Blumenkränze zum Gedenken an die Opfer | Peter Kneffel/dpa

Olympia-Attentat von 1972 München gedenkt der Opfer

Stand: 05.09.2022 15:09 Uhr

Zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentats findet am Nachmittag im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck eine Gedenkfeier statt. Israels Staatspräsident Herzog, Bundespräsident Steinmeier und Familien der Olympia-Attentats-Opfer nehmen teil. Live hier bei BR24.

Birgit Grundner, David Herting

Vor 50 Jahren wurde bei den Olympischen Sommerspielen in München ein brutaler Terroranschlag verübt. Elf israelische Sportler und Trainer sowie ein bayerischer Polizist fielen ihm zum Opfer. An den Schauplätzen der tragischen Ereignisse finden heute Gedenkfeiern statt. Weil lange unklar war, ob die Hinterbliebenen dabei sein werden, gab es beim Ablauf in München und Fürstenfeldbruck bis zuletzt viele Fragezeichen.

BR24 überträgt die Gedenkfeier live vom Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, eingebettet über diesem Artikel.

Olympia-Attentat: Gedenken in Fürstenfeldbruck

In Fürstenfeldbruck findet der zweite Teil der Gedenkfeiern an das Attentat während der Olympischen Spiele 1972 statt. Am Fliegerhorst scheiterte ein chaotischer Befreiungsversuch, die Terroristen ermordeten alle Geiseln.

Die Gendenkveranstaltung am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck hat um 15 Uhr mit Musik des Jewish Chamber Orchestra begonnen. Im Laufe der Veranstaltung wird es unter anderem Reden von Bundespräsident Steinmeier und dem israelischen Staatspräsidenten Jitzchak Herzog geben. Den Abschluss der Gedenkfeier bildet ein Staatsempfang. Am Abend wird der Olympiaturm in den Landesfarben Israels angestrahlt. Am Vormittag hatten Redner an der Gedenkstätte im Olympiapark der Opfer des Attentats gedacht.

Hinterbliebene der Opfer halten Reden

Ilana Romano, die Witwe des Gewichthebers Yossef Romano, sprach am Vormittag bei der Gedenkfeier im Münchner Olympiapark. Der dortige Erinnerungsort befindet sich in Sichtweite des Wohnblocks, in dem die palästinensischen Terroristen ihren schwer verletzten Mann sterben ließen.

Ankie Spitzer wird am Nachmittag in Fürstenfeldbruck das Wort ergreifen. Ihr Mann André und acht weitere Geiseln kamen bei dem völlig missglückten Befreiungsversuch auf dem Militärflugplatz ums Leben.

Einigung auf Entschädigungszahlungen in letzter Minute

Erst vor wenigen Tagen haben sich die Bundesregierung und die Hinterbliebenen auch auf Entschädigungszahlungen geeinigt – die Rede ist von 28 Millionen Euro. Außerdem soll das Geschehen von einer deutsch-israelischen Historikerkommission umfassend aufgearbeitet werden. Nachdem man sich darauf verständigt hatte, haben die Hinterbliebenen ihr Kommen zugesagt. "Es ist ein Glück, dass die israelischen Familien heute hier sind", so der Antisemitismus-Beauftragte der bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle (CSU).

Olympiaturm leuchtet in den Farben Israels

Bei beiden Gedenkfeiern werden jüdische Gebete gesprochen und die Namen der Attentatsopfer verlesen. Am Abend wird der Münchner Olympiaturm in den Farben Israels – blau und weiß – beleuchtet. Der Landkreis Fürstenfeldbruck startet eine "digitale Gedenkstätte", die aus einer Website und einer App besteht und die tragischen Ereignisse unter anderem mit Zeitzeugenberichten rekonstruiert.

Palästinensischer Anschlag am 5. September

In den frühen Morgenstunden des 5. September waren acht palästinensische Terroristen im Olympischen Dorf in die Unterkunft der israelischen Mannschaft eingedrungen. Sie erschossen den Ringer-Trainer Moshe Weinberg und ließen den Gewichtheber Yossef Romano verbluten – vor den Augen von weiteren neun israelischen Geiseln.

Gescheiterter Befreiungsversuch in Fürstenfeldbruck

Bilder von vermummten Terroristen auf dem Balkon gingen um die Welt. Sie verlangten, dass mehr als 200 Palästinenser aus israelischer Gefangenschaft entlassen werden sollen. Nach zermürbenden Verhandlungen wollten sie schließlich mit ihren Gefangenen nach Kairo fliegen. Am Militärflugplatz Fürstenfeldbruck wurde eine Maschine bereitgestellt. Hubschrauber sollten die Terroristen und ihre Geiseln in der Nacht vom Olympischen Dorf dort hinbringen.

In Fürstenfeldbruck kam es zur nächsten Katastrophe. Ein Befreiungsversuch scheiterte auf ganzer Linie. Bei den Schusswechseln starben alle Geiseln und der Polizist Anton Fliegerbauer. "Mit dem Anschlag wurde nicht nur Frevel an der Idee des Olympischen Friedens begangen", sagte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt im Fernsehen: "Auch der Bundesrepublik Deutschland - uns allen - wurde schwerer Schaden zugefügt."

Athleten unter Schock

Fassungslosigkeit herrschte auch bei den Athleten. "Alles war geschockt, und man wusste zunächst überhaupt nicht, wie es weitergeht", erinnert sich Speerwerfer Klaus Wolfermann im BR24-Interview, der zwei Tage vor dem Anschlag eine Goldmedaille gewonnen hatte. Am 6. September wurden die Wettkämpfe zunächst unterbrochen. Doch nach einem Tag verkündet der damalige IOC-Präsident Avery Brundage: "The Games must go on."

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Quelle: BR24 Infoblock 05.09.2022 - 06:00 Uhr