Ein Mann fotografiert auf der Berliner Museumsinsel die James-Simon-Galerie mit dem angrenzenden Neuen Museum. | Bildquelle: dpa

Berliner Museumsinsel Mindestens 70 Exponate beschädigt

Stand: 21.10.2020 13:32 Uhr

Bereits am 3. Oktober sind auf der Berliner Museumsinsel offenbar mehrere Ausstellungsstücke beschädigt worden. Medienberichten zufolge wurden sie mit einer öligen Flüssigkeit besprüht. Über die Hintergründe ist noch nichts bekannt.

Auf der Berliner Museumsinsel sind am Tag der deutschen Einheit Dutzende Kunstwerke und Antiken beschädigt worden. Wie der Deutschlandfunk und "Die Zeit" berichten, wurden mindestens 70 Ausstellungssstücke im Pergamonmuseum, im Neuen Museum, in der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten am 3. Oktober mit einer öligen Flüssigkeit besprüht.

Die Substanz hinterließ demnach sichtbare Flecken auf ägyptischen Sarkophagen, Steinskulpturen und Gemälden des 19. Jahrhunderts. Den Berichten zufolge handelt es sich um "einen der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands".

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Bisher waren weder die Öffentlichkeit noch andere möglicherweise gefährdete Museen über den Vorfall informiert worden. Sprecher der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Berliner Polizei bestätigten am Vormittag die Medienberichte. Über Art und Umfang der Beschädigungen wollten sie sich zunächst nicht äußern. Die Polizei kündigte eine Erklärung an. Ein Ermittlungsverfahren wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung sei eingeleitet worden.

Die Ermittler suchen nun nach Zeugen. Dem "Tagesspiegel" zufolge wurden Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets gebucht hatten, vom Landeskriminalamt (LKA) angeschrieben und dringend um Mithilfe gebeten.

Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel wird derzeit umgebaut. | Bildquelle: dpa
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Das Pergamonmuseum wird derzeit umgebaut.

Mögliche Verbindung zu Verschwörungsideologen

Zu möglichen Tätern und Motiven ist bisher nichts bekannt. "Es wird in alle Richtungen ermittelt", sagte ein Sprecher zu Berichten, dass der Verschwörungsideologe Attila Hildmann eine Rolle spielen könnte. Die Spekulationen seien der Polizei bekannt.

Den Berichten zufolge hatte Hildmann im August und September auf seinem öffentlichen Telegram-Kanal verbreitet, dass sich im Pergamonmuseum der "Thron des Satans" befinde und es das Zentrum der "globalen Satanisten-Szene und Corona-Verbrecher" sei: "Hier machen sie nachts ihre Menschenopfer und schänden Kinder."

Im Juni hatte Hildmann zahlreiche Kundgebungen auf den Stufen des Alten Museums abgehalten, bevor die Versammlungsbehörde sie verbot. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz distanzierte sich unter anderem mit einem großen Banner am Eingangsportal des Alten Museums von den Demonstrationen.

Luftaufnahme der Museumsinsel in Berlin | Bildquelle: dpa
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Die Gruppe aus Altem Museum, Bode-Museum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum und James-Simon-Galerie als jüngstem Bau zieht jährlich knapp 3,1 Millionen Menschen an.

Seit 1999 Unesco-Weltkulturerbe

Das Bauensemble auf der Museumsinsel im Herzen der Hauptstadt beherbergt weltberühmte Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte Europas und der Mittelmeerregion. Sie gehört seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Anfang Oktober feierte das Pergamonmuseum seinen 90. Geburtstag. Benannt ist es nach seiner bekanntesten Attraktion, dem Pergamonaltar. Er stammt aus dem 2. Jahrhundert vor Christus und gehörte zur Residenz der mächtigen Könige von Pergamon, die im Westen der heutigen Türkei eine Kulturmetropole nach dem Vorbild Athens schufen. Als eines der wenigen Museen in Deutschland lockt das Pergamon jährlich mehr als eine Million Menschen an.

Grütters verurteilt Beschädigungen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters forderte Aufklärung in Sachen Sicherheit. Die Staatlichen Museen zu Berlin müssten sich erneut Fragen nach ihren Sicherheitsvorkehrungen stellen lassen, erklärte Grütters. "Ich habe daher den Präsidenten umgehend gebeten, dem Stiftungsrat dazu einen umfassenden Bericht vorzulegen. Es ist zu klären, wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstattengehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen."

Die vorsätzliche Beschädigung der Kunstwerke verurteilte Grütters aufs Schärfste. Sie richteten sich "auch gegen künstlerische Ausdrucksformen, gegen unser aller Kulturerbe, gegen zivile Formen der Auseinandersetzung und so gegen Grundsätze unseres demokratischen Selbstverständnisses". Neben der reinen Sachbeschädigung zeige sich bei solchen Angriffen immer auch eine tiefe Verachtung gegenüber Kunstwerken und kulturellen Leistungen insgesamt.

Die Staatsministerin wurde nach eigenen Angaben vom Stiftungspräsidenten Hermann Parzinger am 6. Oktober über die Anschläge informiert. "Aus ermittlungstaktischen Gründen und in Abstimmung mit der Polizei hat die Stiftung jedoch zunächst von einer Information der Öffentlichkeit abgesehen", heißt es weiter. Bereits 2017 wurde die Museumsinsel zum Tatort: Damals wurde eine riesige Goldmünze gestohlen. Die Beute ist bis heute verschwunden und wurde vermutlich zerstückelt und verkauft.

Kunstwerke auf Berliner Museumsinsel beschädigt
Ricardo Westphal, RBB
21.10.2020 09:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Oktober 2020 um 00:00 Uhr.

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