Chefarzt Lorenz Nowak (r) untersucht in Schutzkleidung in einem isoliertem Intensivbett-Zimmer in der Asklepios Klinik im bayerischen Gauting einen positiv getesteten Corona-Patienten. | Bildquelle: dpa

Corona in Deutschland Neuinfektionen erreichen Höchstwert

Stand: 29.10.2020 10:38 Uhr

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist so hoch wie nie. Auf der Entwicklung eines Impfstoffs ruhen große Hoffnungen - nun aber hat ein führender Virologe die Erwartungen gedämpft.

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 16.774 Fällen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Donnerstagmorgen hervor. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg innerhalb von 24 Stunden um 89 auf insgesamt 10.272 - ebenfalls ein deutlicher Zuwachs.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 481.013 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. Das RKI schätzt, dass rund 339.200 Menschen inzwischen genesen sind. Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 1,03 (Vortag: 1,17). Das bedeutet, dass ein Infizierter etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Langfristig hilft nur ein Impfstoff

Schon seit Tagen steigt die Zahl der Corona-Fälle rapide an. Am vergangenen Donnerstag hatten die Neuinfektionen erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland die Marke von 10.000 überschritten.

Um die rasche Verbreitung des Virus einzudämmen, haben Bund und Länder deshalb weitreichende Maßnahmen beschlossen: Im November wird das öffentliche Leben in der Bundesrepublik stark eingeschränkt. Kontaktbeschränkungen und die Schließung der Gastronomie sollen die Infektionszahlen wieder beherrschbar machen - zumindest kurzfristig.

Langfristig dagegen ruht alle Hoffnung in der Entwicklung eines Impfstoffs. Doch auch ein passendes Vakzin wird die Situation nach Aussagen von Experten voraussichtlich nicht unmittelbar entspannen. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, der Virologe Thomas Mertens, dämpfte entsprechende Erwartungen.

Virologe: Umfassende Impfung wird dauern

Mertens geht davon aus, dass eine Impfung der gesamten Bevölkerung gegen das Coronavirus auch bei schneller Entwicklung eines Impfstoffs Ende 2021 noch nicht abgeschlossen sein wird. "Es wird längere Zeit dauern, bis wir durch die Impfung eine spürbare Veränderung des Infektionsgeschehens sehen werden, dass wir sagen können, jetzt kann wieder Ruhe einkehren", sagte Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Anfang Oktober hatte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek angekündigt, sie erwarte einen Impfstoff gegen das Coronavirus für Mitte kommenden Jahres. Die Forschung, an der auch mehrere deutsche Unternehmen beteiligt sind, sei derzeit "gigantisch schnell".

Mögliche Konflikte bei Verteilung von Impfstoff

Virologe Mertens ist da skeptischer. Wenn man etwa pro Tag 100.000 Menschen impfe, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen. Dieses Tempo wäre nach Mertens Ansicht bereits eine Herausforderung. "Der Start der Impfungen darf nicht übereilt passieren." Vor allem Transport und Lagerung, die Einrichtung der regionalen Impfzentren und die bundesweit zeitgleiche Dokumentation der Impfungen müssten gut vorbereitet werden, ebenso die Auswertung der Sicherheitsaspekte und des medizinischen Impferfolgs.

Mertens rechnet zudem damit, dass es angesichts eines zunächst knappen Impfstoffs Konflikte über die gerechte Verteilung geben wird. "Es kann auch sein, dass einzelne, die nicht gleich zum Zuge kommen, dagegen klagen werden." Laut Bundesgesundheitsministerium sollen zunächst Personen mit hohem Gesundheitsrisiko geimpft werden. Mertens kündigte an, dass die ethischen Rahmenbedingungen für die Impfstoffverteilung Anfang nächster Woche veröffentlicht werden sollen. Die Beratungen der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats und der Leopoldina würden Ende dieser Woche abgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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