Eine Zapfpistole, an der ein Tropfen Dieselkraftstoff hängt.  | Bildquelle: dapd

Niedrigwasser am Rhein Tankstellen auf dem Trockenen

Stand: 28.10.2018 12:43 Uhr

Den ersten Tankstellen am Rhein geht der Sprit aus. Der Grund: Die Versorgung über den Wasserweg wird bei Niedrigwasser immer schwieriger. Der Landes-Wirtschaftsminister sieht ein grundlegendes Problem.

Von Ute Spangenberger, SWR

Um die Zapfsäule wickelt sich ein rot-weißes Flatterband. Ein Zettel klebt daneben: "Leer". Der Diesel ist ausgegangen. In den vergangenen Tagen häufen sich die Meldungen über Tankstellen, die vorübergehend keinen Sprit mehr haben und ihre Zapfsäulen schließen müssen - vor allem im Süden und Westen Deutschlands.

"Ich habe das hier noch nicht erlebt", wundert sich ein älterer Herr, der mit seinem Auto an einer Tankstelle bei Koblenz am Rhein steht.

Selbst zu Zeiten der Ölkrise sei es nicht so extrem gewesen. Der Betreiber einer anderen Tankstelle in der Region erzählt, er warte seit Tagen auf den Tankwagen und werde immer wieder vertröstet. Demnächst müsse er nicht nur eine Zapfsäule, sondern die komplette Tankstelle schließen, da seine Vorräte aufgebraucht seien.

Ein Schiff fährt hinter einer Sandbank über den Rhein. | Bildquelle: dpa
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Ein Schiff hinter einer Sandbank auf dem Rhein: Deutschlands wichtigste Wasserstraße führt Niedrigwasser.

Niedrigwasser am Rhein

Tankstellen auf dem Trockenen? Diese ungewöhnliche Situation liegt daran, dass auch der Rhein an manchen Stellen buchstäblich auf dem Trockenen liegt. Deutschlands wichtigste Wasserstraße führt Niedrigwasser. Es regnet zu wenig, darum können die Tankschiffe seit Wochen nicht mehr vollbeladen fahren. Sie transportieren also weniger Kraftstoffe, die sie von den Raffinerien auf die Häfen verteilen. Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen, beschreibt das Transportproblem so: "An ganz vielen Stellen fehlt plötzlich die Ware, weil unsere Tankwagen und Tanklaster warten müssen. Mal fehlt ein Produkt, mal fehlt alles an der Tankstelle."

Er begrüßt, dass die Bundesregierung nun in einigen Bundesländern und Regierungsbezirken erlaubt hat, auf Treibstoff aus Tanklagern zurückzugreifen, der aus der Erdölreserve des Bundes stammt - für einen befristeten Zeitraum. "Die Freigabe der Vorratsmengen hilft, den Markt wieder in Ordnung zu bringen." Um die Versorgungslücke zu schließen, wurden jetzt 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Dieselkraftstoff und rund 56.000 Tonnen Kerosin freigegeben, heißt es in einer Pressemitteilung des Erdölbevorratungsverbands.

Hunderte Meter lang ist eine Sandbank am Rhein bei Rüdesheim, die sich in der Mitte des Rhein gebildet hat. | Bildquelle: dpa
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Hunderte Meter lang ist eine Sandbank am Rhein bei Rüdesheim: Doch Regen ist in nächster Zeit nicht zu erwarten.

Begrenzte Maßnahme

Dieser Verband regelt nun von Hamburg aus die Umsetzung und entscheidet, wie und an wen die Kraftstoffe aus der Reserve weiterverteilt werden. Klar ist: Die Freigabe der Vorräte ist nur eine zeitlich begrenzte Maßnahme, um Störungen in der Energieversorgung zu verhindern oder zu beheben.

Dirk Lehr, der im rheinland-pfälzischen Andernach bei einem Mineralölhandel mit mehr als 100 Tankstellen arbeitet, ist erleichtert, da die Versorgungslage zuletzt immer angespannter wurde.

Er hofft, dass die freigegebenen Mengen nun sinnvoll und gerecht verteilt werden. Gerade mal 30 Prozent der Ladung, die sonst geliefert werde, komme derzeit an. Wie lange aus den Vorratslagern Kraftstoff ausgegeben wird, hängt davon ab, wie lange der Rhein noch Niedrigwasser führt. Lange, ergiebige Regenfälle im Süden Deutschlands und der Schweiz wären wünschenswert, damit sich die Transportsituation entspannt.

Wissing fordert Vertiefung der Fahrrinne

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing, FDP, leitet aus der aktuellen Situation noch eine grundsätzliche Forderung ab: "Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal an die Bundesregierung appellieren, es muss dringend etwas passieren in Sachen Rheinvertiefung." Was Wissing meint, ist die künstliche Vertiefung der Fahrrinne des Rheins an flachen Stellen, damit die Niedrigwasser-Phasen bei den Transportschiffen, die durch ihre Ladung viel Tiefgang haben, nicht so schwer ins Gewicht fallen.

Volker Wissing | Bildquelle: picture alliance / Soeren Stache
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Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing fordert eine Rheinvertiefung.

Nennenswerte Niederschläge, die die Rheinpegel drastisch steigen lassen, sind allerdings nicht in Sicht. Auch Stephan Zieger vom Bundesverband Freier Tankstellen hofft auf Regen, damit die normale Versorgung wieder aufrechterhalten werden könne. Mit Blick auf die Spritpreise hat er keine guten Nachrichten: "Die Versorgungsknappheit führt zu höheren Benzinpreisen, weil die Logistik teurer wird", sagt er. Die Fahrzeuge seien länger unterwegs, die Fahrzeuge stünden länger an den Versorgungsstellen und brauchten dann wieder länger zur Tankstelle. "Das sind naturgemäß vier bis fünf Cent pro Liter, in entfernteren Gegenden sechs Cent pro Liter, die der Kraftstoff teurer wird.“

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Oktober 2018 um 23:35 Uhr.

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