Frau mit Kopftuch vor Brandenburger Tor | dpa

Studie der Bundesregierung Zahl der Muslime deutlich gestiegen

Stand: 28.04.2021 16:44 Uhr

Mehr als fünf Millionen Muslime leben in Deutschland - fast eine Million mehr als vor fünf Jahren. Herkunft und Religiosität sind dabei deutlich vielfältiger geworden, wie eine Studie zeigt.

Von Ulrich Pick, SWR

Die Zahl der muslimischen Religionsangehörigen mit Migrationshintergrund in Deutschland hat in den vergangenen sechs Jahren um rund 900.000 zugenommen. Nach Angaben des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) liegt sie damit aktuell zwischen 5,3 und 5,6 Millionen. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil zwischen 6,4 und 6,7 Prozent.

Ulrich Pick

Nach wie vor bilden dabei die Türkei-stämmigen Muslime die größte Herkunftsgruppe. Sie stellen allerdings mit 45 Prozent nicht mehr die absolute Mehrheit. Hintergrund ist, dass die Zahl der Muslime aus den Ländern des Nahen und Mittleren Osten in den vergangenen sechs Jahren überdurchschnittlich zugenommen hat. So leben mittlerweile 1,5 Millionen Menschen aus arabischen Ländern in der Bundesrepublik.

Frauen gläubiger als Männer

Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Herkunftsländern sind laut der aktuellen Studie deutlich religiöser als Menschen ohne Migrationshintergrund. Ihr Anteil wird mit 82 Prozent angegeben. Mehr als zwei Drittel von ihnen halten sich an besondere Speisevorschriften, knapp 40 Prozent beten täglich. Laut Anja Stiels, Soziologin beim BAMF, gibt es dabei kaum generationen- bzw. altersübergreifende Unterschiede. "Allerdings sind Frauen tendenziell gläubiger als Männer".

Eine nach wie vor zwiespältige Rolle nehmen die islamischen Verbände ein. Laut Innenstaatsekretär Markus Kerber repräsentieren sie maximal 25 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Woraus sich für ihn die Frage ergebe, wer wirklich adäquater Ansprechpartner für die Mehrheit sei.

Verbände häufig vom Ausland abhängig

Zudem nannte Kerber die finanzielle wie ideologische Abhängigkeit zahlreicher Verbände vom Ausland "problematisch". Dies beziehe sich vor allem auf den größten Dachverband Ditib und seine Verbindungen zum Amt für Religiöse Angelegenheit (Diyanet) in Ankara. "Die Repräsentativität der Islamverbände für die ganze in dieser Studie abgebildete Gruppe von Bürgern von über fünf Millionen ist nicht gegeben."

Für die Studie wurden mehr als 4.500 Interviews mit Personen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern geführt. Sie ist damit die größte bundesweit repräsentative Studie über muslimisches Leben in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2021 um 14:00 Uhr.