Jochen Senf ist tot. | Bildquelle: picture alliance / Werner Baum/d

Nachruf auf Jochen Senf Saarländer mit "Renitenz-Gen"

Stand: 18.03.2018 14:05 Uhr

In die Rolle des "Tatort"-Kommissars Palu brachte der Schauspieler Senf viel von sich selbst ein. Doch Senf war privat viel unbequemer. Er engagierte sich schon als junger Mann politisch. Ein Nachruf.

Von Barbara Grech, SR

17 Jahre lang gab Jochen Senf den Max Palu, den eigenwilligen "Tatort"-Kommissar aus dem Saarland. Noch heute scheiden sich an dieser Rolle die Geister: Die einen fanden diesen Palu zu klischeehaft und behäbig. Die anderen weinen den Palu-"Tatorten" bis heute nach. Tatsache ist: Bei den Stichworten "Saarbrücken" und "Tatort" sehen die meisten Menschen das Konterfei von Jochen Senf, der diesen knorrig-liebevollen Max Palu gespielt hat, vor ihrem inneren Auge.

Was auch daran gelegen haben mag, dass Senf viel von seinem eigenen Charakter in die Rolle des Max Palu einfließen ließ. Wie der "Tatort"-Komissar war Senf ein leidenschaftlicher Hobby-Koch, trank gerne mal ein Glas Rotwein und war in seiner Wahlheimat Berlin oft mit dem Fahrrad unterwegs.

Senf schrieb Krimis

Doch im Gegensatz zum gemütlich-frankophilen Palu war Senf selbst - durchaus mit Lust - ein unbequemer Zeitgenosse. "Ich bin mit dem Renitenz-Gen ausgestattet", sagte er einmal selbst. Und mit Leidenschaft: Sich in seiner Wut unverblümt mitzuteilen, gab Senf in seinem kreativen Leben viel Raum. Nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Autor von Geschichten und Krimis. "Ich muss selber einen bestimmten Grad an Frustration haben. Und dann läuft es bei mir. Ganz aggressiv. Es rollt einfach so runter", sagte er einmal zu seiner Arbeitsweise.

1942 in Frankfurt geboren, wuchs Senf im Saarland auf. Sein Vater war nach dem Krieg saarländischer Finanzminister. Und obwohl Senf somit aus einem eher großbürgerlichen Milieu stammte, war er schon als junger Mann aufmüpfig, eher links und dazu bereit, sich gegen empfundenes Unrecht aufzulehnen.

Feindbild Spießer

Spießigkeit und bürgerliche Moral waren ihm ein Graus: "Die viel größeren Anarchisten sind für mich die Spießer. Die Spießer nämlich, die ungeheure Wünsche haben - etwa ganze Dammbrüche zu organisieren, um eben eine relative Minderheit wegzujagen", sagte Senf.

Schon als junger Mann engagierte er sich für jugendliche Häftlinge und kämpfte ein Leben lang aktiv gegen häusliche Gewalt. Seine beruflichen Stationen nach einem Studium und einer Schauspielausbildung: Hörspieldramaturg beim Saarländischen Rundfunk, freier Autor und eben Schauspieler. Diesen Beruf liebte er wegen seiner Vielfältigkeit besonders: "Du kannst das Haus zusammenschlagen. Du kannst Töpfe zerdeppern, du kannst Tische zerschlagen, es ist unglaublich!"

Senf spielte auch in "Tatort"-Persiflage mit

Dass der Saarländische Rundfunk nach fast 20 Jahren die Palu-"Tatort"-Reihe einstellte, verzieh Senf dem Sender nie. Aber er konnte auch anders. Mit einer großen Portion Humor und Selbstironie ausgestattet, spielte er bei einer Persiflage auf den Palu-"Tatort" dann auch lieber gleich selbst mit, als dies einem anderen zu überlassen. "Durch 'Salü Palu' ist da schon so 'ne Lebensart getroffen. Leicht italienische Verhältnisse, leicht chaotisch: 'Komm‘, mir geh'n enner trinke.'"

Nachruf auf Schauspieler Jochen Senf
Barbara Grech, SR
18.03.2018 13:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2018 um 13:25 Uhr.

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