickt", sagte Gassen.

116117 soll bekanter gemacht werden

Zunächst will die KBV die bundesweite Nummer 116117 durch eine im kommenden Jahr startende Kampagne bekannter machen. 2017 kannte laut einer Umfrage nicht einmal jeder Zehnte die seit 2012 neben regionalen Nummern existierende Hotline. Nicht einfach sei es, genug Personal für die Zentren zu finden, die die Anrufe entgegennehmen, sagte Gassen. Patienten sollen auch per App oder übers Internet beraten werden können.

Zuletzt hatte Gassen für Empörung gesorgt - er hatte eine Gebühr als Sanktion ins Spiel gebracht, falls Patienten einfach in die Notaufnahme gehen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Juli 2018 um 09:15 Uhr.

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