Ein Landwirt bringt Gülle als Dünger auf einem Feld aus, Linden/Niedersachsen. | Bildquelle: dpa

Bericht der Bundesregierung Weiterhin zu viel Nitrat im Grundwasser

Stand: 09.07.2020 16:49 Uhr

Trotz neuer "Gülleverordnung" sind in vielen ländlichen Regionen die Nitratwerte im Grundwasser noch zu hoch - besonders an den Mündungen von Nord- und Ostsee. Jetzt wird über "rote Gebiete" gestritten.

Das deutsche Grundwasser ist vor allem in landwirtschaftlichen Regionen weiterhin zu stark mit Nitrat belastet. Die Bundesregierung ist aber zuversichtlich, dass die kürzlich verschärften Regeln fürs Düngen das Problem in den kommenden Jahren lösen werden.

An mehr als jeder vierten Messstelle in Agrarregionen wird der EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter dem neuen Nitratbericht zufolge weiterhin überschritten. Der Anteil sank im Vergleich zum vorigen Bericht aus dem Jahr 2016 nur leicht von 28,2 auf 26,7 Prozent. Vor allem an Messstellen mit starker Belastung gab es demnach aber Verbesserungen.

850.000 Euro Strafzahlungen drohen

Auf Druck der EU und nach langem Streit zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hatte Deutschland das Düngerecht im Frühjahr verschärft. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte, er sei zuversichtlich, dass man damit nun "auf Kurs" sei und die Grenzwerte künftig einhalten werde.

Es dauere aber teils lange, bis Änderungen auf den Feldern auch an den Werten im Grundwasser ablesbar seien. Auch Agrar-Staatssekretärin Beate Kasch betonte, dass es sich bei dem Bericht um einen Rückblick handele. Er basiert auf Daten aus den Jahren 2016 bis 2018.

Alle vier Jahre müssen die EU-Staaten Daten zur Nitratbelastung ihres Grund- und Oberflächenwassers liefern. Deutschland hat seit Jahren Ärger, weil die Werte zu hoch sind. Ohne die im Frühjahr beschlossenen, schärferen Düngeregeln hätten Strafzahlungen an Brüssel von bis zu 850.000 Euro am Tag gedroht.

Zuviel Nitrat bringt die Natur aus dem Gleichgewicht

Aus Dünger wie etwa Gülle gelangt Nitrat in den Boden, das gut fürs Pflanzenwachstum ist. Zu viel davon kann die Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Zudem können aus Nitrat gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen.

Im Vergleich zum vorherigen Bericht stellten die Experten eine leichte Abnahme der Nitratgehalte im landwirtschaftlich beeinflussten Grundwasser fest. Während von den 692 Messstellen im Agrarbereich 26,7 Prozent zu hohe Werte aufweisen, sind in Wald- und Siedlungsgebieten nur 4,8 Prozent der 523 Messstellen betroffen.

Bauernverband bewertet Ergebnisse tendenziell positiv

Als "Hotspots" nannte Falk Hilliges vom Umweltbundesamt das nordwestdeutsche Tiefland, wo viel Vieh gehalten werde, das mitteldeutsche Trockengebiet sowie das Rhein-Main-Gebiet, wo wegen des Gemüseanbaus viel Dünger benötigt werde.

Der Bauernverband hatte schon vergangene Woche die Ergebnisse als tendenziell positiv bewertet, weil die Werte gesunken waren. Es müsse aber hinterfragt werden, "inwieweit die landwirtschaftliche Bewirtschaftung tatsächlich maßgeblich für die Nitratwerte an den Messstellen ist".

Um Zweifel auszuräumen, erarbeitet die Bundesregierung gerade eine Verwaltungsvorschrift für einheitliche Mess-Standards und zur Ausweisung sogenannter roter Gebiete, die besonders belastet sind und für die strengere Regeln gelten sollen.

"Bundesländer müssen rote Gebiete sachgerecht ausweisen"

Wasserversorger halten davon wenig. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erklärte, mit dem Entwurf drohe ein "Wegrechnen" zu hoher Werte, weil nicht Messwerte, sondern Modellrechnungen ausschlaggebend wären. Sie forderten, das Augenmerk auf den Schutz der Trinkwasserressourcen zu richten.

Auch die Umweltorganisation BUND betonte, die Bundesländer müssten rote Gebiete sachgerecht ausweisen, "anstatt sie klein zu rechnen".

Angespannte Situation an Nord- und Ostsee

Der WWF verwies auf die "angespannte Situation an Nord- und Ostsee", die im Bericht ebenfalls dargestellt wird. "Es entstehen immer mehr sauerstofffreie tote Bodenzonen. Über Flüsse ins Meer gespülte Nährstoffe fördern das Massenwachstum von Algen und Bakterien", mahnten die Umweltschützer.

Die Nitratkonzentrationen sind dem Nitratbericht zufolge in der Nordsee küstennah vor den Mündungen der Ems, Elbe und Eider am höchsten. In der Ostsee seien die Werte insgesamt geringer, am höchsten seien sie in den Bodden, küstennah und in der Nähe der Flussmündungen.

Nitratbericht - Grundwasserbelastung vielerorts weiter hoch
Claudia Plaß, ARD Berlin
09.07.2020 19:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Juli 2020 um 15:03 Uhr und 15:22 Uhr.

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