Eine Niqab-Trägerin in Bad Godesberg | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga

Recherchen von Report Mainz Niqab-Shops - Einstieg zur Radikalisierung

Stand: 13.09.2016 15:48 Uhr

Verschleierung für zweijährige Mädchen, Fotos von Frauen ohne Kopf - sogenannte Niqab-Shops werben auch in Deutschland für die Verschleierung. Nach Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz stehen dahinter zum Teil islamistische beziehungsweise salafistische Strukturen.

Hinter sogenannten Niqab-Shops in Deutschland stehen zum Teil islamistische bzw. salafistische Strukturen. Zu dieser Bewertung kommen Islamexperten angesichts der Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz. Demnach bieten mehrere Geschäfte in Deutschland Vollverschleierungen für Frauen und selbst für Mädchen ab zwei Jahren an und werben offen dafür.

Laut Susanne Schröter, Leiterin des Zentrums Globaler Islam an der Uni Frankfurt, sind diese Läden "nicht nur Modeläden, sondern Teile einer salafistischen Infrastruktur, in der auch Informationen weitergegeben werden und die auch als Treffpunkte für Salafistinnen und Salafisten fungieren. Die Szene ist klar extremistisch", meint Schröter. Sie sei beunruhigend und es erfordere Handlungsbedarf.

Druck zur Verschleierung

Zwei verschleierte Frauen in Deutschland.
galerie

Bisher ist der Niqab in Deutschland eher selten zu sehen.

Verdeckte Aufnahmen, die dem Magazin zugespielt wurden, zeigen, wie eine Verkäuferin versucht, Druck auf eine Kundin auszuüben, sich zu verschleiern. Report Mainz hat bundesweit diverse Shops gefunden, bei denen eine Nähe zur islamistischen Szene anzunehmen ist.

Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi von der pädagogischen Hochschule Freiburg hält die dort angebotenen Produkte, insbesondere die Verschleierung für Kinder, für sehr bedenklich: "Diese Form bei uns in Deutschland ist total neu." Die Läden konkurrierten mit der westlichen Sozialisation - besonders, wenn es um die Indoktrination der Kinder gehe. "Sie sind eine Gefahr für unsere Gesellschaft - und die müssen observiert werden", fordert Ourghi.

Verbindungen zu Salafisten und Islamisten

Mit dem Spruch "My right, my choice" wirbt ein Plakat auf der Frankfurter Zeil offensiv für Verschleierung. Das Geschäft gehört der Tochter eines salafistischen Predigers. Gemeinsam mit ihrem Vater hatte sie schon vor zwei Jahren ein anderes islamisches Geschäft in Frankfurt betrieben, für das auch der salafistische Prediger Pierre Vogel warb.

In Wuppertal wirbt ein Laden mit eigenem Design und eindeutigen Botschaften. Zum Beispiel findet sich hier ein T-Shirt mit der Aufschrift "Tauhid" (Glaube an die Einzigkeit Allahs) und einem ausgestreckten Zeigefinger - eine Geste, die häufig vom sogenannten"Islamischen Staat" (IS) benutzt wird. Angeboten werden auch Pullover, auf denen ein Glaubensbekenntnis in weißer Schrift auf schwarzem Grund aufgedruckt ist.

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IS-Symbolik auf T-Shirts

Für den Islam-Experten Abdel-Hakim Ourghi sind dies deutliche Zeichen: "Wir sehen hier eine enge Verbindung durch Symbolik zum IS und das betrachte ich als Propaganda, und es ist auch gefährlich für die hiesige Gesellschaft." Der zurzeit wegen des Verdachts auf Unterstützung einer Terrorgruppe vor Gericht stehende deutsche Salafist Sven Lau macht auf seiner Facebook-Seite Werbung für diesen Laden in Wuppertal.

Islam-Expertin Schröter sieht in den Läden eine Parallele zu Geschäften, die im rechtsextremen Bereich Anhänger mit Produkten versorgen: "Das sind Läden, in denen die Symbole einer Bewegung erworben werden können und das hat man in der rechten Szene auch. In diese Richtung einer extremistischen Konsumkultur würde ich auch diese Niqab-Läden einordnen."

"Das ist Gehirnwäsche, jeden Tag"

Für eine Mutter, die den Kontakt zu ihrer konvertierten Tochter verloren hat, haben Niqab-Shops eine entscheidende Rolle bei deren Radikalisierung gespielt. "Mädchen, die konvertieren, machen das nicht sofort zu 100 Prozent. Die lernen von ihren salafistischen Freundinnen", sagte sie im Interview mit Report Mainz. "Sie bereiten sie Schritt für Schritt vor, wie sie sich kleiden sollen. Das ist Gehirnwäsche, jeden Tag."

Auf Nachfrage des Magazins, ob das Bundesamt oder die Landesämter für Verfassungsschutz solche Läden beobachten, gab es nur ausweichende Antworten. Zu konkreten Geschäften wollen sich die Ämter nicht äußern.

Über dieses Thema berichtete "Report Mainz" am 13. September 2016 um 21:45 Uhr.

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