Polizeibeamte in Mecklenburg-Vorpommern (Symbolbild) | Bildquelle: picture alliance/dpa

Leichensäcke bestellt? Neuer Verdacht gegen "Nordkreuz"

Stand: 28.06.2019 14:27 Uhr

Seit zwei Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen Mitglieder der mutmaßlich rechtsextremen Vereinigung "Nordkreuz". Nun wurde ein neuer Verdacht bekannt: Bestellten Mitglieder Hunderte Leichensäcke?

Eine Gruppe von mutmaßlichen Rechtsextremisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wollte einem Zeitungsbericht zufolge für Angriffe auf politische Gegner rund 200 Leichensäcke und Ätzkalk bestellen. Der Bundestag habe vom Bundesamt für Verfassungsschutz vor wenigen Wochen eine entsprechende Materialliste der Rechtsextremisten mit Bestelladressen, Kontakten und Wohnungsbeziehungen erhalten, berichtet das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" unter Berufung auf Kreise des Verfassungsschutzes.

Anlass für die Übermittlung der Liste sei ein Antrag der Bundesanwaltschaft auf erweiterte Überwachungsmaßnahmen gegen die mutmaßlich rechtsextremistische Gruppe gewesen, heißt es weiter in dem Zeitungsbericht. Über Eingriffe ins Fernmelde-, Brief- und Postgeheimnis müsse die unabhängige G-10-Kommission des Bundestags auf Grundlage eingereichter Dokumente entscheiden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes, man äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen. Der Fall liege beim Generalbundesanwalt.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier | Bildquelle: dpa
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Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen SEK-Beamte musste Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier viele Fragen beantworten.

Ermittlungen laufen seit 2017

Dem Zeitungsbericht zufolge stammt die dreiseitige handgeschriebene Aufstellung von Mitgliedern der mutmaßlich rechtsextremistischen Vereinigung "Nordkreuz", gegen die die Bundesanwaltschaft seit August 2017 wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat ermittelt.

"Nordkreuz" gehörten mehr als 30 sogenannte "Prepper" an, die über den Messenger-Dienst Telegram miteinander verbunden seien und sich auf einen sogenannten "Tag X" vorbereiten - den von ihnen erwarteten Zusammenbruch der staatlichen Ordnung durch eine Flüchtlingswelle oder islamistische Anschläge und die anschließende Ermordung politischer Gegner.

Zugang zu Waffen und Munition

Laut Verfassungsschutz stammten die meisten Personen der Chat-Gruppe aus dem Umfeld von Bundeswehr und Polizei, hieß es. Darunter seien mehrere ehemalige sowie ein aktives Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (SEK) des Landeskriminalamtes (LKA) Mecklenburg-Vorpommern. Alle Mitglieder von "Nordkreuz" hätten Zugang zu Waffen, verfügten über Zehntausende Schuss Munition und seien geübte Schützen.

Gegen drei der Männer ermittele parallel die Staatsanwaltschaft Schwerin, hieß es weiter. Ihnen werde vorgeworfen, seit April 2012 illegal rund 10.000 Schuss Munition sowie eine Maschinenpistole aus Beständen des LKA abgezweigt zu haben.

Zehntausende Namen auf Listen

Die Beschuldigten würden bestreiten, Todeslisten angelegt und Ermordungen geplant zu haben. In Sicherheitskreisen heiße es dagegen, die Vorbereitungen auf den "Tag X" seien mit "enormer Intensität" betrieben worden. Die Mitglieder des mutmaßlich rechtsextremen Netzwerks hätten unter Zuhilfenahme von Dienstcomputern der Polizei knapp 25.000 Namen und Adressen zusammengetragen. Dabei handle es sich meist um Personen aus dem regionalen Umfeld der "Prepper", bevorzugt Lokalpolitiker von SPD, Grünen, Linken und CDU, die sich als "Flüchtlingsfreunde" zu erkennen gegeben und Flüchtlingsarbeit geleistet hätten.

Jedes Mitglied der Chat-Gruppe habe Dörfer und Gemeinden in seiner Umgebung systematisch nach möglichen Zielpersonen abgesucht, hieß es. Die gesammelten Namen stammten überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern mit den Schwerpunkten Wismar, Ludwigslust und Schwerin sowie aus der Region Perleberg und Pritzwalk im Norden Brandenburgs.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2019 um 23:36 Uhr.

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